Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 9 (10.9.1928)
- Date
- 1928-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Nummer 9 meinde mit dem Angesicht bis zur Erde ihren Höhepunkt erreicht und zuletzt ausgelöst wird in dem jubelnden Preis des königlichen Namens Gottes. — Ties Bekenntnis wird dreimal wiederholt., ebenso das Zählen beim Blutsprengen im Allerheilig'ten, das. nichts weiter als die einfachen Zahlen, doch noch durchzittert ist von der Feicrlichkeir und Gefahr der gottesdienstlichen Handlung im Tempel. Tie Abodr schließt mit einer bilderreichen Beschreibung des her'lichen und freudigen Aussehens des .Hohenpriesters bei seinem glücklichen Ausgang aus dem Allerheiligsten und klingt aus in eine Klage um das zerstörte Heiligtum und über die Sünde, durch die die Verbannung verschuldet wurde. . '.Aach Mincha immer drängender eilt Ncila. das Schlußgebet. dem Ende des Tages zu. Tie Tore des Tages,, die zufallen wollen, werden mit. letzter Krast gestürmt. Tic Litqnci mit dem immer wiederkehrenden Anruf „unser Bqtei. unser, .König" wird noch einmal gesprochen. Inzwischen ist ds' draußen Nacht geworden. Ter Tag ist zu Etzdc.' Es zeigt die tiefernste Einstellung des Judentums zntn Gebet, daß tun nicht geschieht, was man nach dem langen Tag voll Flehen erwarten sollte: kein Bevollmächtigter oder Miktlor tritt vor die Gemeinde und verküuhcl: es sei eich vergeben! auch kein gemeinsames 'Bekenntnis sagt: usts ist vergeben. Während im ganzen Tag die Gemeinde im Gsbet zusammengehalten hat — wir haben gesündigt, vergib uns, hieß es immer, ist hier letzten Endes das ijnnere Erlebnis jedem einzelnen überlassen. Wer das Unfaßliche der Sündenvergebung und det Gnade nicht im, eigenen Herzen fühlt, dem kann weder Menschennoch Eügelstimme sie verkünden. Ganz ohne Gebärde, ohne! Aeißc-rlickikeit soll das Wunderbare geschehen.! Bei geöffneter iheiliger'Lade, in tiefstem Ernst, bekennt sich die! ganze Gemeinde mehrmals laut zu dem echigcu und einzigen.Gott, uird cm Ton des Schofars beschließt den Gottesdienst. Die porkugieftsch-jü-ifche Gemeinde in Glückskadk. Äon Alfonso Cassuto. Tas vorletzte Gen eindeblatt enthielt eiuen Artikel, der sich mit der ehemaligen portugiesisch-jüdischen Gemeinve in Glückstadt befaßt., Lücken und Fehler der Tarstellung veranlassen mich, nilchstehende Zusätze zu veröffentlichen. Wenn auch-sen portugiesischen.Juden die Niederlassung in Hamburg offiziell gewährt und urkundlich bestätigt war, so fühlten sich die »du der Inquisition Vertriebenen in Ham bürg doch nicht dauernd sicher. Geistlichkeit und ein großer Teil der Bürgerschaft mißgönnten den Juden ihre Rechte. Tahcr fand die Einladung Christians IV. (1622) an die portugiesischen Juden in Hamburg. Amsterdam. Bayonnc usw.. sich in Glückstadt niederzulassen, jedenfalls bei den .Hamburger Portugiesen großen Beifall. Tie Privilegien und Zugeständnisse stellten sie in Glückstadt ihren christlichen Mitbürgern gleich. Sie wurden auf Abraham alias Tiego Senior Teireiras Veranlassung noch erweitert. so daß man sogar von einer Bevorzugung der Portugiesen sprechen kann. Teixeira hatte dem König Christian IV. von Tänemark verschiedene Tarkehen gewährt/ die der König außerstande war. in der vereinbarten Zeit zurückzuzahlen; für diese Tarlehen erhielt er ein großes Rittergut in Jütland und weitgehende Privilegien jür seine Glaubensgenossen in Glückstadt; u. a. wurden die Juden davon befreit, im! Kriege Soldaten bei sich aufnehmen zu müssen. Viele rqiche Hamburger Portugiesen ließen sich daraufhin in Glückstadt nieder. Wenn auch einheimische Chronisten berichten, daß Glückstadt dadurch schnell aufblühte und als Handelsstadt eine Bedeutung erlangte, so bezeichnet anderseits Joseph del Mcdigo in der Vor rede zu einem seiner Werke Glückstadt als einen Ort, wo weder Glück noch eine Stadt zu finden sei. Tust Glückstadts portugiesisch-jüdische Gemeinde niemals allein bestehen Friedhof in wliiilstadt j i konnte, beweist das' alte Protokollbuch (s. aus dem älteste» Protokollbuch der portugiesisch-jüdischen Gemeinde in.Hamburg. Uebersctzungcn und Anmerkungen v. Jsaac Cassuto in verschiedenen Jahrbüchern der jüdischen literarischen Ge sellschast Frankfurt a. M.). in dem oftmals erwähnt wird, ^daß Geldbeträge nach Glückstadt gesandt wupden, um die > Gemeinde zu erhalten, „damit sie, wenn nötch, was Gott verhüten möge, uns als Zufluchtsort dicne^. Man fühlte sich also noch um 1660 in .Hamburg nicht vollständig sicher. Unter den vielen portugiesischen Juden, die nach Glückstadt verzogen, befanden sich beispielsweise: Albertus T io - nys oder Tenis, mit jüdischem Namen Samuel Jachia, dessen Ahnen in Spanien.hohe Regierungsbeamtc gewesen waren und sich schon im 10. und I I. Jahrhun dert durch Wissen,' Ansehen und Reichtum einen Namen erworben hatten. Tiefer Jachia war selber auf der iberi schen Halbinsel geboren und »ach jahrelange^ Irrfahrten in Hamburg gelandet, wo er bereits 1611 urkundlich als zur portugiesischen Nation gehörig nachgewiösen werde» kann. Als tiner der Vertreter der gesamten portugiesisch hebräischen Nation kaufte er den Friedhof an der König, straßr in Altona. Bereits 1625 ist er als ein getreuer Bür ger Christians IV. in Glückstadt ansässig. Später verzog er nach Amsterdam, wo er auch starb; er hat sich besonders als Vertrauensmann des dänischen Königs hervorgetan. Ein Zeitgenosse von ihm war Mosesde Jos na HenriaueS, Hofsaktor j>es Königs Christian IV., eine für Zeit und Ort außerordentlich bedeutsame Persönlichkeit. Auch an gelehrten Männern hatte Glücksladt keinen "Mangel. Moses de Gidhon Abudicntv. berühmter Grammatiker und Tichter, aus- Lissabon gebürtig, erkor Glückstadt zu seiner Wohnstätte; sein Studiengenosse und Freund war Benjamin M u s s a p h i a. der sowohl als Arzt wie als Gelehrter sich einen bedeutenden Namen erworben hat. Ebenfalls aus Hamburg stammte Dr. A n d r € alias Taniel Namias d e C a st r o, der einer der wenigen bedeutenden Männer ist. die auf dem kleinen Bet Haim in Glückstadt ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Aus