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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1928-08-10 · 8 (10.8.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
4 (1928)
Issue
8 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Nummer 8 Seite 4 Gemeindeblatt der Deutsch »Israelitischen Gemeinde. Gedenket der Erholungsbedürftigen! ' Jeder gebe vor Antritt seiner Reiie ein Scherflein. unl auch anderen eine Erbolung zu ermöglichen. Zahlungen an Deutsch-Israelitische Ge. meinde mir Erbol»ngsbedürftige>. Dresdner Bank, Deo.- >lane HarveiteKude oder Postscheckkonto Hamburg 499. Zentrale für Kur- und Erholungsbedürftige. io gar nicht zur entrückten Welt von Bibel und Talmud pas- > seu, und die leicht zu einem Konversationston verführen, der drin Wortvorrat unserer Heiligen Schrift fremd ist. Dieser Einwand ist nur zum geringsten Teil berechtigt. Er trim iür die Welt des T a l m u d und der späteren Schriften gar' nicht deren stofilickzc und sprachliche Mannigfaltigkeit eine Trennung von profanem und auf Heiliges bezüglichem Vokabelschatz nicht zuläßt. Für das Tenach, desstn Stil und Tarstellungsmittcl'überhaupt mehr dex Poesie als der Prosa angehören, mag das Bedenken seine schein bare sormcklc Berechtigung haben. Jedoch ein anderes entscheidendes Moment wirrt den ganzen Einwand über den Haurcn: man übersieht die Grundvoraussetzung für unsere Forderung: das ist die v s n ch o l o g i s ch e. Wir behaupten, es gibt rür den frommen Juden keine Trennung zwischen Heiligem und Profanem in der hebräischen Sprache. Die hebräische Sprache, ihre Laute und Lautwerte sind iür uns religiöse Juden kein beliebig zu wechselndes Gewand, keine bloße Hüllt zum Ausdruck der Gedanken und Wallungen, sondern sic ist Kern und Schale mit einem Male, das Gewand ist uns heilig. Achad Haam hat einmal in einem klassischen Essay ausgejührt, daß auf gewissen heiligen Gebieten das viel mißbrauchte Wort: „Ter Zweck heiligt die Mittel" eine edle Bedeutung und Berechtigung gewonnen habe, aus deyi Gebiete dcS Heiligen sei oft das Mittel zum Selbstzweck geworden. Dasselbe behaupten wir von der heiligen hebräischen Sprache. Es gibt kein Gebiet des Lebens, welches durch das Medium cher hebräischen S p rache für das strenggläubig eingestellte Kind nicht geheiligt werde! Fürchten wir daher nicht, daß durch. Besprechung täglicher Geschehnisse in hebräischer Sprache dieser der Nimbus der Heiligkeit geschmälert werde: im Gegenteil, ihre Wertschätzung wird beim Kinde uni so mehr erhöht, wenn es sicht, wie schöpferisch und ewigjung das Hebräische alle klassischen Sprachen überdauert und die feinsten seelischen wie die alltäglichsten Gedanken auszudrücken imstande ist. Ties zur Erwiderung auf die formale Seite des Einwand.es. Doch auch 5iematerialen Bedenken gegen die allzu ausgedehnte Anwendung des Hebräischen im Unterricht lassen sich aus dem Fclcke schlagen. Man befürchtet, das Maß der nötigen hebräischen Kenntpifse des Schülers würde sich mit dem Hineintragen weltlicher' Stoffe vermindern, die nicht ausschließlich der Bibelwelt ilnd heftigen Stoffen entnommen sind. Diesen ewigen Zauderern erwidern wir: Wir können uns aus die Tauer nicht damit begnügen, daß das Ideal- und Endziel des hebräischen Unterrichts auf die Begriffs- und Borstellungswelt von Bibel und Talmud allein beschränkt bleibe, unsere Welk muß größer werden. Wir wollen unsere Söhne die großen Wandlungen, die sich in und um Erez-Jsrael fast vor unseren Augen vollziehen, verstehen lehren; wir wollen ihnen unsere gesamte National-Literatur vorbereitend erschließen helfen, von den Geistesschätzen des Tenach und Talmud angefangen. bis herab auf die jüngsten Sprossen der Literatur unserer Tage, bis auf die Werke eines Bialik. Scholem Alechem, M'endcle, Perez und Jakob Kohen. Und wir behaupten, wir wollen und können dies erreichen, ohne Einbuße an der Kenntnis der ewigen Grundlage alles unteres Wissens, der Thora. Nur eines sei die Vorbedingung: Gebt unseren.Kindern die volle, ungeteilte hebräische Sprache frei, gebt sie ihnen nach den Methoden der Arbeitsschule in lebendiger rstoderner Wechselrede. Vor allen Dingen wendet das Hebräische als lebendiges Organ, als methodisch-gestaltendes Prinzip auf der Unterstufe der Schule cur. als Unterbau, geduldet euch mit der Dar bietung des Pentateuch bis zum neunten Lebensjahre, bis zur Mittelstufe des Kindes, das dann die heiligen Bücher mit ganz anderem, reiferem Verständnis und selbständigerer Mitarbeit erlernen wird. Diese Methode hr/ucht deshalb die elementare Behandlung einzelner Originalpartien des Pentateuch und der Gebete nicht auszuschlicßen, nur sei diese nickt Buch für Buch die Grundlage des Unterrichts auf der Unterstufe, lind wir behaupten weiter: ist einmal der Boden für das Formal Sprachliche des Hebräischen vom 6. bis 10. Lebensjahre im. Kinde gelockert und empfänglich gemacht worden durch alle Mittel moderner Päda gogik, durch Anschauungsbilder, Arbeitsunterricht, durch Erzählungen, durch Sprach- und Sprechunterricht auf allen Gebieten, aber vorwiegend auf jüdischem, dann brauchen wir auch um die gesinnungsmäßige r e l i g i ö s e Ausbeute der heiligen Schriften von Thora und Ncwiim nicht zu bangen, das reifere Erfassen verbürgt>den freudigen reli giösen Sinn, und der mechanisch öde Uebersetzungsbetricb durch Vor- und Nachübersetzen eines heiligen Buches nach dem andern, der bei dem heutigen System in vielen Klassen noch vorherrscht, wäre unmöglich gemacht. Beim reiferen, sprachlich geschulten Knaben werden größere Zusammenhänge erzielt, das Kennen wird zum Können und das Wissen zum sckiöpfcrischcn Vorgangs 4. Ein neues Lehrbuch der'hebräischen Sprache. David Josef Born stein hat im Aufträge der Zionistischen Vereinigung für Deutschland unter dem Titel „Einführung in das Hebräifxh der Gegenwart" ein neues Lehrbuch herausgegeben, das me thodische Texte, und Erläuterungen enthält, lieber Zweck und Ziel seines Lehrbuches äußert sich der Verfasser mit folgenden Worten: Methodisch zielt die Arbeit in der Haupt sache äuf die gefühlsmäßige sprachliche Orientierung ab. Sie bedient sich daneben beschreibender Erörterungen als mechanischer Hilfsmittel. Dementsprechend bildet das Hauptgerüst der Arbeit eine Reihe methodisch geordneter, sprachlich voll entwickelter Lesetertc. die durch eine Aus wähl von mustergültigen Stilen — unter besonderer Be rücksichtigung derjenigen der Bibel und der Mischna — füh ren und in die ein vollständiger und ausführlicher grammatischer Kursus eingekleidet ist. Ten Lesetexten sind Wörterverzeichnisse sowie sprachliche und inhaltliche Erläuterungen beigegeben. — Unter diesen Gesichtspunkten muß das Lehrbuch gewürdigt werden und es ist der Vcr such — ganz allgemein gesprochen — als geglückt zu bezeichnen. Unter Weglassung der wissenschaftlichen Termins logie kommt die praktische Grammatik zu ihrem Recht. Tie Auswahl der Lesestoffe erfolgt nach methodischen Grundsätzen und paßt sich dem Fassungsvermögen des Lernenden geschickt <01. Ta sie sowohl biblische als auch talmudische Abschnitte umfaßt, nimmt der Benutzer des Buches Einblicke in die Mannigfaltigkeit dieses Schrifttums. Daß dabei auch aktuelles Material herangezögen wird, versteht sich bei einem modernen Lehrbuch von selbst. Vom philologischen und mitunter auch vom pädagogischen Standpunkt aus wird man einiges an dem Buche bemängeln müssen, wenngleich der Verfasser sich dessen bewußt ist und den Wünschen seiner Schüler dabei Rechnung tragen wollte. Das Buch soll vor allem zum Selbststudium dienen, deshalb wohl

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