Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 3 (10.3.1928)
- Date
- 1928-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite Gemeindebkatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Alten es als ein religiöses Gebot bezeichnen, die Kinder iw Schwi »men zu unterrichten, ein Gebots dessen Erfüllung fortan zum s«sten Unterrichtsprogramm der Talmud Tora gehören solle. Dann setzten die Borführungen ein, denen'alle, die Erwachsenen nicht i Rinder wie die Schuljugend, mit gespanntester Mfmerksamkeit st «lgten. Staffelschwimmen, Pflicht« und Kürspringen fanden lebhas en Beifall; Staunen erregten die Leistungen im Tauchen und! llingesuchen; Hellen Jubel lösten das Lichter- und das Eierst iwimme» aus, als cs einigen Schülern gelang, Lichter und Eier unversehrt durch die nasse Flut hindurch zu bringen. Auch Rettungsübungen wurden borgesührt und, um auch das nicht zu vergessen, auch der Humor kam zu seinem Recht. So sprach denn auch' zUm Schluß der Borführungen Herr Rechtsanwal t David allen Anwesenden aus dem Herzen, als er für d!»' Borstand der Schule für die. Darbietungen innig^dankte und!ie jüdische Jugend und ihre Lehrerschaft zu neuem Streben und «euer Leistung aufrief. Eine musikalische Morgenfeier in der Israelitischen Mädchenschule. £ mmet mehr bricht sich der Gedanke Bahn, daß der Musik eine bedeutende Aufgabe im Schulplane zukommt, einer Kunst,' von i er unberechenbare Wirkungen für die Entfaltung der Phantasie Und Gemütsanlagen des Kindes ausgehen. Auch in den jüd l.chen Mädchenschulen Hamburgs bat dieser Ge-, dankq, immer tiefere Wurzel gefaßt, und es wird der vokalen und selb t Ultimi llfc|lll. nuv w* V*..-»». ogar instrumentalen Musik ein imnier größeres Betätigung-« namentlich an den höheren Klassen dieser Anstalten eingerät mt. .. , iiine höchst begrüßenswerte Folge dieser intensiven Mufikpfleg! sind die an der Mädchenrealschule v»n Zeit zu Zeit stattfindenden musikalischen Morgenfeiern, so diejenige, zu welcher die Schule auf Sonntag, den 26. v.M., Eltein und Freunde eingeladen halte, und die einem.in Hamburg lebenden Komponisten, dem Liederdichter Alfred Kleinp a u l galt, der über Hamburg hinaus als Komponist von Kin derliedern hoch geschätzt wird. Die Weihe erhielt die Feie: durch die Anwesenheit hes greisen Liederlünstlers, der den gesn igeiien, getanzten und gemimten Darbietungen sciuer Lieder mit sichtliche? Rührung solgte. Diesmal traten die Kleinsten in den Vordergrund. Es würben achtzehn Miniaturen von Kleinpauls Kinderlieber» ge-' bote >, von dem einfachsten musikalischen Einfall bis zum verschlungenen Rcigenlied und mehrstimmigen Eborsatz größeren Formats, an dem sich auch die größeren Schülerinnen beteiligten. Alle diese Lieder, ob kunstmäßig oder schlicht Volkslied« räßig gebaut, sind , dem Zauberlandc des Märchens und der Empfinbungswelt des Kindes und Mädchens mit seinen klei, en Leiden und Freuden eutnommen, alle, atmen in Erfind «ng und Stimmführung charakteristischen HUmor, alle sind nieb«disch und der Situation gemäß frisch zugreifend. > S ch u - manns Kinderszenen drängen sich zum Bergleich auf, doch apbcitet Kleinvaul völlig unromantisch und völlig unkompliziert; Die Ehöre, unter der bewährten Leitung des vortrefflichen Muiiklehrrrs Harder, Hielten sich in stimmlicher wie in technischer und choreographischer Führung ,Leitung Frl. B a ch r a ch! bis zurr Schluß in dem reizenden Abc-Lied auf gesteigerter, durchweg achtbarer Höbe. Ter Grundsatz Harders,,-lieber leöckite Stücke schön und vollendet, als schwere mittelmäßig und schü erhaft ausiühren zu lassen, verdient Anerkennung und Nachahnung. Es war eine Lust, zu beobachten, mit welch innerer Ergriffenheit die kleine Schar, selbst die Kleinstes, ihre Aufgabe erst« Ilten, und zu sehe», wie sich hier Lieblichkeit des Tons jnit Grazie der Bewegung und des Gebärdensviels zu harmoi lscher Einheit und zu fast restlos crschöofender Wirkung, verichmolz. EinzellSistungen hervörzubeben erübrigt sich. Hohes' Kol ektivlob verdient die Diszipliniertheit der Kinderchöre, die Straffheit der Haltung, die Sicherheit der Intonation in. den Ekn riätzen, «licht zuletzt die Schönheit des Snmmaterials, das besrnders in den Solivartien treijlich zur Geltung kam. — Sic stlich ecgriifen dankten 'die zahlreich erschienenen Eltern und Frernde der Schule .zum Schluß für die eindrucksvolle Feierstur de, welche den Wunsch auslöste, daß ihr weitere, und zwar recht bald auch eine mit jüdischem Inhalt (etwa jiddische unq hebräische Botts- und Kinderlieber und ähnliches) folgen löchten. Dr. A. Bl. Elternversammlung der Israelitischen Töchterschule. Am 29. o. M. fand iw der Töchterschule eine Elternverlainmlung statt, deren guter Gesuch erneut Zeugnis davon gabf, tpie sehr die Elternschaft der Schule sich t erkunden fühlt. Zuerst sprach Herr Zahnarzt Dr. Zuntz übercjDie Bedeutung der« Zahnpflege für das Kind. Ter Redner zeigte an Hand von Lichtbildern und Statistiken die große Wichtigkeit auf, die cintm gesunden Gebiß für das Gesamtbefinden des Körpers vq u: n Zjr tib icht K 11 ble lez Hfii t~ 0 häl Nummer 3 zstkommt. Insbesondere wies er aus die beim Uebergang m Milchgebiß zum Dauergebiß auftretenden Erscheinungen Komplikationen hin und gab deu Eltern den noch immer genügend beachteten Rat einer richtigen Zahnpflege und hnkontrolle. Dann berichtete die Vorsitzende des Elternrats der Schule dessen Tätigkeit im verflossenen Jahre. Im Anschluß an il Vortrag drückte sie die .Befriedigung der Eltern über sanitären Einrichtungen der «Schule aus, die bei Schulärztin Schwester in den besten Händen lägen. Der Elternrat hat ne erste Aufgabe wiederum in der Fürsorge für die körperlich «wachen Kinder gesehen, für die durch ein warines Frühstück «d Mittagessen gesorgt wurde. Eine weitere segensreiche Einhtung ist die Einsetzung von Patenschaften, die von beruflich crhinderten Eltern gewünscht werden oder von der Schule c rgeschlagen werden können, um die Eltern zu entlasten und Sorge für die Kinder, ihre Schularbeiten und ihre Spiele Paten zu übertragen. Des wcitercil hat der Elternrat Sommer sich an den Ferienveranstaltungen des Jugendamts c Gemeinde beteiligt und Besichtigungen erinöglicht. I» der äge des jüdischen Unterrichts, über den in manchen Elternnsen verschiedene Allsichten herrschen, ist der Elternrat ein-' jmmig der Meinung, daß die jetzige Handhabung richtig ist, < mlich, daß das jüdische Moment eine, zentrale Stellung der jüdischen Schule beanspruchen muß und gewisse Mindeslderungen im Hebräischen ohne Ueberlastung der Schüler oder «e zu große Mithilfe des Hauses erreicht werden sollen. Im Anschluß hieran richtete Direktor Dr. Jonas einige ünsche an die Eltern. Die Eltern möchten ihre nicht, mehr Hulpflichtigen Kinder nicht aus praktischen Gründen mitten Schuljahr aus der Schule herausnehmen. Auch dürften «der nur ip wirtlich dringenden Fällen dem Unterricht ferniben; das liege ebenso im Interesse des «Kindes, seines irtschrittcs und seiner Erziehung zum Pflichtgefühl wie i», teresfe der Schulordnung undi,des Tchulbetriebs. Der Direktor te den Eltern ans Herz, ihre Kinder in und außer dem use zu bcaussichtigen und besonders ihren Umgang zu kon rjollieren. Der Krantz-Prozeß, der auch in einige,« Klassen genstand von Anfragen seitens der Kinder gewesen sei, be erneut erwiesen, wie notwendig dies sei. j Nach einer kurzen ' Aussprache schloß der! Direktor den urmonisch verlaufenen Abend mit einem Danktswort an die ntern für ihr reges Interesse, das sie der Schule dauernd weisen. ' _> Z. über dci di: uyd L u ri v v bib dem de F krtz st n in Personalien und Kleine Mitteilungen. Namens der Hamburger Juden hat der Vorstand der Ecnicinde Herrn Bürgermeister Dr. Petersen zu seinem 611. Eeburslag schriftlich seine Glückwünsche übermittelt. Herr Bürgermeister Petersen hat hierauf dem Vorstande seinen Dank ist verbindlichster Weise ausgesprochen. * Tie Herren Abg. o. Marburg und Jacob Heckscher sind zu Mitgliedern des Vorstandes der Gemse in de wiedergewählt worden. An Stelle des verstorbenen Herrn Leo Mendclson ist Herr Nathan H. Offen bürg, bisher Mitglied der Krankenhc usfürforge und der Depositcnkasse milder Stiftungen der Gem linde und Vorsitzender des Delegiertenkollegiums des Synagogcn-Vcrbandes, in das Repräsentantenkollcgium cingetreten. * Zum Mitglieds der Kommission für das Wohlfahrtswesen dcr Gemeinde wählte das Resträscntanten-Kollegium Herrn Z ihnarzt Dr. Hugo Zuntz. * üeo M e n d e l son s Andenken, den am 13. v. Mts. eil Unglücksfalb jäh den Seinen, seinen Freunden und seiner A beit entriß, ist in öffentlichen Kundgebungen, in einer T auerfeier in seinem eigenen Hause sowie in der Presie bereits mrnnigfach gefeiert worden- Aber es ist uns selbstver« ft indliche Pflicht, dem Heimgegangenen auch an dieser o* elle ein Den km al der Verehrung und der Dankerrichten. Dieses Denkmgl kann im Sinne eines allen jüdischen Wörter nur ein Hinweis sein auf sein Lebensw rk, das fort und fort an ihn erinnern und für ihn zeugen rd. indem es zu seiner Fortsetzung und zur Nacheiferung ansp »rnt, ein Hinweis vor allem auf seine unermüdliche Fürsorge füc unsere ostjüdischen Glaubensbrüder, die er um ihres jüdischen Schicksals willen liebte und mit deren Aermsten, eb:n um ihres jüdischen Schicksals willen, er sich im Innersten verbunden fühle. (Siehe auch S. 5 und S. 7.) I