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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1928-03-10 · 3 (10.3.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
4 (1928)
Issue
3 (10.3.1928)
Date
1928-03-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I Nummer 3 "ctn« der Deutsch - Israelitisch blatt emeinde zu 4. Jahrgang Hachb urg Das Gemeindeblatt erscheint am 10. eines jeden Monats und wird allen Mitgliedern der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg kostenlos, zugestellt. Hamburg, 10. März 1928. . Drstck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Leb m « n n, ABC-Hof, ABC-Straße 57. Fernsprechers Elbe 7910, 7911, Vulkan 8083. Verantwortlich für den redaktjon ellen Tell: Syndikus Tr. N. M. N a t ha n, s ir den Inseratenteil : E. L o o s, beide in Hamburg Anzeigenpreis 6Ü^ p. Kgesp. Ronp.-Zeilr. Gedenkrede auf Dr. Paul Nachan.! Bon Die machtvollste vor dem Kriege irsair der Hilfsverein der de Jude», dessen hauptsächlichster Begründer und dts ax M. Marburg. Organisation des deutschen sindenlnnis i t s b e n en Seele lö. :Aärz Hai geschwerer Niederung und reu. seinen bei rge an neövn Dr. st. cs Iai» esüsiino n der am v. I. plötzlich daljingeschieden« Dr. Paul 'Äalt weftn ist. Sein .Tod stat den Hilssverein uni so getroffen, weil PgM Nathan dem Verein bei sei» ausbanarbeit mits seiner Autorität, seiner Erfal r seinem Eifer »neabliche Dienste hätte leisten lv, Eerade in Hamberg darf der Hilssverein mit fonieren Ausgabest — A u s w a n d e r e r ->F ü r s den Grenzen und! n den Häfen, Fürsorge für a!u »ländische Studenten uiid P o g r o m w a 1 s c n, Fürsorgi für H y g i n e, U i, t e st i ch t und ' Siedlung des russi schr n Iu bcn -i auf besonderes Verständnis uud besondere Unterstützung rcchii'n. Um diese zu sördcrn, vertiisentlichen wir anläßlich der ersten Wiederkehr Iid )i Paul Nathans Tod stage die Gedenlrede, weirl e Ä a r Werburg am -11. April v. I. b§i der Gedtilftni^seier zu Lhren Paul Nathans hier gehalten! hat.! Auch die Hamburger haben Paul Näthan viel zu danken. j . Wann immer Not, namentlich stach den 'chwkren Pogromen in Rußland, bei den Auswanderern in Hamburg n ar. standen er, wie auch Dr. James Simon uns. treulich zur Seite; zuerst gemeinsam <■ mit den sogen. Russen Komitee, dan!n mit der Hamburger Abteilung des Hilfsveceins der Deutschen Juden, den er mitbugründet hat, nit dem Verein für Obdachlose und bei vielen anderer Gelegenheiten. Seiner Intelligenz und Dprchschlagslkaft verdanken wir, daß der i Äuswandererstrom durch Verhandlungen mit den Schiffahrtsgesellschtiiten und Regierungsstellen durch Deutschland geleitet werden konnte, ohne. Schwierigkeiten hervorzurüsen. Immer war Paul Nathan zur Stelle. Er st chte die Not,, um sie zu lindern; sein Spruch war: „In "lu rviencko conkumor". * Sa galt auch sein letzter Brief, den er von scineist Krankenbett am lOTMärz, fünf Tage pon feinett Tode, an mim diktierte. Hamburg; er erklärte sich auf meinen Wunsche hin bereit, hier in unserem Kreise üb:r seine russische Reise zu sprechen. „Ich rechne auf Ihr -Kommandos" schrieb er. „ich kann mich durchaus Jhrm Vorschlägen anpassen."- Er konnte es nicht mehr. ' j Jnsdem wir uns mit seinen Plänen beschäftigei, ehren wir ih r am besten. Der Hilssverein der Deutschen Juden hofft puch, eine Form zu finden, um den Nameit Nathans mit der Hilfsaktion für die russischenJuden dauernd in Verbindung zu bringen, und! wir rechnen darauf daß alle seine Freunde sich hieran beteiligen werdet. ' Pi ul Nathan wurde am 25. April 1857 in Berlin als Sohn eines Bankiers geboren, aber für arsübcnde wirts^astliche und finanzielle Tätigkeit hatte er wenig Neigung, frühzeitig wandte kr sich dem Studium zu. Er wurde Mitarbeiter hervorragender Politiker, so vor allem L ikdw i g ,B a m bc rg e r s,! der seinerzeit aus ihn und auf Helfferich als auf, seine besten Schüler blickte. Er wurde dann Politiker und Journalist imbesten Sinne des Wortes. Er zeigte die Zusammenhänge derl Tages ercignisse scharfsinnig auf; die Zeitschrift „Nation", - die er mit Theodor Barth zusammen herausgizb. war vorbildlich, und wir alle bedauerten das Eingehen dieser Zeitschrift, für die er so außerordentlich viel geleistet shat. Seine Lebestsaussassung bestand in dem Suchen und Finden einer Synthese zwischen t r eu d e u t'sch e m und t r cu süd i s.ch e m Ekmpsinhcn und Denken. Gegensätze zu Andersdenkenden mußten sich.naturgemäß herausbilden, aber in seinem Kampfe gegen Andersdenkende, ist er immer vornehin gebliibcn. Er sah das Einigende aller Juden in der gemeinsamen Hilfe, um die Not der Juden, wo immer sie war. zu lindern. < Frühzeitig interessierte er sich für Palästina, indem er mit Freunden Zusammen das Technikum tn Haifa ins Leben ries, das 1914 >eröffnet werden sollte. Er war tief betrübt, als uns durch den Krieg auch! dieser Besitz verloren ging. To war! er einer der ersten Zipnisten, indem er erzieherische, ausbauende Arbeit in Palästina fördern wollte, aber jeder nationalistische Zionismus, der seinem Deutschtum schassen konnte. einen Konflikt nrit war ihm fremd. Er war ein Kämpfer flirr R e-ch t und F r k i h e i t,' ein Demokrat im besten Sinne des Wortes. Er verstand es in wustderbader Weise, den maßgebenden, einflußreichen Männern mit Takt nutz Klugheit die Situation zu schildern. So hat er oft Schlimmes abgewandt und Aenderungen hcrbeigeführt. wo bereits Hoffnungslosigkeit esngezo gen war. Er war ein unermüdlicher Be kämpfe r des Judenhasses, schasste ausschlaggebendes Material, um die Ritualmordlüge von kanten bis Könitz ^u bekämpfen. um dem unschuldigen Beilis in Kiew, zu helfen, um die Tätigkeit der Juden im Heeresdienst ins richtige Licht zu setzen, um die Unrichtigkeit der von den Antisemiten verbreiteten Statistik des jüdischen Anteils am Verbrechen nachzuwcisen. Kaltblütig, mit unerschütter lichem Gleichmut, und. doch sehr diplomatisch, verstand er es.. Herrschern, Ministern und Politikern seine Ansicht vorzutragen und sein Ziel zu erreichen. Angesichts des Todes erscheinen uns alle diese großen Einzelheiten, die er hienieden vollbracht lyrt, durch die Macht seines Geistes, durch bje JMadjt seiner sonstigen Stellung im Leben, klein. TieMrt der Lebensführung, der Duktus ist es mehr, die uns dauernd wertvoll und erinnerungswcrt erscheinen, als der zurückgrlegtc Weg mit seinen weltlichen Erfolgen. '■ 1 In Paul Nathan waren drei Tugenden vor allemverkörpert: Die nicht zu erschütternde Treue, •' »! .' I

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