Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 11 (10.11.1927)
- Date
- 1927-11-10
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I ite 2 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Nummer U Was schenken wir ihm? ^on Martin Cohen. Ter Versafiir dxr nachstchenvcn Zeilen hat bei seinen Ausführungen üor allem die Kreise im Auge, in denen das biblische und nhchbiblische Schrifttum nicht dauernd gepflegt wird. Cs ist zur. Vermeidung von Ilnklarheiten vielleicht nichts Unnötig, dies zu betonen. . | Tiefe Frage beschäftigt Eltern und Freunde Jungen, dessen Barmizwo Tag bevorsteht. Es ist sinnvoller Brauch, dem Funden den des ein der ihm Abschied von >tsndheil durch Festst und Gaben zu verschönen, da das Bewußtsein vermehrten wertvollen Besitzes ein greif bares Dokument feiner nunmehrigen Gleichberechtigung inj religiösen gebest! der Gemeinde bedeutet. In der Er keuutuis. daß in Der Beschenkung des Barmizwo somit nicht nur die Anteilnahme an seinem Freudcntag zum Ausdruck kommt, sondern daß inr nicht zum wenigsten eine tiefere erzieheZschc Bedeutung innewohnt, sei hier die Frage untersucht: die dieie Skizze zur Ueberschrist hat. Tie soziologische Gruppierung, die der Beobachter der jüdischen Gesellschaft zu machen genötigt ist, macht eine allgemein gültige Lgsung des Problems unmöglich. An depseils weiß man Uber, daß im Grunde die Barmizwo Feier für jeden jüdischen Jungen die gleiche, durch Gesetz uich dessen traditioniellc Erfüllung fest umschriebene Be deütung gehabt hakst Wenn auch heute die ursprünglich einheitliche. normariic Deutung Dieses Jugenbfestes man uigjachen individuell geprägten Ti-.zugebungen gewichen, ist. kann man diese inodesucn Ausfasüingen auf einen Sammel begriff zurückführen, der von Eo. Spranger stammt: „die Wertgemeinschaft". fTer Barmizwo-Junge vollzielt den Eintritt in dw Wertizemcinschaft des Judentums. Hieraus ergibt sich daun, daß dem Barmizwo Jungen die Werte des historischen und Imodernen Judentums zugänglich, ge macht werden müssau. damit er Platz finde in der jü dischen Wertgemeinsciiafl. Dazu bietet die Barmizwo Feier die günstigste Gelegenheit, indem Eltern und Freunde dem Jungen durch schenken jüdischer Werte eine jüdische Atmosphäre schaffen. Jüdische'Werre werden immitlclbar vermittelt durch jüdische Bücher. Tchzu kommVn. Werte jüdischer Maler, Bildhäucr, Musiker!nnd anderer Künstler, die Begeiste .rung für das modefne Judentum auslösen. Erzeugnisse der Werkstätten und« der Industrie Palästinas erinnern an die Erfüllung uralter jüdischer Träume. Das Buch der Bücher, die Bibel, ziere den Gaben nich jedes Barmizwo iJungen. wenigstens in einer vollstänoi gen deutschen Uebertsragung. Hingewiesen sei aut die im Erscheinen begriff^M^unviflerhaftc Verdeutschung von Martin. Buber und Franz Rosen zweig, ein ung es schon zu einem Zierstück jeder „Volkstümliche Geschichte der Ju e y verschafft einen Ueberblick über Werk, dessen Ausstat Biblimhekmacht. T den" von H.Gra das Schicksal unsere-: M'lkes, die dem Geschichtsunterricht der Rcligionsstuuoc lernfähigere und lcr unschätzbaren Beistand leistet. Für Eifrigere Jungen empfiehlt sich das füllt als frisch gcschr Geschichte eine lange jüdischer Größen, _ Ries s e r. Herz l nach modernere!: Gesichtspunkten angelegte Gcschichtswcrk des Professors B. Tubno w. Ein. Buch „Gestalten r.ud Momente aus der jüdischen Geschichte" von I. Elbogen ebener kurzer Gang durch die sstdische empfundene Lücke aus. Biographien Maimonic> cs, Mendelssohn, R o t h s ch i l d. und , Mcmoirenwcrke wie die der W e n g e r o f f, Glückel von Hameln, S^alomo Maimon führen tief in die Seelen bedeuten der Gestalten der Vergangenheit und Gegenwart. Ost jüdische Dichter wie; I. L. B er e z, B di o (a u nt Ale ch cm. Mendale sind in guten deutschen Uebersetzungen erschienen und geben Zeugnis von dem lebendigen jü dischen Volkstum im Osten. Historische Romane, L e h m a n n, Joselmann von Rosheim, P o l j a k o w, S,abbatai Zewi, lassen die Herzen des jungen Juden höher schla gen und verbinden sic mit den Helden der Vergangenheit und ihren Schicksalen. Tic Sagenliteratnr des Talmuds und der Midraschim machte, bin G o r i o n zugänglich in seinem „Born Judas" und in seinen „Sagen der Juden zur Bibel". Aeltere Sammlungen von Gottschalk und Ä u t t n e r stehen diesen Werken nicht nach. Für die, welchen die Standardwerke hebräischer Dichter und Denker in der Ursprache nicht erreichbar sind, biete» zahlreiche Uebersetzungen Gelegenheit, in. jüdischer Weisheit zu sor scheu, ^er Divan des Jchuda Halcwi, der Licht spendende Leuchter des Al>oab, die Herzenspslichteu des ibn Pakuda, dem Barmizwo Jungen gegeben, werden nicht ohne Einfluß auf seine geistige Entwicklung bleiben. Literaturgeschichten von K a r p e l e s, K r o j a n k c r und Artur Sakheim geben"Kunde von dem Schaffen jü bischer Denker und Gelehrten. Radierungen und Gemälde der H irszenberg, Struck. Bud ko und Stein Hardt als Blätter oder in Buchillustrationön (Hagadas) Roten jüdischer die Geschmacks bestätigen das Aufblühen jüoischer Kunst. Volkslieder und synagogaler Musik leiten richtung des musikalischen Jungen. ' - Es ist noch nicht lange her, da forderte man. mit Recht: Sport für die jüdische Jugend. Die gerechte Forderung ist erfüllt. Vielleicht hat unsere . allzulange Gleichgültigkeit gegenüber der Körperkultur dazu führen müssen, daß heute unschwer eine Vernachlässigung der Geistcskultur sestzustellen ist.! Gleichgültig, worin die Gründe dafür zu erblicken sind, wir bedürfen einer Be sinnung aus den Kern unserer Wertgemeinschaft. Schenken wir dem Barmizwo Jungen jüdische Werte, so schenken wir ihm einen Anteil an der jüdischen Welt. Bekanntmachung bctr. Gemeindestener. Tic nur Lohnsteuer und nur .Kapitalertragsteuer pflichtigen haben' am 10. November 1927 ein Drittel ^>cs Gesamtbetrages ihrer Gemeindesteuer für die Zeit vom 1. Januar 1927 bis 30. Juni 1928 zu entrichten. Soweit die vorgenannten jGemeindestcuerpslichtigen noch nicht im Besitz des Gemeinüesteuerbescheides sind, wird der vorgenannte Termin bis 3 Wochen nach Erhalt des Gemeindesteuerbeschcides hinausgeschoben: Vorstand der Deutsch-Israelitischen (Gemeinde. Älnfrnf. Am 12. Aprjl 1915 hat Herr Leo Silber sch ein, geboren den 7. Juni 1891, uns »das ihm gehörige Spar kasscnbuch der.Hamburger Sparkasse von 1827 Nr. 367 050, dessen Auswertungswert etwa 55?ji beträgt, zur Auf bewahrung übergeben. Gemäß den damals vereinbarten Bewahrungsbedin gungen fordern wir Herrn Leo S i l b e r s ch e i n hiermit auf, sich unter Ausweis seiner Identität .bei uns zur Wiederinempsaugnahmc des Sparkassenbuches zu melden. Sollte Herr Leo Silberschein verstorben sein, so fordern wir seine Erben auf, sich bei uns unter Nachweis des Todes des Genannten und ihrer Erbberechtigung zur Inempfangnahme des Sparkassenbuches zu melden. sollten weder Herr Leo Silberschein noch seine Erben diesem Ausruf entsprechen, so werden wir 10 Jahre, nach Ablauf des Weltkrieges 1914—1918 über das Spar kasscnbuch verfügen. Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde.