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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1927-08-10 · 8 (10.8.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
3 (1927)
Issue
8 (10.8.1927)
Date
1927-08-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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'Hummer 8 Gemeindeblatt der Deut P a s s i v.a: Tiverie Äreditdren HauptstaatSkas e ....:« Alienhaus Pslegeheim Paulincnstist Israelitischer j£empelvelband Deutsch Israi >. S»»ag. Verband Tepositenkasse milder Slistungen Mieteverein vvii 4 828 i. üiqu. Grabpslege .stapiialien . . FriedhosSgärtnerei .. Mittelstandshilse . Äommissjvn j. b. Wohlsahrlsive,»,, Rückstellnnge». Mk. V.i!/70.: nof). 25» 978. . s:j7ti. f. 828. I 1 00(1. > 082. 70 l!>!> I:;7o. 8 7r»r». 7 84.'). 7 095». 7 25.'.'. .',.',0, 0. 8:5 71 "2 11 o.» 00 Mk. :;oo 25.7,01 r. Die jüdische Frau in Palästina Bon Leni Tannepwald. Ter „Iischuw" (Siedlung) in Palästina seht sich' ans verschiedenen Elemente» zujamnien. Ta istzuerst der sogenannte „alle Iisckuuv". Mit ihm bezeichnet man die ^»den, die aus religiösen Gründen in den letzten ^stiln, Hunderten aus Rußland und den orientalischen Ländern Persien, Mesopotamien, Buchara und auch ans Afrika nach Palästina eingewandert sind. Ter „alte Iischuw" konzentriert sich in Jerusalem uni die religiösen Stätten. Diese Inden verbringeü ihre Tage betend Nnd bettelnd. Tie Frauen dieser Preise ^ind von einer religiösen Inbrunst beseelt. Ich konnte sie beobachte», wie sie am Freitagabend nnd am Labbat an jder »ilagenianer betend standen. Tie Gruppe der Kranen ist von der der Männer streng ge trennt. Diese sind »>» eine» Porbeter geschart,stoßen Oiebelsivorle hervor, h'chüileln ihren Körper mit geschlosst »r» Auge» im Rhhthnins ihres Singsangs. Tie Kranen stehen stnmm, direkt an die Mauer gepreßt,; mit de» Lippen nnd mit de» Händen die Tteine liebkosend. Sie netzen diese Mengen Unserer stolzen religiösen Vergangen heit mit heißen Tränen, Ihr ganze-- Zein ist ansgewüblt in »amtnlosem,- sehn snchtsvollem Schmerz. Tie Frauen sinden auch nicht so chnell wie die Männer zurück in die Wirklichkeit. ttauni ist das offizielle Gebet beendet, schließen sich die B!ä»ner schwatzend zusammen,^ wäh rcnd die .Frauen sich nur schwer von der.heiligen Stätte losreißen könne»; wilder und wieder küssen sie die Steine. Auch'in Tiberia? hatte ich Gelegenheit, die Frauen des alte» Iischuw in ihrer religiösen Welt zu beobachten. Einige Tage vor Lag b'aumcr wirij» i» Tiberias der Todestag hon Rabbi Meir baal ba iiss (Herr des Wnn dcrs) gestiert. .Vielleicht weckt der diamc bei einigen von uns eine .stindtzütserinnerung. Dieser Mann war ein großer 'Talmudgclchrtcr; er wurde — schon bei seinen Lebzeiten oder nach einem Tode? — eine Art Volks heiliger, dem man be uns im Galnth die Fähigkeit zu-. schrieb. Verlorenes wi;dcr herbeizuschassen.. In den Syn agogen waren allerorts Geldbüchsen ausgestellt, und unsere 'Großmütter warsen eine Spende hinein, wenn sic ctwaS verlegt oder verloren hatten/ in der scstcn Hossnung, »nn durch die Hilfe deS Meir baal ha »es das Verlorene gewißlich nnd baldigst wiedcrzusindcn. Ein kleiner Ableger deS Volksglaubens, der noch heute unter den orientalischen Juden blüht, hat sich so zu n»S verirrt nnd,.wnrde durch Jahrhunderte von unsern Müttern, behütet. I» Palästina ist Rabbi Meir baal ha-meS natürlich von ganz ander Bedeutung; er ist ein richtiger Schutzheiliger, kaelitifchen Gemeinde. zu dem man an-seiiiem TvdeSlag da man voir'weit herkommt, ein nas und Transjordaniens, sogar von ferneren Ländern noch, und weil man ein paar zum Todestage des R'ckdb.i S,mo> pilgert, so wird ein' Volkssest aus Tagen ossenbart sich ein ganz kmpsinde». Man hat de» Ei> Seite 3 Wallfahrte» mack». Und allen Ecke» Palästi ^age , bleibt, bis mau ben Iochoi.nach Merom der Wallfahrt. An dieien lebendiges Stück' Volks druck, daß die Frauen' des Meir baal ha ne-- tei» hinein ihre heißen die Hauptträger der religiöse» -Heite der Feste sind. So stehen sie' an dem Sarkophag stundenlang und slüftern in den Bitte» und 'Gebete. An den Giabhügeln anderer Tora gelehrter, wie dem deS Rabbi vlkiba,. erkaufe» sie sick» für einige Piaster seine Fürbitte für ihre' Verwandten, die im Paradiese« wandeln. T«' Vorstelkungsart dieser Frauen ist gleicherweise unberührt von religiösen wie von nationalen Begriffen.. Sie sind eing'espoiinen im alte» Vokksglanbe». Vor dein »liege lag es noch so, daß die Jude» des alten Iischuw ihre >tinder nicht i», die Schulen des neuen Iischuw schicke» wollten, aus Fnrckit, daß sie da mit Fremdem in B> rührung kämen. Hierin wird auch nur langsam eine Windlnng eintrete» Tie Söhne erhalten eine Eheder Erzühnng und j werde», was die '!>äter sind, religiöse Bettler, ind die Tuchler wachsen ohne jegliche Bildung aus; .es koiilint ihnen gar nicht der Ged,Nike, einen' Erwerb zu. ergreifen oder einen Berns zu e lerneü. Tie'Wohn nnd Wii Indl n sind so beschränkt nnd el t s ch g i t s v e r h ü l l > i i s se d i e s e r nd, oit geradezu ver icht durch die Mutter koniiien, daß die Töchter auch für Ren Haushalt erzogen werden och muß da oin kleines Erleb lis ans Sajed berichten'. Dich Stadt war-ebenso wie Tibe'ias der Wohnsitz vieler Talinndgelehrte». Isaak Luria, d r Begründer der >!ab bala, lebte dort nnd ist dort begrasen. Sabed, „die heilige geschilderte» Art-an ine überwiegend jüdische durch die Straßen nnd ladung der Frauen, in Tie Frau setzt ihre» nicht.alS Gebrauchs Stad;", hat »un viele Inden de gelockt, so daß cs der;(aliI iiach ei Stad ist. Wir gingen am Sabbat folgten öfters der srcnndlicku'n Eii ihre ,gute Stube" einzntreten. Diese ist zwar flein und niedr g, aber sehr sauber, und cist iült immer ein großes, anseh iliches, sehr reich, -bezogeiu s Bett. Ich äußerte gegen unsere Führerin mein Befeinden, diiß das nicht zu de n Bild stimme, das man mir von der /üdin SabedS gemailit' hatte, nnd daß mir bestnders das schneeweiße Bett imponiere. Ta hörte ich, laß das Iimmer nur am Labbat geöffnet werde, daß l as Bett so wenig be nutzt wirb, wie bei uns eine in »er Vitrine zur Schau stehen >c Alt Meißner, .stuchenschale. Stolz in die Reinlichkeit als Lnriiartikel.; Ties ist das alte Palästii a. Te», steht das .Leben des neuen Iischuw gegenüber. 'Man kennt das Schlagwort „neue Menschen a/if gltei Erde" TaS kann man auch auf )ie Frauen anwVndcn. , Es ha; sich ei» neuer Thpus Frau hervuSgebildet, der der jüdischen Arbeiterin.?knch bei uns st in dem letzten Iahr> zehnt . >ie „berufstätige Fnsu" in die Erscheinung getreten; aber s e wirkt »litten unter uns, die Gegensätze sind »icht so scharf, daß sich die berufstätigen Fiauen besonders ab heben. In Palästina aber Nntcrschcidet sich die Arbeiterin von dcr bürgerlichen Frau in dem Sinne, daß beide ver schiede icn Gesellschaftsklassen angel örcn. Aich die Antriebe, ans denen oie'beiden Arten Frau nach Palästina kamen, sind grundverschieden. Tie büi» gerlichi Frau komNit iü den meisen Fälle» als Frau ihres Mannes. Es wird vielleick t interessieren, unter welchci!'Bedingungen sich diese Frauen ihr . Leben , ge stallen müsse». Es kann für unganz lehrreich sein,-

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