Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 6 (10.6.1927)
- Date
- 1927-06-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 6 Gerne der Deutsch - Israelitische 3. Jahrgang latt emeinde zu Hamburg DaS Gemeindeblatt erscheint am 10. einer jeden MonatS und wird allen Mitgliedern der Deutsch-Israelitischen Gemeinde »u Hamburg kostenlos zugestellt. Hamburg, 10. Juni 1927. Druck. Verlag und Geschäftsstelle: M. Lehmann. ABC-Hof, ABC-Straße 57. Fernsprecher: Elbe 7910. 7911, Vulkan 8683. Verantwortlich für den red ..»onellen Teil: Syndikus Dr. N. M. N a t h a n. für den Inseratenteil: E. Loos, beide in Hamburg Anzeigenpreis 60^ p. 6gesp. Roap.-Zrile. Personalien. Herr Max Marx, der am 20. März 1923 zum Mitglied des Vorstandes der Gemeinde gewählt wurde, hat aus Gesundheitsrück schien sein Amt niedergelegt. Mit Bedauern sehen die Gemeindebehörden ihn scheiden, der sich während seiner ku :zen Amtszeit um das Finanzwesen und die Tepos tenkasse milder Stiftungen der Gemeinde wesentliche Verdienste erworben und sich auch in der Jüdischen Minelstandshilfe eifrig betätigt hat. Herrn Marx beglesten bei seinem Ausscheiden mit dem Danke der Gemeindebehörden deren herzlichste Wünsche. Möge eine baldige Wiederherstellung und Festigung seiner Gesundheit I ihm gestatten, sein Wissen unh seine reiche Erfahrung wieder in den Dienst der Allgemein heit zu stellen. Zu seinem Nachfolger erwählte das Repräsentanten , Kollegium in seiner Sitzung vom 29. Mar Herrn Dr. Arnold Herzfeld. Tr. Herzfeld wurde am 20. Lkt. 1889 zu Hannover geboten, studierte in Berlin und Göttingen Rechtswissenschaft und wurde in Halle zum Dr. jur. promoviert. Nachdem <r als Referendar und Assessor tätig gewesen war, übernahm er in Hamburg die Stelle des Syndikus einer Reederei und trat 1920 in die Firma Bleichröder u. Co. ein. Seit einigen Jahren ist Dr. Herzselb Mitglied des Berwaltungsausschusses des Jsraeliti schen Tempelverbandes. Rabbiner Dr. Bruno Italiener. Ter Israelitische Tqmpelverband hat anstelle des jetzt > gerade vor einem Jahre! nach Bamberg berufenen Herrn Tr. Rülf Herrn Dr. Bruno Italiener zu seinem Rabbiner erwählt. Dr. Italiener wurde am 6. Februar 1881 in Burgdorf (Hannover) als Sohn eines Lehrers geboren und verbrachte seine Gymnasialjahre teils auf der Samsonschule in. Wolfenbüttel, teils auf dem Andreanum in Hildesheim. Im jugendlichen Alter - von 18 Jahren bezog er die Breslauer Universität, wo er sich dem Studium der Philosophie und der orientalischen Sprachen widmete und gleichzeitig auf dem Jüdisch-theologischen Seminar, dem der Tempelverband und auch die Neue Tammtor-Synagoge schon manchen geistigen Führer verdanken, sich auf seinen Berus vorbereitete. 1907 übernahm Dr. Italiener sein erstes rabbinisches Amt, das ihm die Israel. Religionsgemeinde in Tarmstadt anver traute, und aus dem er jetzt nach 20 jähriger Tätigkeit, die ’ nur durch die KriegSzeit unterbrochen wurde, während welcher er als Feldrabbiner beim Oberkommando der 7. Armee wirkte, nach Hamburg übersiedelt. Ter Entschluß, einkiGemeinde zu verlassen, in deren Mitte er sich die ersten «poren verdient und die ihm gewiß zur zweiten Heimät geworden ist, mag dem Gewählten schwer genug fqllen, zumal er in Hamburg kein 1 i ■ .i leichtes Amt übernimmt. Tenn der Tempelverband be sitzt keine festgefügte Gemeinde; diese muß, das ist die Aufgabe eines jeden liberalen Rabbiners, jeder neue Rabbiner sich selbst wieder neu schassen. Diese Aufgabe ist um so schwerer, weil der Israelitische Tempel, das Gotteshaus des Verbandes, infolge der Verschiebung der Wohngegend völlig außerhalb des jüdischen Zentrums Hamburgs liegt und es dem Tempelverband daher au einem Mittelpunkt fehlt, an dem sein Rabbiner seine Mitglieder und die weiten jüdischen Kreise, die ihrer religiösen Einstellung, nach zu ihm gehören, um sich scharen könnte. Hoffen wir von der Tatkraft des in der Vollkraft seines Schaffens Stehenden, daß ihm die Aufgaben gelingest, die sein hohes Amt ihm stellt, vor allen andern die eine: die Jugend zu gewinnen und in Treue zur Lehre unserer Väter;u erziehen. Dr. Italiener ist auch ibehrach schriftsteklcrsich her vorgetreten. Seine Erstlingsarbeil, mit welcher er 1903 sich den Toktor-Tjtel erwarb, bi handelt die >!Gotteslehrc des Thomas Campanella (1568—1639), eines.fruchtbaren philosophischen, dem Dominikanerorden angehörenden Schriftstellers. Während des Krieges gab er eine Schrift „Bon Heimat und Glauben" (1916), ferner die „Sabbath gedanken für jüdische Soldaten", zu denen alle Feld rabbiner besteuerten, heraus. 1919' erschien aus seiner Feder die Central-Vereins-Schrist „Waffen im Äbwehr kampf". Endlich befindet sich ein Werk über die Darm städter Peßach Haggadah im Truck, das Tr. Italiener in Verbindung mit anderen Gelehrten, unter ihnen Prof. Tr. A. Freimann-Frankfurt a. M., herausgibt. - - Herr Tr. Italiener wird sein Amt voraussichtlich nach den Herbstsesttagen antreten. Max M. Marburg. In unseren Mitteilungen vom 2. d. Mts. haben wir bereits kurz erwähnt, daß Max Marburg am 6. Juni sein 60. Lebensjahr feiern würdt.. Inzwischen gehört, wenn diese Zeilen erscheinen, auch dieser Tag bereits der Vergangenheit an, und was sie zur Würdigung Max Marburgs sagen, dürfte von den verschiedensten Seiten bereits ausgesprochen worden sein. Gleichwohl — das Amtsblatt unserer Gemeinde kann an dem 60. Geburtstage des Mannes, welcher in gleicher Weise seiner Vaterstadt, seinem Lande und seiner Glau bensgemeinschaft zur Ehre gereicht, nicht stillschweigeno vorübergehen. Und wenn die 'Verwaltung unserer Stadt, die führenden Wirtschaftskreise Und die Tageszeitungen den bedeutenden Kaufrstann feiern, seinen weiten Blick und seinen besonnenen Mut, wenn sie seine Verdienste um Handel und Wirtschaft rühmen, seine Leistungen für die engere und die weitere Heimat, seine Verdienste um i