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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1927-03-10 · 3 (10.3.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
3 (1927)
Issue
3 (10.3.1927)
Date
1927-03-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nummer 3 der Deutsch-Israel mein tischen 3. Jahrgang . tt e zu Hamburg Das Gemeindeblatt erscheint am 10. eines jeden Monats und wird allen Mitgliedern der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg kostenlos zugestellt. Hsttnburg, l«. März 1927. Ai. L _ Ferm'pre Pruck, Verlag und Geschäftsstelle i 'mann, ABC-Hof, AÄC-Straße 57. cher: Elbe 7910, 7911, Vulkan 8083. e 8 Verantwortlich fpr den redaktionellen Tel SyndikusDr.N.M. Nathan, für den on! serafenteil: E. Loos, beide in Hamburg Anzeigenpreis 00rj p. 6gcjp. Ranp.-Zeile Personalien. Tas Nepräsenianten Kollegium hat i» feiner Sitzung vom 28. Februar die Herren Alfred Levy, Tr. Hermann Samson und Hermann Philipp zu Mitgliedern des Vorstandes der Gemeinde wiejdergewählt. Zudenferndliche Zitatenkuyst. Von Tr. Feodor Rosenbaum. Die judenseindliche Bewegung benutzt in. ganz hervor ragendem Maße' Zitate aus den verschiedensten 'Schriften, tendenziös ausgewählr und ausgedeutet, als Propaganda mittel für ihre politischen Zwecke und gls Aiigrisfsinstru ment gegen das Judentum. Man kann diese onlisemitische Technik des Kampfes in drei hauptsächliche Kategorien einteilen. Tic erste umfaßt aus dem Zu gerissene, ihre historische Veranlassung und Zeitliche Be schränkung außer Acht lassende, ja häufig sogc r verfälschte und gefälschte Anführungen aus des jüdische» Literatur des späten Altertums und des Mittelalters. Tie andere benutzt einzelne Sätze aus neueren Schrift! n jüdisctier Sriiriststeller, um daraus angeblich zu bei verseil, oaß die antisemitischen Behauptungen über das Verhältnis der modernen Jude» zu ihren nichtjüdischen Mitbürgern auch von jüdischer Seite gestützt und gerechtfertigt wür den. Ein Schulbeispiel hierfür bot erst neulich wieder in dem Beleidigungsprozeß Max Marburgs siegen Fritsch das Bemühen des letzteren, eine Aeußernng des Zionisten Klatzkin in. einer seiner letzten Schriften in judenfeind lichem Sinne auszulegen. Klatzkin setzt' in die'er die Ursprünge des modernen jüdischen Nationalgeoankens'aus einander und wein darauf hin, daß im Mittelalter, so lange das Ghetto bestand, > das Judentum leinen Staat im Staate bildete, der nach jüdischem Gesetz sich richtete ammenhäng und die allgemeinen und befolgte, als sie dieser Charakteristik Staatsgesetze nur insoweit kannte ihm zum Bewußtsein lämen. Aus einer vergangenen, al geschlossenen geschichtlichen Periodlj machte sich Fritsch im Wege anti semitischxr Zitatendeutung einfach und schnell.die angeb liche Tatsache zurecht, daß auch heute noch, »ach der Emanzipation, die Inden einen Staat im Staate bildeten, einest jüdischen Ucbeistaat mit eigener, der allgemeinen nicht unterworfener, ihr vielleicht entgegenstehender Ge setzgebung. Mit der Geschwindigkeit, die keine Hexerei ist, ist hier einfach für antisemitische Belange ein Zitat aus den Schriften eines modernen Juden umgebogen worden. Tie dritte Ka egorie judenfeindlicher Zitatenkunst befaßt sich mit der rinseitigen Auswahl und einseitigen Interpretation von. Zitaten' aus Schriften nichtjüdischer Dichter, Denker und Schriftsteller, welche angeblich als Beweismittel dienen sollen, um geistige! .Führer der deut^ schen Nafton als Pärtei und Gesinnungsgenossen der Antisemiten, als Anhänger ihrer Lehren dem Harm losen Hörer oder Lestr solcher judenfeindlichen Darlegun gen hinzustellen. Wenn man! auch liier ein Exeiüpe. antisemitische.r Zilatenlechnik zeigen will, so ist es uni zweckmäßigsten, dieses Verfahrest gleich an einem Geistes riesen, wie er sich unter aniistminscher Brille zeigt, darzulegen. Julius Bah hhl sich hieser notwendigen Arbeit mit großer Sachkenntnis in feiner Schrift „G o e t b r u n zogen. Mit einer ans großer Be Schriften beruhenden. Sachten itnis behandelt Bab nächst die Aeüßerungen Goethe g e N d e i n d r ü cf c n in Frankflirt, uLnc je! jung ihrer Berechtigung, beruhen. Tiefe . reichen noch in die Periode L setzende» ,Aufklärungszeitalters Wahrheit hat Bab es vermieden, über solche Aeußernn gen Goethes etwa stillschweigend hintbegzugehen oder sie gar künstlich in anderem Sinne Vorstellung vain Jude'», welche gen wiedersviegelt, ist einfach und tiejein Beisländnid die Jude »" " inner I efenheil aller Goeilu'ichen zu welche auf feinen I n »e jede nähere Prii se Jugendeindrüekg es «Äietios. und des ein zurück. Im Dienste D zu deuten. Tie Goelhescb sich in diesen Aeußernn konventioneller Sprach gebrauch, der von dem Frankfurter Patriziersohn ane seiner unkritischen Jugendzeit übernommen worden ist dem er sich immer noch nureile» ganz chedeifteulo-. überließ. In direktem Gegensatz zu bie'en von Bab richtig gt lennzeichneten und deshalb wenig bedeulüngsvolleii Aenßernngen Goethes über Jtche» stehen die >oiel - lie, seren inneren Erlebniss e! des Dichters, welche ihn in einer engen . seelischen Verbindung mit den großen literarische» Tofumenle» des Judentums zeigen. Vor allem gilt das von her Bibel, dem Alten Testament'. Ihm hat das Buch Hiob die Vorlage.geliefert für dem Prolog im Himmel, der den Faust eröffnet. Auch oie altjüdifche Sage, bom Tode Moses hat auf die Schluß Partie» des Faust gewirkt. Das eigentliche Lebensblni des, dichterischen Geistes, die Göetheiche Sprache, ist.voll kommen durchsetzt von den Bilh.er» und Vergleichen, den Rnthmen und »längen des Alten Testaments. Sv enl schiedenes Gewicht Bab. auf diese Momente der» dich terischeir Entwicklung Goethes im Gegensatz zu den Ein drucken der sozialen Verhältnisse keiner .zei.lgenösfisrhech Juden legt', so wenig übernehi er die Einflüsse antike»' Geistes auf ist», der elhifchen F^rm, der klaren iröi'chein Lrdnungj der reinen. fiunlick>en Schönheil, welche jlm'in! z iv ei g a n z e n t g e g e n ge feite Frvnl st e l l n ti ge n> gegen das Judentum Iteibt, -dasIhm al-s-eine ungnmiischri' Welt erscheint. ' j /! Mit vollem Flachdruck weist Bab daraus hin, dast die Erscheinung Spin o z a s, zu der sich Goethe so oft, io innig, so stark in allen Epoche» feines Lebens bekannl har, für feine innere Stellnstg znm Judentum izichl unberücksichtigt bleiben lann. In ähnlicher Wei'e.Helm» ) Philo Verlag, Berlin, Lindenflraße >:! ■*.

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