Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 2 (10.2.1927)
- Date
- 1927-02-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Gemeindeblatt der Deutsch -Israelitischen Gemeinde. Nummer 2 I giums, Herr Lisscr, zunächst ein, daß bei der angestreng ten Finanzlage der Gemeinde so erhebliche Mehrausgaben grundsätzlich vermieden werden müßten. Sofern ' aber i«n Einzelfalle die bewilligten Gelder nicht ausreichten, verlangte er, daß vor ihrer Verausgabung die Bewilli gung der Gemeindebehörden eingeholt werde, da sonst! das Bewilligungsrecht des Kollegiums, welches ergründ ' ,'Ltzllch wahren müsse, verletzt würde. Des ferneren stellte der Vorsitzende die Frage, ob es in der gegenwärtigen Zeit nicht angebracht erscheine, größere Zuwendungen an Anstalten der Gemeinde und ihnen zusallende Ver ' mächtnisse für den laufenden Bedarf zu verwenden, anstatt sie zinstragend zu belegen und nur die Zinsen alljährlich in Anspruch zu nehmen. Demgegenüber wies aber Herr Alexander Levh an dem Beispiel der Borkriegsjahre, in welchen das Alttnhaus und andere Gemeindeanstalten einen wesentlichen Teil ihres-Bedarss aus den Zinsen ihrer Kapitalien bestritten hätten, über zeugend die Richtigkeit der satzungsgemäßen Belegung, v-n Stiftungs und Vcxmächtnisgeldern nach, welches apch die Hoffnung nicht unberechtigt erscheinen lasse, .m absehbarer Zeit die Wohlfahrtsanstalten der Gemeinde,! ich wesentlichen wieder finanziell unabhängig zu macheit.! Das Kollegium bewilligte hierauf die beantragten 10 000 Mark mit dem gleichzeitigem Ersuchen an den Vorstand chr. Gemeinde, solchen Etatsüberschreitungen in Zukunft! r»l rzubeugen. 4. Des weiteren genehinigtc da^ Kollegium die Ab rechnung des Jahres 1925 und mir unwesentlichen Ab är derungen den Voranschlag für das, Jahr 1927, welcher von eineni aus Mitgliedern beider Gemeindebehörden be stihenden Ausschüsse vorbcratcn worden lvdr und mit al sführlicher Erläuterung in einer der nächsten Nummern des Gemeindeblattes veröffentlicht werden soll. Bei der Beratung des Voranschlages interpellierte H:rr Flörsheim den Vorstand der Gemeinde über pi ic Differenz zwischen den Vorständen der Gemeinde urb des Synagogenverbandes über die Aufwerttmg einer Fwderung, welche die Gemeinde gegen den Synagogenverband aus der Zeit des Baues der Gemeindc-Synpgoge Brrnplatz hat; in den Kreisen der Gemeindemitglieder, welche dem Synagogenverband nahestehen, herrsche Mißstimmung darüber, daß der Vorstand der Gemeinde dem Vwband den 10 prozentigen Anteil an der Gemeindesteuer der Verbandsmitglieder wegen dieser Differenz vorentholte. Es handelt Zich hierbei um den Rest eines Be triges von 50 000 Mark, welchen die Gemeinde aus Gpund eines Vertrages zwischen ihr und dem Verbände dem letzteren für den Ban der Synagoge Bornplatz unver ztstslich zur Verfügung stellte. Diese 50000 Mk. sollten vertragsgemäß vom 6. Jahre nach Eröffnung der Synagoge Bornplatz in der Weise an die Gemeinde zurück gezahlt werden, daß der Synagogenverband die Hälfte chner etwaigen jährlichen Ueberschüsse bis zur Tilgung dtr Schuld an die Gemeinde abführte. i Am 31. Dezember 1918 wären von diesen 50000 Mk. zstcückgezahlt 2893,97 Mark; der Verband zahlte in den II ihren 1921 und 1922 1297,03 Mark und endlich am 28. Mai 1923 45 809 Mark, welche die Gemeinde dem V< rband mit 36,46 Goldmark gutgebracht hat, sodaß nach ihrer Auffassung der Verband noch mit 47 069,57 Mk. belastet bleibt. Diese' seine Auffassung brachte der Vorstand dem Verband am 18. Januar 1926 zur Kenntnis. D<l dieser aber am 28. März die Forderung des Vorst« ades der Gemeinde ablehnte, so erklärke letzterer nach eingehender Prüfung der Angelegenheit am 17. Okwber 1926 dem Synagogenverband, daß er bis zur Erledigung der Angelegenheit, d. h. bitz zur Anerkennung der An sprüche der Gemeinde, ven 10 prozentigen Gemeindesteuer anteil .seiner Mitglieder nicht zur Auszahlung bringen könne. Bei dieser Erklärung verblieb der Vorstand der Osemeinde, da auch der Vorstand des Synagogenverban des die Berechtigung der Forderung weitekmbestritt und sich zu einer kommissarischen Verhandlung nur für den Fall bereit erklärte, daß zuvor der Geineindesteueranteil zur Auszahlung komme. Diesen Sachverhalt legte auf die Anfrage des Herrn Flörsheim das Mitglied des Vorstandes, Herr Heinrich Levy, eingehend dar. Herr Alexander Levy billigte die Maßnahmen des Vorstandes der Gemeinde, welcher dein Vorstande des Syn agogenverbandes gegenüber seit langem eine beinahe über große Langmut bewiesen habe. Anstatt von einer Mißstimmung gegenüber dem Vorstande der Gemeinde sollte man von einer Mißstimmung gegenüber dem Vorstande des Syn agogenverbandes reden, die beispielsweise ein höfliches Ersuchen des Vorstandes der Gemeinde um Abstellung von Miß ständen in einer Gemeindesynagoge, von welchen er durch Mitglieder erfahren habe, an verletzender Weise beant wortet habe. Der Vorsitzende, Herr L iss er, bedauerte, daß der Vorstand des Synagogenverbandes eine 'Ein ladung des Vorstandes der Gemeinde zu einer Bespre chung äbgelehnt habe, da dies den — vom Synagogen verband inzwischen als irrig bezeichneten — Anschein erwecke, als strebe dieser eine gerichtliche Austragung der Differenz an; zudem sei die Zurückweisung einer Einladung des Vorstandes der Gemeinde durch den Vor stand eines innerhalb der Gemeinde stehenden Verbundes auf keinen Fall zu rechtfertigen. Herr Tr. L a n z k r o n bestritt der Gemeinde das Recht der Einbehaltung des Gcmeindesteueranteils, ohne sich zu der Aufwertungs frage selbst zu äußern. Das Kollegium nahin dann noch in geheimer 'Sitzung den Schriftwechsel zur Sache ent gegen, ohne einen Beschluß zu fassen. Litzung des Delegierten-Kollegiums des Synagogen»Verbandes. Unter dem Vorsitz des Herrn Dr.*C. Heckscher, der den durch Krankheit verhinderten Herrn Jchcob Flörs heim vertrat, . hielt das! Telegierten-Kollegium am 31. Januar eine Sitzung ajb, zu dessen Beginn es die beiden vorgenannten Herren zu Vorsitzenden und die Herren Arnold Cohn und M ö s l e r zu Schriftführern, sowie die Vorstandsmitglieder M. Flörsheim und A. Heck sch er zu Mitgliedern der Kultustommission für das Jahr.1927 wiederwählm. Alsdann nahm das Kolle gium den Bericht seines Ausschusses zum Haushaltsplan 1927 entgegen; in diesem wird unter Hinweis auf die ge ringe Anzahl der im Verbände stattfiudenden Trauuu gen dem Vorstände empfohlkn, statistisches Material über die Anzahl der in der Gemeinde überhaupt Vorkommen den Trauungen zu sammeln und nach Mitteln und Wegen zu suchen, dem Verbände e ine größere Zahl als bisher zuzuführen. Ter Bericht tritt für eine gewisse finanzielle Besserstellung der Oberkantoren ein, deren Bedeutung für den Verband hervorgehoben wird, und stellt mit Be dauern fest, daß die Synagogen Köhlhöfen und Gluck straße erhebliche Zuschüsse erfordern. Der Vorschlag des Berichtes, die Ausgaben füt die letzteren einzuschränken, wird in der kurzen Tjiskussion von Herrn Dr. Burchardt bekämpft; int übrigen wird der Bericht dem Vorstande als Mater«! für das laufende Jahr und insbesondere für den Miranschlag 1928 überwiesen. . Tie vorstandsseitige Ablehnung des in der letzten