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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1926-10-10 · 10 (10.10.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
2 (1926)
Issue
10 (10.10.1926)
Date
1926-10-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nummer 10 emeiit der Deutsch - Israelitischen Gem; L.Iahrgang « Hamburg DaS Gemeindeblatt erlchjeint am 10. eines jeden Monats und wird illen Mitgliedern der Deutsch »Israelitischen Gemeinde zu Hamburg kostenlos zugestellt: Hamburg, IO. Oktober ISS«. Nakhaü Jak b Süsskind. 1831- V15. Von Musikdirektor Ar, l Friedmann, Berlin. kach^ des Gcsaiwes! Wer Schöpfer dem gone und Druck, Verlag und Geschäftsstellen M. Letz mann. ABC-Hof, ABC-Sttaße 57. Fernsprecher: Elbe 7910, 7911, Vulkan 8683. Verantwortlich für den redaktionellenDeil: Syndikus 2r. R. M. )k a t h a n. für den Inseratenteil: E. Loos^ beide in Hamburg. Anzeigenpreis 60 p. ügesp. Nonp.-Zeile. „Wer könnte ermessen d die wunderbare Krl besonders der Menschenstimme über das menschliche Herz'verliehen hat. Denn sie, die Menschenstimme, ist eine besondere Gabe des Himmels." Mit dieser schönen Himmelsgabe war Lberkantor Nathan Jakob Süßkind ganz besonders begnadet. Geboren 1^831 in Waloson (Rußland) besuchte er, zum Jüngling herangereist, die dortige Jeschiwa, um sich talmudische Kenntnisse anzueignen. Als er sich für einen Lcbcnsberuf entscheiden sollte und fidx bei ihm ganz besondere Stimmittel zeigten, beschloß er, den rühmlichst bekannten Wilnaer Chasan Schicke Feinsinger aufzusuchen, dieser war überwältigt von Hijßkinds gewaltigen Stimmitteln und nahm'ihn unter dit Meschaurcrim auf. Erchatte nun die beste Gelegenheit, bei Feinsinger das Chasonus zu er lernen. Er zeichnete sich vor allen anderen M'shaurerim durch reiche Phantasie, leichte Auffassung und m rsikalische Begabung aus. Feinsinger ließ sich oft von Süs kind ver treten, und er betete in der Wilnaer Äinagoge mit den M'schaurerim vor. Der Beifall war immer sehr groß. Nebenbei setzte Süßkind in Wilna seine talmudischen Stu dien fort und nahm Unterricht bei Wilnaer Gesang und MusÜlehrern, um sich für das Kantorfach gründlich vor zubereiten. Wie viele seiner Landsleute, fühlte er den Drang in sich, in Deutschland seine Kenntnisse zu erwei tern und zu vertiefen, und so ging er nach Hamburg, wo man Verständnis für seine großen musikalischer Fähig keiten hatte. Nachdem er zunächst in Altona Anstellung ge funden hatte, wurde er in Hamburg als Oberkail tor beim Synagogenverband iangestellt. Hier eröffnete sich ihm' ein weites Arbeitsfeld, ftnd seine Bemühungen uw me kantorale Ausgestaltung des Gottesdienstes fanden ungeteilte Bewunderung. - Seine Stimmittel nahmen an Umfang zu und seine Phantasie wurde reicher. Vollkommen mit der Synagogengesangsliteratur vertraut, suchte er sir „gemäße Abwechslung im Chor zu schaffen, so daß sich die Besucher viel zahlreicher einstellten und durch die Andacht Süßkinds zu Gott emporgehoben fühlten. Mit seinen Leistur gen steigertesich auch sein Ansehen in Gemeinde und Stadt. Wie, Anton Rnbinstcin zu seiner Schwester, die Gesanglchrerin in Odessa war, so oft er'bei iht zu Besuch weilte, sagte .„Schicke Deine Schüler in den- Tempel, daß sie de» Bachmann hören, um zu lernen, wie man singen soll," ssschickte der .Hamburger Theatcrdirektor ^Pollini seine Opernsänger nach der Snnagoge, um.von Süßkind singen zu lernen. Pollini selbst besuchte öfter das. Gotteshaus, um sich au . den hervorragenden stimmlichen Leistungen des Hamburger EhasanH zu ergötzen. T-en Lockungen, sich dem welllichcn Gesänge zu widmen, widerstand Süßkind aufs festeste, denn er blieb seinem Motto: „Mein Sing und Sang ist Gott" treu; ihm, dem Schöpfer des Alls, wollte er feine Fähigkeiten widmen. Und seinem steten Streben, den Got tesdienst nach-jeder Richtung hin zu veredeln, war auch ein 'volles Gelingen bcschieden. Am 3l. Dezember 1!)0(>, nach fast 40 jähriger Amts lätigkeit, legte, Süßkind fein ihm liebgewordenes Amt nieder, um an seinem Lebensabend der wohlverdienten Ruhe zu pflegen. Aus diesem Anlaß ehrte ihn die Senats Kommission für die-Angelegenheiten der Israelitischen Re ligionsgcmchiden durch folgendes Schreiben: -- „Geehrter Herr Süßkind! Es ist' der Senat Kommis jion für die Angelegenheiten her israelitischen Religi onsgenicindeu zur Kenntnis gekommen, daß Sie, nach dem Sie fast 40 Jahre im Dienste Ihrer Gemeinde ge wirkt haben, mit Rücksicht auf rJhr vorgerücktes Alter - von dem Amte eines Oberkantors zurückgetrcten find. Sic habeii Ihr Amt, wie der Kommission bezeugt ist, alle Zeit in hingcbendcr Treue verwaltet und durch die Ihnen . verliehene schöne Gabe des'Gesanges zur Hebung und würdigen Ausgestaltung des Gottesdienstes wesentlich bei getragen.-«.. Zugleich hat die Ehrenhaftigkeit Ihres Eha rattert Ihnen das Vertrauen und die Zuneigung weiter Kreise erworben. Die Kvmrstission benutzt daher gern den Anlaß des Ausscheidens aus Ihrem Amte, um Ihnen, die .Hochachtung, die sie Jhßcll zollt, zum Ausdruck zu bringen. Sic verbindet damit den Wunsch, daß Sie sich des wohlverdienten Ruhestandqs im Kreise Ihrer gclicb ten Söhne noch viele Jahre erstellen und daß Ihnen Ihre gute Gesundheit und damit der Sonnenschein erhalten bleibe, den das höhere'. Alter mit wenigsten' entbehren kann." - - Ein Festabend im Logenheil l gab Kunde davon, wie sehr Süßkind beliebt und geachtet bei seiner Gemeinde war. Zum Andenken wurde ihm eine künstlerisch auSge führte Adresse in gepunztcr Lede "mappe überreicht, die auf der Vorderseite das Bild der Synagoge trug. Am Schluffe der Taßst sang er selbst mchrcch Lieder, welche.bewiesen, daß die Jahrzehnte spurlos .an seiner seltenen Stimme vor- .üborgegangen waren.; Acht Jahre erfreute sich noch der Altmeister der jüdischen Kantoren Deutschlands der-'wohlverdienten Ruhe; dann schloß er nach einer längeren Krankheit seine Augen zum ewigen Schlaf. Tie Bestatküng gestaltete sich zu einer

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