Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 8 (10.8.1926)
- Date
- 1926-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seilte 4 Gemeindeblatt der Deutsch -Israelitischen Gemeinde. N immer 8 V' >G 'üb^r ihnen Charakter, Zweck, Aufnahmebedingungen, Pfle gekosten | u. dgl. unterrickiten, gegeben — und diese Mitteilungen werden wobl' da« .Handbuch zu einem unentbehirlichän Na'chschlagcbuch für da« größere jüdische Publikum werden lassen — abgeselien von seiner Bedeutung für eine jedx Gemeinde und jeden jüdischen Verein von einiger Gröjße. Eingeleitel wird dieser dritte Teil durch einen eberblijck über die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, die Landes und Provinzialverbände sowie die ört licken Zentralen für jüdische Wohlsahrtspslege, deren wir im! ganzen 45 zählen — ein Beweis für das wachsende Verständnis für den Werkder organisierten Wohlsahrts arbeit und sür die Disziplinierung der in der Wohlsahrts arbeit tctigen Männer und Frauen — obwohl gerade auf Wjfm Gebiete noch sehr viel zu tun übrig bleibt. Dev vierte Teil ninsaßt die Organisationen und Per ein,' des deutschen Judentums, «a'gt man nicht, daß, wo zwei! oder drei Deutsche sich treffen, sie einen Vdrcin gründen j? Nun, das tun diedeutschen Juden auch. Und so finden sie hier sich denn alle, der Centralverein, die Zionisten und Misrachrften, die Achdus, die Aguddoh und - bcr | Mi^rachi, die Akademiker, die Logen, die Frauen, der! Hilfsverein, die Rabbiner, die Lehrer und Kantoren, die Hanpwerkdr, die Orthodoxe« und die Liberalen, die verjchiedenen ^ngendvcrbändc nicht zu vergessen, — kurz, ein Gewtimmel, wie eS nicht Faust sich erträumt haben mag. : ' Es folgen dann noch in einem fünften Teile Wissens werte Angaben über die in Deutschland bestehenden jüdischen Verlage und Buchbandluugen, über das jüdisch? Zeitungstvesen sowie verschiedene Anhänge und Nachträge. Alles in <allem aber, das wird auch der Leser dieser Inhaltsangabe bestätigen, ein dankbar zu begrüßendes Werk. > Gt richkshilfe für Erwachsene in Kamburg.! Bon Lore Arnheim. I TeN nachfolgenden Aufsatz veröffentlichen wir, um - unsere! Gcmeindeangehörigcn mit einer neuen sozialen Einrichtung bekannt zu machen und zur Mitarbeit pnzurcUtn.. ' - In Hamburg ist vor kurzem eine Gerichtshilfe für ErwaryseneGm Tlrafjustizgebäude eingerichtet worden.,-Eine ihre - Hauptaufgaben ist es, sich mit den Beschuldigten vor Erlrß eines Urteils zu befassen und der Strafrechtspflege die Möglichkeit! zur Aufklärung der persönlichen Umwelt des Bcstiuldagten und'damit der äußeren und inneren Ursprünge fjeiner ^!at zu geben. Es handelt sich also um gleiche Aus>aben, wie sie durch dit Jugendgerichtshilfe in jahrelanger emolgre cber Arbeit für Personen bis zum 18. Jahre bereis durchge ührt worden sind. Es gilt nun, ein solches Werk jetzr auch für alle Personen über 18 Jahren, für die aus Wunssch de? Gerichtes eine Klärung erwünscht ist, neu zu s Haffen. Ti, Hamburger Gerichtshilfe ist die drste großstädtische.! Wen r auch an die Erfahrungen anderer Städte, wie z. Bl. Bie!eseld, Kassel, Magdeburg u. a., angeknüpst werten kfinn, >ie wichtige Pionierarbeit geleistet haben, so muß doch in Betracht gezogen werden, daß die Schaffung eine' solchen Organisation in einer Millionenstadt ungleich größere Schwierigkeiten mit sich bringt. Ter Gedanke, eine Gerichtshilse einzurichtcn, ist einerseits ausj der Praxis des Gerichts selbst herausgewachsen, and« rseitsist ihre Notwendigkeit seit langer Zeit von fürsorg'treibenden! Organisationen anerkannt worden. Ter Richter, b|er deiz Angeklagten bei der Hauptverhandlung mitunter nuf wensge Minuten sieht, wird sich in dieser kurzen Zeit! nur,: schwer ein richtiges Bild machen können, zumal man weiß, daß der Angeschuldigte sich bei dieser Gelegenheit nicht frei gibt, sondern aus'Scham mitunter keines Wortes fähig ist, bisweilen auch durch geschickte Borspie- > gelung es versteht, die Herzen für sich einzunehmerl. Durch , eingehende Rücksprache mit dem Angeschuldigten, mit seiner Familie, seinem Arbeitgeber und den Arbeitskollegen lassen sich meist über seine Persönlichkeit Feststellungen machen, die für seine Beurteilung von wesentlicher Bedeutung sind und da durch, daß sie in der eigenen Wohnung vorgenommen wer den . können, die Möglichkeit einer Verschleierung in erheblichem Umsange ausschließen. Falsch wäre es jedoch, wollte man aus dieser Tätigkeit der Gerichtshilse darauf schließen, daß sie. durch derartige Untersuchungen die - strafbare Handlung selbst seststellen oder aber den Angeklagten unter allen Umständen entlasten und entschuldigen wolle. Eine gut eingerichtete Gerichtshilse wirdi selbst wenn sie . den fürsorgerischen Teil ihrer Aufgabe stark in den Vordergrund stellt, sich von derartigen Bestrebungen völlig frcimachen. Ihr Hauptzweck muß immer sein, das ,Gericht in den Stand zu setzen, ein gerechtes Urteil zu fällen, das seinen Hauptzweck richtig erflült: Besserung und Bor beugung. Die eigentlich volkserzieherische Bedeutung der Gerichtshilfe aber liegt in einem zweiten Teil ihres Aus gabengebietes, nämlich der Führung von Schutzaussichten, die in Fällen, in denen das Gericht bei Verhängung leiner Freiheitsstrafe eine Bewährungsfrist zubilligt, für deren Tauer eingerichtet werden. Auch diesen Teil der Tätigkeit kennen wir bereits aus der Arbeit der Jugendgerichts- Hilfe; er ähnelt aber auch der Tätigkeit aller Fürsorgeeinrichtungen, die sich mit nachgehender Fürsorge beschäftigen. Es hat niemals der Wunsch bestanden, mit der Neueinrichtung einer Gerichtshilse die Zahl der schon bestehenden öffentlichen und privaten Fürsorgestellen zu vermehren. Han ist sich vielmehr von Anfang an darüber klar gewesen, daß nur durch engste Beziehungen mit schon vorhandenen Organisationen der 'größte Erfolg erzielt werden kann. Die Praxis erHöt/ daß ein erheblicher Teil der der Gerichtshilfe zugewicsenen Fälle bereits fürsorgerische Betreuung erfahren hat. Selbstverständlich wird man sich dann gern der Erfahrung der bereits tätig gewesenen Fürsorger bedienen. Es ist das Bestreben der Gerichtshilse, sich eiiren Kreis von ehrenamtlichen Fürsorgern und Fürsorgerinnen zu erwerben, die sich der hohen Bedeutung des Zusammenwirkens von Strafrechtspflege und Fürsorge bewußt sind und sich bereit finden, in diesem Sinne helfend mitzuwir'ken, und sie rechnet hierbei vor allem auf jeden, der Charakter und Wesen, Lebensverhältnisse und Notlage seiner Mitmenschen klar und objektiv, warmherzig und mitfühlend betrachtet. Trotz der kurzen Tätigkeit der Gerichtshilfe;n Hamburg, zeigt die wachsende Zahl ihrer Fälle, daß das Gericht von ihr mehr und mehr Gebrauch macht. Die Geschäftsstelle, Strasjustizgebäude, 2. Stock, Zimmer 360, nimmt Anmeldungen von Mitarbeitern gerste entgegen. Sie hofft zuversichtlich, daß ihre von allen politischen oder konfessionellen Gesichtspunkten freie Arbeit, die lediglich dem Rechte dienen und den Rechtsbrecher durch Fürsorge und Erziehung wieder in geordnete Bahnen bringen will, in allen Kreisen der Bevölkerung rege Anteilnahme > findet.! Das hamburgisch« Staatsarchiv spricht in einem jüngst in den hamburgischen Tageszeitungen veröffentlichten Aufsatze den Wunsch aus, in möglichst großem Umfange Familien-und namentlich Ge- - schäftspapiere dem Staatsarchiv zur Aufbewahrung - IC I