Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 8 (10.8.1926)
- Date
- 1926-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 8 Gern der Deutsch - Israel itische 2. Jahrgang Matt emeinde, zu Hamburg ' Das Gemeindeblatt er'ch^int am 10 eines jeden Monats und wird allen Biitgl iedern »der Deutsch-Israelitischen Gemeüde zu Hamburg kostenlos zugestellt. M. L Hamburg, I« Angnst 192«. Truck, Verlag und Geschäftsstelle', rnsr r B in a n n red'er: Elbe ABC-Hof, ABC-Strahe 57. - 7910, 7911, 'Viflkan Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Syndikus Tr. N. M. N a t h a n. für den Inseratenteil: E-Loos, beide in Hamburg. Anzeigenpreis t>0rj| p. 6gesp. Ronp.-Zeck. Bekanntmachung betr. Ablösung von Rausch Zur Ablösung von Rau nehmen wir Spenden entgegen der «Spender wohltätigen Zwecken bezw.! den in der Ge meinde bestehenden WohlsahrNänstalten zugcführt werden. -Haschonoh^GIiiflwünschen.. ~ ch haschonoh Glückwünschen welche je stach Bestimmung Soweit die Spender über die Verwendung der von ihnen gezahlten Ablösungsbeträge nicht selbst bestimmen, p)ird der Vorstand der Gemeinde entscheiden. Die Ablösungsspenden sin) zu zahlen in bar bei der Kasse der iGemcinde, wochentä stich 9 bis 1 Uhr, oder an das Postscheckkonto der Gemen de Hamburg 499, oder an eines der Konten der Gemeinde bei der Deutschen Bastboder der Dresdner Bank, Depositen lasse Harvestehude.! Die Namen derjenigen, w, Idje ihre Rausch haschonoh Glückwünsche bei uns ablösen, >verden von uns in den vor Rausch-haschonoh erscheinenden Mitteilungen und in depi vor Rauft,-haschonoh erscheinerden Gemeindebläts. bekannt gegeben werden. In Anbetrack t der Nyt der Zeit bitten wir, der vorstehenden Anregung nach Möglichkeit zu ent sprechen. Vorstand der Deutsch-Jsrärlitischrn Gemeinde. Kündert Jahre Althnaer Machsor. . 1826—1926. Von Martin Cohen. Minhcg jisrocl tauroh hi' — im Jhdentüm hat ein traditioneller Brauch rcligionsgesetzliche Verbindlichkeit. Nirgends s rnd der Sinn dieses talmudisch^n Prinzips mehr Beachtung als in der Anordnung unserer!Gebete, im Siddur. Wenn ursprünglich her Wortlaut, die Nuschoh, unserer Hauptgebet; einheitlich gewesen sein mochte, so wurde er schon'frühzntig infolge der Zusmnmenhanglosigkeit der in der Zerstreuung lebenden Judenhcit in vielen Beziehungen umgeformt und dem Einfluß geistiger Strömungen preis gegeben, du oft, in ihrem Wesen dem übcstliescrten Judentum fremdj es dennoch befruchtend entwickelten. Ta seit der Zerstörung des Jerusalemer Heiligtunss das Gebet das Wesen des jüdischen Gottesdienstes ausmstcht und dadurch gleichsam zum Gradmesser der Impulse jüdischen Lebens wurde, können wiran der Mannigfaltigkeit seiner Formen und Inhalte diel historischen Momente ablescn, die jeweilig das Schicksal des jüdischen Volkes entscheidend beeinflußten. Nicht allein die Lyrik des Psalters, die uns die einstige Naturverbundenheit der Dichter unseres Volkes erkennen läßt, nicht nur die Zionssehnsucht, die uns aus den sprach schöpferischen Gesängen der spanischen 'Blütezeit entgegentönt, und nicht nur die herzzerreißenden Klagelieder, die die schmachvollen Ausschreitungen der Kreuzfahrer den gequälten und angsterfüllten, aber gpttvertrauenden Seelen unserer Väter entlockten, beweisen, daß eine einheitliche Gcbetsordnustg von keinem starken jüdischen Leben Zeugnis ablegcn könnte, sondern arsch die Variationen, in denen uns selbst dasj uralte Achtzehirgebet entgegcntritt, dienen unseren Historikern häufig aly fast einzige Beweise ihrer Hy pothesen: Das religiöse Jiidcntum hat Stürme erlebt und überwunden. Das erkennen vir nicht zuletzt 'an dem Vor^ haudenseii der-vielen Rit-n, Minhagim, welche, sich autz der ursprünglich einheitlich Gebctsördnung entwickelt haben. Ti : wichtigsten feit- Snnt: 1. der Ritus der aus Spanien r nd Portugal sla - \ n. Juden, die vorwiegend im Orient leben, aber au , ). Frankreich, Holland- sowie hier in Hamburg Gemezudcr» bilden. Er diente:" den Chassidim im Osten als Strbstd, wenn auch ihr MiNyag sich sehr wesentlich von dem ursprünglichen' sesardischen Minhag unterscheidet. 2. der"Ritus der deutschen Huden,7 die zur Zeit der Tossafisten^ikN 12. Jahrh.s am Rhein undsüdlich dee Mains lebten, icr hat heute in diesen Gegenden und im größeren Teil Deutschlands, wenn wir die Elbe als ungefiihrc geographische Grenze nehmen, Gültigkeit/ Tie Länder rechts der Elbe schließen sich an den in Polen,. Rußland ind in den Balkanländcrn verbreiteten a», der ,3. Minha > Polen genannt wird. j Demnach gilt in Hamburg als rcchtselbischer Stadt Norddeutschlands der Minhag Polen, weil eben die ersten! deutschen Juden Hamburgs aus de/n Osten cingcwandert waren. Tie Hamburger Juden, di? mit den Altonaer und! Ptandbeker Juden eine Gemeinde bildeten, gelangten dank dem Wirker vieler Männer von großem jüdischen Wissen! zu einer g wissen Tradition im Ritus, der im Laufe der! Jahre einer scharf umgrenzten lokalen Charakter annahm. Ta dieser infolge des andauernden Zuzugs zu den. drei Gemeinden! AHW nicht so leicht zur Konsolidierung ge kommen wi re, entschloß man sich im Jahre 1772 aus Veranlassung 1 er Vvrbetcr Chaim Fürst und Elchanan Hendel, ihn in einem Machsor festzulegen. Das lag besonders im Interesse d:r Vorbcter, weil sieJ>ie Führung des Gottes dicnstes halten. Tic Erstausgabe des Altonaer Machsors vom Jahre 5532 wurde bei Mosche Bon» in Altona ge i druckt und mit Vorworten des damaligen Oberrabbincrs David Bexl n, Jacob Enrdens und des Tajan Jesaia Jasfe! versehen, in wetchen diese Gelehrten einen Bann über, jeden aussvrachen der das Machsor unbefugter Weise Nachdrucken würde. - Aus er der Reihenfolge der Gebete wurden in dem Machsor an den betreffenden Stellen die bezüglichen Vor schristcn übcir die Gebctsfolge sowie über die Feier der Fest und Trauerjage ausgenommen. Besondere Erwähnung ver dient die Tlauergebctsordnung (dine kaddisch jossaum) des Lbcrrabbinests Katzenelnbogen (knesses J'cheskel), die in den späteren Ausgaben nicht enthalten ist. Das Machsor be steht aus zwei Teilen, deren erster die Gebete der hphen Feiertage enthält, während im zweiten Teil die Gebete für alle anderem Tage des Jahres zusammengefaßt sind. Dem Texte ist ein sächlich die damals beliebten Zahlenverbindungen und mnehebräischer Kommentar beigegeben, der Haupt-