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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1926-07-10 · 7 (10.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
2 (1926)
Issue
7 (10.7.1926)
Date
1926-07-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Stumm r er 7 i I r 2. Fahrganj äi ijj der Deutssch - Israelitischen Gemeinde zu Hamburg Das (9m jeöen'] Mvsta der Deut Han > indeblatt er'chisn ts und wird -^srarlilisc'kn Kura koüenlc aller ff o v tijin 1<*. eines "jiJiitalicPcnt Mhiieinbe au i gestellt. .Hainlnirg, I" Juli I Dnick: 'Verlag und Geicbofwiielle A>. i* e b m a n n. ..'IV(5-Hoi. AB(5 strafte 57. ^rnier,wer: Elbe 7!*I< , .Tüll. Vulkan Ht.Wi Veranm c rtlidi für den redaktionellen Teil: Svndilii 5 Dr. '1k. M ^Ikäthan, für den In - serate»te:l: E. Loos, beide in'Hämburtz, Anzeigci »reis 60-; p. Ügejp. Ro«g.-Zeil>. Wege zurErm uerungdesTalmudftudiums in Deutfchlan-. (Gedanken zstm süilfjällrfgen Bestehen der I e s ch i w a h . in Hamburg.) ■. ■' ,Von Dr. Armin Blau. .!! Seit der Judencmanzivation stand in' Deutschland als Tatsache bei Inden und Judengegnern fest, das; der Jude, und speziell der jidische Knabe, eine über'legenc Intelligenz in seinen Mi.stre.ende der Schule ltnd im Leben, ge.zenüb^ i aisncie Le.'haste.cs AP cr ep ions vermögen, schnelleres Erfassen und schärssinni.ze? Durch ' dringen der Zusammenhänge,. leichtere! Eiusühlung und dialektische Schlagfertig! eit, rascheres: Erkennendes Anti thetischen, des springenden Punktes in schwierigen Sach lagen, kurz, die Uebcr cgenheit im geistigen Wettbewerb — galten als selbstverständliche Vorzüge der jüdischen Geistesanlage. Diese cieentüinlichc Ucberlegenheit de:- jüdi-' scheu Knaben über den nichstjüdischen fand in der Schule und im Studium — denn hier trat sie zuerst zu Tage ihre glänzende Bestätigt ng: es galt in christlichst Schuren in früheren Jahrzehnt! n als etwas Selbstverständliches, daß der jüdische Schäl« r mit -zu den Besten und Strebsamsten gehörte, daß er Preise bekam, daß er n .Mathe matik unv in allen! Ge stesfächern die andern c n Scharf sinn und innennanschanlichem Erfassen weit üb, rragie. Fragen wir nach d:r genetischen Ursache dieses entschieden rascheren giistigen Auifassungs- und Anpas snngsprozesses des jüdischen Studierenden des - vorigen Jahrhunderts — weis durchaus nicht identjsc; ist mit schöpferischem Genie ooe: auch nur mit produktivem Talent — so können wir als :ine der Grnndqnellen das Studium des Talmuts nennen. Das Tälm «dstudinm war für fast alle jüdischen Größen des letzt:» Jahrhunderts^ ans welchem Geistesgebiete immer, sie sich auszeichneten, ob aus de n Gebiete der Forschung, der Literatur oder der Medizin, der erste Grundstein und Prüfstein zur Erweck»» g ihrer besonderen Geistesanlage gewesen. Diese Tatsache läßt sich aus fast allen Biographien unserer Großeis — wir nennen zum Beveisc nur Männer wie Zuntz,!Gractz, Geiger, Philipps»»; S. R. Hirsch,' Berliner, Hossmann) Hermann Eohen, Einstein, Freud, — leicht erweisen. .- Selbst von .Heine, Börne, Marx u. a. ließe sich der Einschlag talmüdischer Säst; lung, bei ihnen ödes ihren Eltern, ohne Schwicrigkhit Nachweisen. Denn kein andres Werk ist in solchem Ausmaße ge> ignet, für den eindrucksfähigen,' werdenden Geist - ein cwiggnellender Brunnen zu werden wie der Talmud. Unerbittliche Logik, messekscharfe' Zuspitzung dgr Tesini tionen, unvergleichliche Fcinkunst der Dialektik, ein unendlicher Stoff- und Farbenreichtum der behandelten Lehrfragen niachen den Tälnzud fe» einer unschätzbaren hohen Schule t er Gymnastik des Beistes und des jugeichlichen Denkens. Mit seiner Reichlaltigkeit und seiner unaus- I-; I ' ' > i . i ■ i, noch isgend des Talmuds nicht dische Li Wi T a l m u leider u» werk jüpischcn hundert zu 'sprechen Siegel Jugend Klasse der Tal nud r'e 1 i g i hg e n Kreisen tini/Äkr als b e/n s lt es schüpsbar^n Tiefe kann sich keir; Werk der Geistesge chicht' irgendeines Volkes messe». .Ullis nicht nur. der Geist i finde! im Talmud einen Iungbruniie^i. Alle,-auch nichtjüdisch Kenner pes Talmuds stehen hcwundernd vor der'wild wachsenden' Schönheit und Gefnütstiese der talmudischen Aggada, von denen alle Partien der strengsachlichei: Halach»'umrankt und durchwächscn sind. „Jeder Per gleich ni.il diesem in der Weltliteratur fast einzig da stehenden, Rieiendcnknial nieiih'chlichen Giistes würhe dil Eigenart! des Talmuds nicht erschöpfen."!(Karpelcs, Jü cralurgeschichte I, 2. 25!).) (■ steht es nun n.it der Kenntnis! de d s h e u t c ‘ i » , D e itschland Wir müssei. eingeschränkt seststellcn, daß dieses: größte Riesen Geistes .der jGeneration iuin Neunzehn mit wenigen Ausnahmen,, von deney nöck, s:inwird — ei n B u ch mit s ije b e > li gen orden ist. Da bildete we^er die akademisch : ine für den Kausmannsstaud herangehildct: wesentliche Ausnahmen.' Nicht nur dajl n-ls Llnellje des Neligionsgcsetzes und de' Erbaitung kaum Beachtung in wj:iterei fand, sondern es fehlte auch den meisten gan > das Bedürstiis und dit Befähigung, den Taliyü!, Ile det Erkenntnis historisch-jüdischen Le nd Denkens zu benutzen, "es fehlte .die Kennt ehlte dje Neigung ustd meist auch die' Gelegen Studium..— Gleichzeitig aber könnte man. erw lit znm stdere (Erscheinung beobachten: der Vorzug der jüdi scheu Intelligenz vor der nichtjüdischen bei unsere» Engend war fast zur Sage geworden.' Eine besonder!?Begabundes jüdischen Schülers wurde, kaum mehr kon skaliert. Hervorragende Schulmänner, jüdische und nicht jüdische, isind sich darüber einig, daß.der Nimbus de! jüdischen Schülers als geistiger Schnelläufer.längst der .Vergangenheit angehürt. - I- > Wie!»eriun ist es eine Tatsache, und alle Kenner-der einschläg gen Verhältnisse bestätigenes, daß im Lstcn, in Rußland, Polen, Ungarn dieses natürliche Uebergewicht der jüdischen -Intelligenz in weitesten Kreisen der Jugend noch vc rhanden ist. Woran liegt es, daß j» Deutsch-! land die sortschreitände Zivilisation und Assimilätion der Juden auch ein ^urückgchen der jüdischen Intelligenz hei der Jugend bewirkt hat? Kein Zweifels das; die' Per . nachlässigung und Einstellung des T a l n»u d st u d i u m s! mit seinen verstandschärf^nden Wirkungen mit als eine der H at:p tur sach en dieser Bersallser.scheinung des jü-; dischcn 'ziilcllcktS anzusprschen ist. Bei ainscrn Väter»: war es selbstverständliche Pflichch sich mit talmudischen I*1 Gedanke«igängen zu chefassen, sei es in der Forin des Talmudselbst, sei es init Mischna oder! Midrasch, im Jugend- oder Mannesalter, sei es täglich oder nur'an Nuhctagin. Keiner galt als verächtlicher! als der Am hooretz, der Ignorant in talmudischen Dingen. In; 1

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