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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1926-02-10 · 2 (10.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
2 (1926)
Issue
2 (10.2.1926)
Date
1926-02-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite,2 Gemeindeblatt der Deutsch-Araelitischest Gemeinde.' Nummer '2 isliluls, der Leposileniassst milder Stiftungen der Genieinde, m ihrey itt>maiij|ioncn für das Armen- und Wohlsahrlswejell, Venen er gerade in längster Zeit eine den Fortschritten der sozialen Arocil und Len heungen, Anschauungen eyl,prechcnde Gepanüng gegeben hat, und nicht zuletzt im Zentrum der Gemeindeverwaltung, als Mitglied und später als Vorsitzender des'Vorstandes — was wäre, jo wiederholen wir, Damit gewonnen? — Tamil wäre nicht die beispielgebende Personlichleit geschildert, nicht der arbeitsfreudige Mann, mit seinem Jnlerxsse für das Ganze und feine Teile, mit feiner Äufmerkjamteit für!das Große wie das'kleine, mit 'feinem Eifer für euren jeden Gegenstand, für den fein Jntereße in Anspruch genommen wurde, mit feinem mit den Jahrßn immer nur zui^ehsnendenf Fleiße und feinem steten Bemühen, sich in e:ne jede Materie selbst einzuarbeilen, mit der Keudigten, mit welcher er zwjeder Stunde jic^;in deir Dienst Ihines Annes stellt. - I Solche Eigeuschaflen verdjencii umso mehr Anerkennulig, eil die Arbeit für eine gchße Gemeinfchafti ein gewisies Maß persönlicher Aufopferung verlangt. Der MaNn der jijfenjchafi, der die Ergebuisse ferner Forschung niederjreibl, der Künstler, der dem loten Gestein "die Züge »des Antlitzes verhehl, bas er in feinem Geiste erschaut, der Dichter, welcher rn Worten oder in, Tönen saßt, was in seiner Seele erklingt, sie alle schaffen ein.Werk, das den Stempel ibrer Persönlichkeit trägt, ihre Schöpfung bleibt ünd ihrem Namen Dauer verltiihl. Hingegen' tritt der Werl des eiizzelnen in der Venvstlruiig eines Gemeiniveseus, fein Einfluß auf die Entscheidung, auch in bedeutsamen Fragen, nicht jo s<hr in die Erscheinung, sein Wirken wird nicht erkpimt, nur das Leben der Gemeinschaft verrät, daß wirkende Kräfte sich um sie bemühen. .; Darin aber liegt auch wieder dasjenige, was mit Äer iii dem Zwange zum persönlichen^ Verzicht liegenden..Tragik Msjöhnt, denn es gibt leine, bessere Art des Einsetzens der persönlichen -ilraft und des pcrföulichen Wertes als in der Hingabe an die Gesamtheit. Sie muß und sie soll leben, sie Muß uitd-fie soll sich enrwicteln und, die alten Ziele hinter sich l-ssend, zu neuen eniporstrcben. An solcher Aufgabe mirzuajrbeilen, auch das in des Schweißes der Edlen wert. ZeUgemätze Predigt. V'pn Rabb. Tr. Lubafch, Hamburg. Bom Standpunkte des Religionsgejeßes aus betrachtet, ist die Predigt kein eigentlicher Bestandteil, unseres Gottesdienstes. Die Erfüllung des religiösen Gebotes ist. völlig unabhängig vom frei gesprochenen Worte in unseren Gotteshäusern. -Trotzdem aber hat die Ennvicllung unseres Gottesdienstes dazu geführt, die Predigt als einen inlegrierinben Bcstandtetl unseres religiösen Lebens auzHfehen; gleichviel welcher religiösen Einstellung wir huldigen, überall wird mir denelben Stärke die Bedeutung des lebendigen Wortes im Nahmen unseres Gottesdienstes anerkannt., Damit lehnt sich modernes Judentum durchaus an die Tradn tion an. GÄaii har sich niemals begnügt, die altüberlieferten. Gebete, zu sprechen oder den Gottesdienst musikalisch äusz'ugestaite», man wollte stets das freie Wort als notwendige. Ergänzung zym sanktionierten Texte des Gebetes. Wenn .man will, kann man sogar die Reden unserer Propjh e l e ii als erste Anfänge einer Predigt im Judentum auphel sprach über die Thora, auch er. wollte das Volk belehren und erbauen, nur-jpracher nicht regelmäßig, nickst zu Zeiten des Gottesdienstes, sondern, wenn ihn die göttliche Einscheu, gewiß,.nicht einer Predigt in unserem Sinne. Immerhin war e^ aber Euch hier das freie A)ort, das in lebendigen^. im .uti wciiiviuuu h"ui, h>u uuiuj Gegensatz zum traditionellen Kulms trat. Auch der Pr^/ den Prediger zur begrifflichen Klarheit erhoben werden, nicht ^öt ihr.>i4i irfior S*« V (tnvrt n\xA\ mnffM K/*ä Hut* Sk!« CCImuXi V.a C. i: a 1 V gebung erfüllte, weil« heilige Begeisterung ihn durchdrang, ward, ihm Gedanke züm Worte. Zn späterer Zeit wurde die Verlesung der Th.ora ^ur regelmäßigen Institution unseres Gottesdienstes, und mit ihr gingen regelmäßige Er k lä r.u irge n zur Sidra parallel. Als die Kenntnis der ' hebräischen Sprache immer weiter abnahm, übersetzte mau die Thora in! die damalige Landessprache, in das Aramaische. Das so ciltstflnüene „Tcngum" ist aber mehr als eine Ueberfetzung, es ist zugleich Umschreibung und Erklärung schwieriger SchriflParneis. 'Einen großen Aufschwung nahm die Predigt zu der Zeit, als Judentum und Griechentum miteinander in ^Berührung traten. -Nicht stur griechische In hakle, griechische Wissenschaft und Philosophie, drangen in das Judentum ein, sondern auch gnechifäse Formen. Tie kunstvolle Sprache der Griechen^ die bw -ins feinste ausgebildete Rhetorik beeiuflußte auf das entschiedenste die jüdische Predigt. So wissen wir, daß Ph i lo in griechischem Stiles öffentlich gepredigt hat. Zur ZeHt.der Mijchna und des Talmud nimmt die Predigt einen noch größere» Aufschwung;! der Miö'rajch ist ja wejler nichts als ei» gewaltiges Prediglwerk, das durchaus stu die Predigt der Gegenwart anktingt. Hier sinden wir Vergleiche, Allegorie»,, An.vendungeiiaus die damalige Zeit, heftige Auseinander-' setzuttgen mit religiösen oder politischen Feinden des Juden tums, Ermahnung ünd Erbauung, kurz altes, was auch für die Preüsigt unserer Tage charakteristisch ist. . Die Ber folguflgen^deß Judentums im Mittelaller hatten auch einen Rückgang st'jncr Geisteskuklur- Air Folge. Die gebeugte Seele des Juden verlor das Jnttresse für geistige Werte in ästhetischer Form. „Gemißhandelt hon räuberischen Edelleuten," — schreibt Zunz— „von fanatischen Mönchen und einem blutdürstigen Pöbel gehaßt, sahen die ungiüct lichcn: Juden «ihr. Heiligstes geschändet, die Synagogen niedergcrisscii, den Talmud verbrannt, die Ruhestätte ihrer Väter eistweiht, ihre Lieben zu Tode gemartert. ' Sie selber zogen, vesthähillen Bettlern gleich,.Lbdach juchend umher; da erstarrte der Gedanke, das Ehr ward taub für den Trost und die Hoffnung! ein stummer Blick mach oben." | Erst die steuere Zeit, die de,« Juden die Sprache wieder gab, ließ sein Juiercsse für äsiht'liiche Werte erstarken. Die neti Erstehende jüdische Wiyeiisctaf; lat das Ihrige, um den gebildeten Inden wieder für die Fragen jüdisck>er Vergangen hetz und Gegenwart zu intwesst'creil. . So entstand die mciderne Predigt. Anfangs' istär sie das Streitobjekt der Parteien, das^ Schrbbolcth zwischen „rechts" und „links" — man warf dein Liberalismus vor, daß er durch die Einführung der Predigt gegen die Tra iilion verstoße — honte aber ist fdie Predigt allgemein eingcf fhrt und wird, wie wir eingangs sagten, von allen Richtungen des Judentums i». g^scher Weise als wesentlicher Bestandteil unseres Gottesdienstes anerkannt und gepflast.! Was ist nun die Aufgabe der! Predigt? Was bedeutet sie für das Judentum der Gegenwart?. Jedes gesprochene Wort hat die Aufgabe-zu chitkeii. Der Vortrag wendet sich vorzugsweise au die Erkenntnis des Menschen, er will den Gesichtskreis erweitern, idas rem Wissensmäßige an den Menschen heranbringen; er ift mehr belehrender, theoretischer Natur. Tie Predigt, und insbesondere die jüdische Predigt, richtet ihr Augenmerk mehr auf den Willen. Sie will ltzicht nur gehört, verstanden und begriffen sein, sondern . siesoll in uns Gefühlsschviiigungen, ja Erlebnisse anslösen, die sich später zum Willen, zur Tat verdichten. Was dunkel, gleichsam im Unterbewußtst»! dbr Gemeinde lebt, soll durch. nur deswegen, damit die Einsicht des Hörers gewinnt und sein Verständnis sich schärft, sondern vor allem, daß sich spontan in ihm der Drang erhebt, sein Leben diesen Ideen

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