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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1925-09-10 · 5 (10.9.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
1 (1925)
Issue
5 (10.9.1925)
Date
1925-09-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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©öitc / f Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Nach der AufsasiungRes Judentums hebt ast'o die Buhe Nummer 5 bch Menschen völligüber sich .selbst hinaus ln eine .ganz atwere Sphäre. Während .i^je andere menschliche Kraft. Tnlwirkungen zeitigt, wirft dieses tiesste Sccletckrask über jede meßbare Grenze hinaus. Erft dann in öt*r Sinn wahrm: Bußeerfüllt, wcun sie „bis zu Gott" geführt hat. >. Für eftie Gegenwart, die in den mannigfachen Berstrii^un.qen sitnd Konflikten der verschiedenen Interessen nur die j Teillösung des Ausgleichs kennt,'gewinnt, diese Bedeutung d'r Teichnwah einen ganz besonderen, tröstlichen un-d zugleich verpflichtenden <htt. Unfreiheit ist das Kenn-' zeiaen der materiellen Welt,-aber Freiheit ist in der Welt Eder/religio en Idee, vier gibt e? keine Schranken und teilte). Grtmzen. Wen ^ie Sehnsucht nach Te'chnwah ergreift, dein!fül)rt sie his zur reinsten Höhe» bis zur »»endlichen Berklänuig ot^'r, in der Sprache de? T.tlmndsansgedrückt. bis ^zuni Thrchte der (^ottesherrlick keits Wenn es überhaupt 'ein Gebiet'gibt, wo der Mensch sic Halbheit der Welt über- .winden kaftn, um ganz zu sein >das Geb.ier.der Teichnwah. i Darauf.aber ergibt sich zugleichs dstBerpflichning, deni iNeligiöscn! den Weg ins Une» stiche sreizuhakten. Es ist ^falsch, in Ket Llusübung der Rel gion die Maßstäbe des Alltags anzitltegen- Nicht nur alles Scheinbare, sondern auch lalles. Halbe verliert'hier seine» l Sinn. Und es hat keineit in ^er Hingebung-, so ist es von Ran'ch haschönoh mt$ n, wie es die meisten Menals mitsühlelrde, aber nur te ganz falsch verstandene cntsh ein Nest von Selbstzweck, dem. grandiosen Erlebnis -Jan»! kipchir io gegenüberzittiet ichen zu t^n pflegen: gleich'am halb beteisigle Znschcuter. Er schamhafte Iiirnckhaltiiilg, wohl gefühl und Selbstbewahrung aus der Sphäre des Daseinskampfes, Ändert itielc Mrnschenl an der religiösen .Hingabe,' 'ie daß fte B. d^ts Wort „Buße" als peinlich empfinden. >Man redet von seelischer Erhebung und weihevoller Andacht, chber nur stngern hion Sühne der Schuld und demütigem Flehen vvb lstott. Aber man solltc daran denken, daß es iW Gott so etwaes wie vornehme 'sttrückl>altttng nicht gibt, und daß die Gesichtspunkte, die in Berkehr mit ftinsercn Mitmenschen maßgebend iein ntögen hier völlig wegfallen. In unendliche .Westen, weisen uns ne „erhabenen Tage"/!T-aS'gapze Her«; des Menschen trwrüern sieb' Und erst 'darin halEsich die. gtoße Krasser Te chuwah bewährt, wenn sie uns ',-7 bi* zum EwiFen, zr rückgeführt hat. Warum feiern wir das Neujahrsfest im Kerbst? i?on N. M. N a t h a n. '. Tieie Trage I.gen mir uns nust io selten vor, weil die Gewohnheit von Kindheit au uns kaum' schm Bewußtsein kommen läßt, wie berechtigt sie an stnd für sich ist. Denn natürlich ist es ke neswegs, das' Neujahrsfest, den Beginn, des Jahres,'im Herbste zu feiern, wenn in der Natur das große Sterben ln'chnitt, wenn-, „die Blätter fallen und die. Erde sich'zu m Witterschlaf anschickt" Natürlich wäre es, als JahreÄteginn >ie Jahreszeit atzustheit, in welcher die Erde aus ihrem L interschlaf erwachs und der Frühling disganze. belebte Natt r mit neuem Leiten und neuer Lebensfreude erfüllt. 'i ■■ . : Dieser Anschauung hat auch einst der Kalender entsprochen, den wir igleich unfern.christlichen Mitbürgern im bürgerlichen» Jahrs anwenden. Wir beginnen 'zwar seit rund 2000 Jahrenjdas Jahr mit dem Mona) Januar; aber diese Zählung ist erst das Ergebnis einer Kalenderreform, aus die in diesem Zusammenhänge nicht näher eingegangen werden kann. Ursprünglich ist der Frühlingsm0nat März der erste M^tat gewesen. Das ergwt sich daraus, daß die Monate September, Oktober, November und Dezember ihre Namen nur dem Umstande verdanken, daß sie iii der Reihenfolge der Monate an siebenter, achter, neunter und zehnter Stelle staiiden. Auch die ehemaligen Namen der Monate Juli ttitb August bezeugen das gleiche: denn sie trugen vor der KaleNdcrrefonn des C. Julius Caesar, und vor der Regierung des ersten römischen Kaisers August ns die Namen Ouinctilis tufb Sextilis, müssen also in der Reihenfolge der Monate deit fünften und sechsten PlatJeingenoytmen hcrkn'n. Es liegt lut» nahe zu vermuten, >daß auch die Bibel und mit ihr die ältesten Zeiten des jüdischen Bolkes den Frühling, den von der Natur gegebenen Jahresanfang, auch als solchen gefeiert haben. Daß dem so war, dafür lasten sich attch eine Reihe von Beweisen ansühren. Unmöglich freilich ist es, die Monatsnamen der ältesten biblischen Zeit als lückenloses Zeugnis hierfür heranzuzieheii. Wir kennen zwar den chaudet'ch hoomtw, den Aehrenmonat — den chcmdeich fiw, den Plütcnmonat -- den jerach ho^stonim — den Monat der immerfließenden Ströme -—'den jerach [ml, dessen Name uns unverständlich ist und ston dem wir nur wissen^ daß er der achte Monat war. Tie übrigen altbibli ichen Monatsname» aber sind uns nicht erhalten, und was wichtiger ist, wir kennen ihre Reihenfolge nicht. Aber wir haben dennoch einige Anhaltspunkte dafür, daß unsere Vorfahren den Frühling als den- Jahresanfang betrachtet Raben. . Tn ist zunächst jenes denkwürdige Gebot, welches "wie Zählung der Kalendermonate in Beziehung setzt zu dem wichtigsten Ercigniste in Israels - Geschichte, seiner Bylkwei'dnng durch die Befreinng ans Aegypten. „Und Gott sprach z» Mose und Aaron im Lande Aegypten: dieser Monat (des Auszuges)! fei euch der Anfang der Monate; der erste )ei er euch unter den Monuten des Jahres." (2.-Buch. Mose, Kap. 12, 1—2.) Und dieser Einsetzung des Besreinngsmonates zum ersten nntcr bejt Monde» des Jahres folgt nun auch die pentatenchisch. Gesetzgebung: im ersten- Monat ist das Pcßachfesi — im siebten Monat, am ersten des Monats der Tug des Post uncnhalls — im gleichen Monat am zehnten Tage der ^aum hakippurim — und ebenfalls int siebten Monat, am sünfzchnten Tage. das 'Lausthüttenstst. (vgl. 3. Buch Möse, Kap. 23 und 4. Buch Most, Kap. 2^ und 20).. Aus diesen Bestimmungen gestio jedenfalls soviel mit aller Deutlichkeit hervor, daß nach der mosaischen Gesetzgebung der Jahresbeginn in den Frühling fallt. Hiermit stimmt auch die Reihenfolge der Monatsnamen überein, die als die „jüdischen Monatsnamen" uns allen geläufig sind: Nissan, Jjar, Siwan, Tamus, Aw, Ellnl, Tüchri, Bkarcheschtvan, Kislew, Tewes, Sch'wat, Adar. 'Nun sind allerdings diese Monatsnamen nicht jüdisch: sie sind asiyrisch-babylonischen Ursprungs^ sic tvnrden von den inr babylonischen Exil lebenden Juden, die sich naturgemäß wie jit Sprache, Sitte und Brauch so auch in den.Gepflogenheiten des bürgerlichen und vor allem des Rcchtslebens ihrer Umgebung anpasten mußten, übernommen — int Talmud ist die Erinycning hieran noch deutlich erhalten —, zu ungunsten der altisraelitischcn Monatsnamen, welche -— bis. auf die zufällig vom ksiblischen Schrifttum geretteten — in Vergessenheit gerietest. Bemerkenswert an der hier genannten, bei uns Juden üblichen Reihenfolge dieser Monatsnamen ist nun ein Doppeltes: zu nächst . ist diese Reihenfolge die ursprüngliche, von den Inden iw babylonischen Exil Vorgefundene —, .noch sind die Tafeln mit den Keilschriftzeichen erhalten, die uns die altbabylonischen Monatsnamen überliefert haben. Daraus geht hervor, daß auch sonst im semitischen Kulturkreis des Altertums der Frühling als der Jahresbeginn galt. Und

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