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Die Gegenwart · 1870-12-16 · 51 (16.12.1870) · p. Seite 445

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
51 (16.12.1870)
Date
1870-12-16
Page
Seite 445 (sequence 1)
Language
German
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VU> «WutiiHfar 5— HMMt, „ $M LraMliihri,,, I SO «tt D^pljendnn,: G«Mri, P..SM Hnltfthrig „ 2.75 -kertelfthrig „ 1.50 KwrS Ausland: ««Wheig 4Thlr. Halbjädrlg 2 Thlr. 2»ftratr werden bll* Ugft berechnet. #t. 51. Die Israelitische Wochenschrift für politische, sociale und religiöse Inrereffen. Erscheint an jedem Freitag. Rednkti», ,. Ad»i »•W» «ft > Sdtlulniti |« richte, find. Znschrfften »erde, franco erbeten. M,. »nskripte werde» bei Nichttzerwendn»! «nf verlangen jedoch unsranlirt znrßcker. Hattet, Prag 16. Dezember 187V. ///. Jahrgang. Spanirn hat seinen König. Saum sind zwei Jahre-chttflossen, seitdem in Spanien die Königin Jsabella ihre« Thrones entsetzt, flüchten mußte von Ort zu Ort und an dm Pforten der Tnillerien klopfte, um von der gleichgesinnten Eugenie empfangen zu werden, die nun das Schicksal ihres GcmahlS theilt, und wieder sehen wir auf der iberischen Halbinsel daS Kartenhaus der Republik über den Haufen gefallen, daS Volk nicht mächtig genug, sieb der DeSpvtenfeflrl zu entringen und hören wir rufen ein Königreich für einen König. Darin aber zeigt sich der verderbte Geist der spanischen Nation, die Fäulnis, die die Wurzel derselben so angefressen hat. daß ihr Organismus nicht selbftthätig eingreifm kann und nur einer äußern Einwirkung bedarf, die mit Verblendung und Purpur daS Volk noch besinnungsloser machen soll. Spanien, seiner ^»reichen Geschichte nach, verdient auch in der That nicht, über das kostbarste Kleinod, die Freiheit, selbst zu wachen, diese zu pflanzen und zu verbreiten, einer solchen Mision kann unmöglich ein Bolkwürdig sein, daS Jahrhunderte hindurch die Menschenrechte verletzte und mit blutigen Greuelthaten die Blätter der Geschichte befleckte. Einem Geitzigen gleich, der ringsum von goldenen Schätzen umgeben ist und nicht die Kraft besitzt, nach ihnen zu greifen, —— i lim n ' >«'»uv Feuilleton. Der Gang ins IrrenhauS oder die Conferenz in Cleveland. Ei» charakterlose« Bild i» vier Aufzügen. Personen: Doktor Mise, rin Musikant. Doktor Lilienthal, ein protestantischer Zude. Abraham Hübsch. Honvedkapl.m, T. Sonnenschein, «in Kunstreiter. Mayer, rin Zigeuner. Tuska «in Eremit. Kalisch, rin Arzt. Kierberg« Geist. Ein böser Geist. Mehrere Rabbinerchen. Ort der Handlung: Elevrland in Amerika. I. Auszug. 1. Scene, (Ein Stvdirzimmer). ' Dr. L i l i r n t h a l (allein). Wie wag' ich - nur, die Tradition vernichten So ich nicht selbst mich selber wollte richten? Doch nein, ich glaub' r» wahrlich nicht Reform bringe in dir Religion da- Licht. vielmehr von seinem «igenen Ich verurthcilt ist, hinzusiechen und von seinem Leibe zu zehren, flieht Spanien die goldenen Früchte der Freiheit, nach denen zu greifen, ihm aber der Muth und daS Selbstbewußtsrin fehlen. Und darum rief e» über kurz und lang nach einem Könige, um diesem eine Republik von freier Hand zu verkaufen. Er hat sich gefunden der König; le roi est wort, vivo lc roi. Die CortrS übertrugen Aaosta, dem Sohne Victor, Emanuel», König» von Italien, die Krone. Sind die freiheitlichen Ideen des Vater» auf den Sohn überkommen, dann wäre der Wurf gelungen und Spanien hätte alle Ursache sich seines, durch de» Volke» Willen eingesetzten König» zu freuen. Die freiheitlichen Institutionen, die mit dem großen Einigungswerke Italien» in diesem geschaffen wurden, die ".rligiöse Toleranz der Negierung, mit der jeder Unterschied der Confeffionen aufgehoben und in Rom die Schranke des mittelalterlichen Ghettos fallen gelassen wurde, mögen zum Borbilde dienen dem königlichen Sohne, auf dessen Haupt jene Krone erglänzen soll, die von einer Jsabella geradezu entweiht worden war. In der Wahl seiner Getreuesten jedoch Vorsicht zu gebrauchen, dürfte der spanische König au» der Geschichte ge« lernt haben. Noch immer gibt e» Charaktere wie Torquemada, der grausame Dominicaner, welcher die Königin Jsabella vor ihrer Thronbesteigung schwören ließ, so bald sie zur Re- > ——»—— Allein wie fällt’ ich sonst zu einem Raine», Streute ich nicht der Zwietracht Caamcnl Und dcßhalb eben brauch' ich Erdensohn Nicht Wahrheit, nur — Reformation. D'rmn such ich Jesuiten meine® Gleichen Mit diesen schlechte Zwecke zu erreichen. (Er horcht). Mir deucht, ich höre vor dem Thorr Schaurige Melodien der Gcmore, Gleich mvcht ich. anstatt länger leben. Mich auf der Stell dem Satan übergeben. Wer ist»? > 2 Scene. Wisc und Banger. W i s e. Ich bin ich. L i l i e n t h a l. Ihr seid ein Philosoph? W i s c. Ich bin ein Musikant L i l i c tt t h a l. Ihr seid doch mol kein Jude? Mise. Euer Glaube ist auch der mcinigc. Lilienthal. Dann glaubt ihr wol nicht viel — W i s e. Eö scheint denn so. L i l i r n t h a l. Wa» trägt Ihr in der Rechten 7 W i s e, Eine Bioline, sic ist da» beste Instnimcnt zum Streichen. L i l i c n t h a l. Herr, Euch kann ich brauchen, Ihr dürft nicht weichen. W i s e. Wir sind zu Streichen nur geschaffen L i l i c » t h a l. ES geht nicht» über einen Pfaffen.

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