Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 50 (9.12.1870)
- Date
- 1870-12-09
- Page
- Seite 443 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Inneren Stadt eine Orgel auf eigene Kosten Herstellen zu Waffen. In den größeren Stillten Europa» bestehen in den jüdischen Gotteshäusern Orgeln schon seit langer Zeit. Lemberg. WieGraf Neust Abgeordneter wurde, oder: der „tfj a u 8 i u b" de» Minister« Präsidenten erzählt ver Wanderer wie folgt: Da Se. Exzellenz der Ministerpräsident Gras Potocki den M nister bald auSziehen dsirfte, würden wir un» einer argen Unter« laffung schuldig machen, wollten wir der Oeffentlichkeit die Geschichte von dem „HauSjuden" de» Ministers vorenthal« ten, welcher als Faiseur in die Aktion deS letzten Ausgleichs« sommers zwischen Lemberg und Wien wacker miteingegrifsen. David Fachs ist der Name deS langjährigen „HauSjuden" deS Ministerpräsidenten Potocki, dessen glorreiche Ahn- Herren schon von den Vätern deS „Juden" bedient und be« rathen worden sind. David Fuchs, eine Art Erbstück im G - schlechte der Potocki, ist rin polnischer Jude mit langem Kaftan, langen Locken, rasirtem Kopfe und einem ellenlangen Barte, den noch niemals ein profanes Scheermesser berührt hat. Graf Potocki, der gegen „langberockte" polnische Juden mitunter eine nicht gewöhnliche Menschenfreundlichkeit an den Tag zu legen sucht, wollte im verflossenen Sommer zur Zeit der allgemeinen Wahlen dem Grafen Neust zu einem polnischen Mandate um jeden Preis verhelfen. Das gewiegte Auge des Ministers fiel dabei auf die Handelskammer der Polenstadt Brody. Es galt da vor Allem „handelnI" Welchen klügeren Mann hätte der Ministerpräsident, nachdem sein Gehilfe Baron Petrino einmal nach Prag gebunden war, zum „Handeln" und Unterhandeln erwählen können, — als den Brzezaner „Hausjuden?" Se. Exceilenz der Kouseilspräsident schrieb einen eigenhändigen Brief an David Fuchs, worin er den „HanSjuden" beauftragte, sofort seine Siebensachen zu packen, nach Brody zu gehen und das unschlüssige versiegelte Schreiben des Ministerpräsidenten an die Adresse des dortigen Handelskammerältesten abzngeben. Graf Potocki erklärte in diesem Schreibebriefe, wie sehr er ans das Wohl des Reiches großen Werth lege und imHin« blicke darauf den Grafen Brust zum Abgeordneten gewählt sehen wolle. AlS David Fuchs zufolge „Befehls" Sr. Excellenz des GrafenMinisterpräsidenten in Brody augekommen und dort den Brief übergeben — „da waren die Herren ganz Respekt, hätten fast nie da« Haupt bedeckt." Und als eS TagS darauf zur Wahl kam, riefen die Vertreter der Handelskammer von Brody den Grafen Brust einstimmig zu ihrem Deputirten ans! („Jüd. Pr.") — Der Lem« berger Magistrat hat 2000 fl. zu einem DarlehenSfonde für jüdische Handwerker bestimmt, woraus Darlehen von 25 bis 300 fl., rückzahlbar in 50 Wochenrathen und gegen 0 Percent, verabfolgt werden. > Ausland. Nom. lieber die Freilassung deS seiner Zeit gewaltsam getauften und seinen Eltern entrissenen Joseph (Stanislaus) Even liegt jetzt ein ausführlicher Bericht im „Ednc Israel." nach der „Opinione" vor. Wie wir vermuthct hatten, steht in demselben nichts von den Sensalions Schilderungen, welche andere Blätter gegeben hatten. Auf Anrufen der Mutter war alsbald Befehl gegeben worden, den Knaben ans seinem Kloster zu entlassen, es bedurfte jedoch energischer Maßregeln seitens de« Ritter« Lipari, um dies zu bewerkstelligen, da die Klerisei ihre Beute nicht fahren zu lassen gedachte. Man wollte den Knaben verkleidet aus Rom bringen, um ihn in einem in Süditalien gelegenen Kloster verschwinden zu lassen. , Es wurde jedoch rechtzeitig verhindert, und der Knabe ist mit seiner Mutter nach Livorno gegangen. Er ist bei den ersten Unterredungen mit ihr verstockt geblieben: „hoffen wir" — sagt die „Opinione" (kein jüdische» Blatt) — «daß da» Beispiel der Brüder, da» thätige Leben und die freie Lnst ihn au» einem Automaten wieder in einen Mensche« verwandeln wird." Ueber den Leidensgefährten oder Vorgänger Eoön», Edgchr Mortara. bringt der „Daily Telegraph" eine längere Eorrespondenz. Aach diesem Jüngling (PiuS nach dem Papste genannt) ist auf Regierungsbefehl -freier Verkehr gestattet worden und er hat mit seinem Vater einige Besprechungen gehabt, die ihn als durchzedildeten Zögling der Jesuiten erkennen lassen, was bei der langen Zeit, die er seit früher Kindheit unter ihren Händen verlebt hat, gar nicht anders erwartet werden konnte. Er sprach mit dem Vater ganz freundlich, lud ihn ein. mit ihm im Koster zu speisen, was abgclehnt wurde, antwortete aber auf deS BaterS Einladung, mit ihm und zur väterlichen Religion zurückzukehren, ausweichend. Da der Vater obrigkeitliche Hilfe nicht anrufen wollte, w kehrte er vorläufig nach Hause zurück. Wenige Tage nachher erhielt er von seinem Sohne einen Brief au» — Brüssel. >v lcher besagte, daß Edgar PinS sich in Rom nicht mehr sicher gefühlt habe und daher mit seiner hohen Beschützer Genehmigung nach Belgien entflohen sei. W:r setzen statt weiterer Bemerkungen den Schluß des Artikelin „Daily Tel." hierher: „Bei feierlicher Gelegenheit ertheilte Pius dem jungen Mortara seinen Segen und sprach dabei: „Figüo mio, quanto mi costa!* <O mein Sohn, wie thener kommst Du mir zu stehen!) PinS lX. hat damit da» Factum anerkannt, daß die Entführung deS jungen Mortara, welche Europa in Entrüstung versetzt hat (und wobei daS berüh. uns verhängnißvoll gewordene Non possumus gefprochg» wurde), eine der Stützen seines weltlichen Throne» erfc^x tert hat." Surinam Es dürste kaum in weiteren Kreisen bekannt sein, daß es in Snrlnam in Südamerika eine sogenannte Jndensprachr gibt, über welche uns der Herrnhuter Missionär Ä illschlägel in der Einleirun z zu seinem N.g renglt» schen Wsr.erbuche (Lö'oau l6'>7) folgende Mittheilung macht: „Die ersten Ansiedler Snrinam'S waren theils Elgländer, theils portugiesisch redende, anS Brasilien und Eaycnne eingewanderte Inden. Beide rescten zu ihren zahlreichen Ne- I gersclaven in der eigenen Sprache, die aber von den Negern! nur unvollkommen aufgefaßt und gesprochen wurde. So ' bildeten sich unter den Negern der Kolonie von Anfang an i zwei neue, unter sich verschiedene Sprachen aus, die Negerenglische und die Negerporlugiesische, die jedoch, wie scharf sie ursprünglich geschieden sein mochten, mit der Zeit sich 1 gegenseitig ergänzten und manche Worte und Wendungen mit einander gemein hatten. Letztere Sprach.', ursprünglich ein verdorbenes Portugiesisch, wurde auf den zahlreichen, jüdischen Eignern zugehörigen Plantagen gesprochen, und ist nun mit dem Wohlstände derer, die sie einsührten. au» der Kolonie fast verschwunden. Sie wird nur noch von einem Stamme der freien Buschnegcr gcsproch''n, dem der sogenannten Samarakkancr an der oberen Suriname, welche meist von den genannten Plantagen abstammen und beim Friedensschlüsse 170.) die Wälder an der oberen Samaratka, tief im Innern bewohnten, jetzt aber ihre Wohnsitze an der oberen Suriname haben." Die Sprache selbst wird Djootongo d. l. Jew-tonguc genannt. (Debo rah.) i Klmst, Theater und Literatur — Leopold Feldmann's Posse „Grand Hotel", ka» Mittwoch im Theater a. d. Wien zur ersten Aufführung. — „Marina" ist Sonntag mit durchgreifenden Erfvltzr in Wien zum zweiten Male aufgeführt worden. Der Ber» lasser, Herr M o s e n t h a l. wurde nach jedem Akte stürmisch gerufen. ---- Se. Majestät der Kaiser hat die von der kaiserL*