Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 49 (2.12.1870)
- Date
- 1870-12-02
- Page
- Seite 433 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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geschehe, wie dem Ehristenthum^ mit jihnen gedient sein dürfte. D. Red.) Der Bau deneuen prachtvollen Tempelln Esse- Ungarn) ist bereitbeendigt, und jetzt wird nur an der in - nern Ausschmückung gearbeitet. In der Rächt auf den 28. ist Jemand im Tempel eingedrungen, hat die noch nicht beendigte Malereien mit Verschiedenem bespritzt und die Wänd e verschmiert, hat Farben. Verzierungen mit einem Eisen zerstört und zuletzt alle Farbentöpfe vom Gerüste heruntergestürzt. Der Thäter ist unbekannt. Ausland. Die „Dresdner Nachrichten" schreiben: Die Religion hat auf die KriegStüchtigkeit der Menschen keinen Einstuß und daS Vorurtheil, welches man in dieser Beziehung früher gegen die Israeliten hegte, haben die deutschen Juden bereitin den Freiheitskriegen 1813—1815 gründlich widerlegt, wie sie auch in dem jetzigen Feldzuge andern nicht nachstehen; so hat in unserm sächsischen ArmeecorpS der Unteroffizier Herrmann Lichtenstein vom Infanterie-Regiment Nr. 106 nicht nur die silberne TapferkeitS-Medaille erhalten, sondern ist auch mit dem eisernen Kreuze decorirt worden. Berlin. (Auszeichnung) Durch Verleihung, deeisernen Kreuzes sind weiter nachbenannten Israeliten zu Theil geworden : Dem Med. Dr. Zülzer, Privatdozenten an der Berliner Universität. Gust. Bial auS Schweidnitz, vor dem Kriege in Offenbach, diente in der großherz. Hess. Division, schreibt aus Gorze 16. Oktober, an .einen Freund: „Meine gestrige Karte hoffe in Deinem Besitz und wirst du daraus ersehen haben, daß ich durch Gottes Hilfe eine der größten militärischen Ehren erhalten habe, das „Eiserne Kreuz II. Klasse." Es ist dieß für mich, wie Du Dir leicht denken kannst, eine Auszeichnung die unschätzbar ist; um so mehr, da sie bei der Vertheilung durch den Brigade-Eommandeur mir für „persönliche Tapferkeit und Umsicht in schwierigen Lagen" ertheilt wurde, was bei den Andern nicht der Fall war. Die Uebcrreichung geschah in feierlicher Weise durch den Brigade-Eommandeur mit Stab und den Regiments- Offizieren. Nachmittags gratulirten natürlich die^Kameraden der Compagnie, auch sämmtliche Offiziere. Soeben, d. h. vor einer Stunde, war Vorstellung beim Prinzen Ludwig. Er war sehr freundlich, erkundigte sich nach Namen, Geburtsort sc, und gab Jedem von uns die Hand." — Der \ Dritte ist der Corpora! im 14. baierischen Infantcric-Regiment Raphael Fried aus Nürnberg. Derselbe ein Sohn des verstorbenen Lehrers Fried daselbst, erhielt die Auszeichnung wegen seiner hervorragenden Leistungen in der Schlacht bei Sedan. — Ehrend gedenken wir auch des Gefreiten Karfunkclstein aus Beuthcn OS., der am 30. October bei Le- Bourget den Heldentod fand, als er an des gefallenen Fahnenträgers Stelle freiwillig getreten war. K. hatte schon vor Metz das eiserne Kreuz erhalten. (I. P.) — (Opposition fhcflcn Dr. Geiger.) Dr. Geiger wollte dem verstorbenen Fabriksbesitzer Lehmann so eben die Leichenrede beginnen, als die Söhne des Verstorbenen ihn ersuchten, dieselbe zu unterlaffcu, da ihr seeliger Vater wegen der Wahl Geigers zum Rabbiner von Berlin aus dem Vorstände ausgetreten sei, die Leichenrede unterblieb wirklich, unter Verstimmung ging die aufgeregte Menge auseinander. (Lcmb. Jsr.) — Am 16. vorigen Monats feierte hier Herr Dr. F. L e b r e ch t seinen 70. Geburtstag. Der gelehrte Orientalist, in Bayern geboren, studirtc unter GeseniuS in Halle und zwar 1849 Lehrer am hiesigen Seminar unter Leitung deS Dr. Zunz. Im Jahre 1856 wurde die alte Beitel-Heine« Ephraimsche Stiftung (Beth hämidrasch) durch die Bemühungen des verstorbenen Dr. I. Rubo reorganisirt und in «ine wissenschaftliche Lehranstalt für Talmud, jüdische Literatur und die damit verknüpfte semitische Philologie fürStndirende an der Universität ohne Unterschied de- Glaube«-, unter Fernhaltung jeder exclusiven dogmatischen Richtung, umgewandelt, und Lebrecht al- Hauptlehrer angestellt. Sein erster Bericht nebst wissenschaftlichen Abhandlungen von ihm und seinen College« Dr. Haarbrückcr und Steinschneider erschien 1862. — LebrcchtS Artikel in der großen Encyclo« pädie von Ersch und Gruber, seine Abhandlungen und Kritiken n. a. in den Berliner Jahrbüchern, in Lehmann- Magazin und in den ersten Zeitungen der Hauptstadt (auch der Vossischcn) mit der Chiffre F. L. unterzeichnet, sowie die begonnene erste Ausgabe des TalmudtcxteS, haben seit 30 Jahren Lebrecht'S Namen in weite Kreise getragen, seine Bemühungen für die Stellung der Lehrer in der jüdischen Gemeinde ihm Anerkennung im Kreise seiner Collcgen erworben; sein freies offenes Eintreten für Gewissensfreiheit ihm Freunde — und Feinde zngezogcn; körperliche Leiden seiner Persönlichkeit eine schüchterne Bescheidenheit und den Hang nach stiller Zurückgezogenheit ausgeprägt. Letztere- und die allgemeinen Zeitvcrhältnisse waren bestimmend für die einfache Jubelfeier, zu der sich Lehrer und Schüler der Anstalt (zum Theil aus Ungarn, Rußland, Hamburg, New» Aork u. s. w.), Dirigenten uud Lehrer der jüdischen Gemeindeschulen und andere Freunde des Gefeierten versammelt hatten. (B. Z.) C r e m i e u x ist am 16. v. von der Frcimaucrerloge in Toursmit dem üblichen Ceremoniel als Großmeister de« Obersten Rathes ausgenommen werden. Personen, welche dieser Toge per Luftballon aupari» gekommen, erzählen, daß die Baronin James Rothschild (die Frau des vor einigen Monaten verstorbenen Pariser Rothschild, deS letzten Sohnes des Gründers des Bankhauses) am 30. Oktober von einer Bande Herumstreichcr an den Pariser Barrieren beinahe umgcbracht worden wäre. Dieselbe war am genannten Tage nach Boulogne (cs liegt am Rande des Boulogner Wäldchens) gefahren, wo sie ein Schloß besitzt, um der in diesem von ihr errichteten Ambulanz einen Besuch ^abzustattcn. Als sic wieder nach Pari« zurückkchren wollte, wurde sic von einer wüthcndcn, ungefähr 40 Kerle starken Bande umringt, die Todeüdrohungen gegen sie auösticß. Frau v. Rothschild faßte sich aber schnell, trat den Wüthenden muthig entgegen und hielt eine so beredte Ansprache an sie, daß diese sie wegen ihres Auftretens um Verzeihung baten, ihr eine Ovation darbrachten und bis nach Paris zurückbeglcitctcn, damit ihr kein weiterer Unfall znstoßc. Frau v. Rothschild (sic ist eine Tochter de- Wiener Rothschild, war die Richte ihres Mannes und ist ungefähr 55 Jahre alt) ist eine sehr mildthätigc Frau. Ein Florentiner Blatt erzählt eine pikante Geschichte^ deren Anthenticität ihm verbürgt wird. Dieser Tage kam ein Mann in anständiger, wenn auch nicht besonders gewählter Kleidung, welchen man höchstens für einen bescheidenen Hausbesitzer hätte halten mögen, ins italienische Fiuanzministerinin, wendete sich an einen Beamten der Kaffadircktion und sagte: „Entschuldigen Sir. könnte man Schatzscheine haben?" — „O, ja." — „Und für welche Summe gibt man? — „Für fünfhundert, für tausend FrcS.„ — „Könnte man ihrer, zum Beispiele, für zwei Millionen haben? — Der Beamte schaute den Mann erstaunt an, denn er konnte sich nicht denken, daß derselbe über eine solche Summe zu verfügen im Stande sei. Die Erklärung dicse« FaktumS könnte aber in dem Schritte der römischen Israeliten gefunden werden, welche die Absicht haben sollen, starke Summen in Staatsschuldverschreibungen anzulcgcn, auS Erkcnntlichkeit gegen die Regierung, welcher sie endlich die Gleichstellung mit den andern Staatsbürgern Italienz» verdanken haben. Petersburg. Der durch feine große Wohlthätigkeit in weiten Kreisen bekannte P. Roscnberg wurde von der kaiserlichen Regierung zum Mitglied des Anfsicht-ratheüber die Gefängnisse ernannt, eine Auszeichnung, die von Seite« unserer Glaubensgenossen mit großer Genugthuung ausgenommen wurde. (Hamagid.)