Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 47 (18.11.1870)
- Date
- 1870-11-18
- Page
- Seite 413 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Man aionnirtfür Praa , .. . Giuzjährig Halbjährig „ 2.50 vierteljährig,, 180 Mit Püstzasealnnlg: tSaizjährig fl. 5.50 Halbjähri, „ 2.75 vierteljährig „ 1.50 Für- Ausland r " Savzjährig 4 Thlr. ' Halbjährig 2 Thlr. Inserate »erden billigst berechnet. i » Israelitische Wochenschrift ftir politische, sociale und relisiiöse Intereffen. Erscheint an jedem Jreitag. Madakti«, ,. Ad»i. «ÜRreti», Prag, spi». »r»a»e»r,.4-K^l »»hin Ule vrirfe ». Selhsendnnge» ' ,n richten stad. Zuschriften »erde, sranra erbeten, ««. nnslriptt »erde» brl Nichtvennendonß 'anf Verlange« jehßch »nsrankirt zurätker, ftattct. Ur. 47. Prag 18. Uovember 1870. ///. Jahrgang. Zu den ErganMEM^en in das prager Sla-htzr-rh^Mpllegium. Gegenüber den QW/2£r3. ^tt/zufindendcn ErgänznngSwahlen in das prager Gt'<jchK>ermwnetencollegium ist einzig und allein das JosefstäbtzWmKäMel, daS sich unserrm Augenmerke nicht entziehen darf. Warum wir speziell dieses Viertel behandeln, dürfte jedem, der mit seinen localen Bcrhältnissen vertraut ist, einleuchtend sein. Die stiefmütterliche Behandlung jenes Bezirkes in .national - ökonomischer Be« . ziehung ist keineswegs dem Stadtverordnctenkollegium zuzu« schreiben, sondern fällt ausschließlich nur den Vertretern, die in jenem Viertel gewählt wurden, zur Last. Man weiß jedoch, daß die Ziele derselben ganz andere sind, alö die In« tereffen eines Bezirke« zu wahren, die einzig und allein in das Ressopt eines Stadtverordneten fallen. Das Stadtver« ordnetcnkollegium hat bekanntlich, in Anbetracht des Mandates jede« einzelnen seiner Mitglieder, in den Stadtrath immer Vertreter jeglichen Bezirkes gewählt, bei denen vorausgesetzt werden mußte, daß sie auf Grund genauer Kenntnisse des an- Feuilleton. Eine Partie Schach. (Schluß.) Llchauan aber, so erzählt die Legende weiternder Augapfel seiner Eltern, die Augenweide der ganzen Familie, das Wunder der Stadt Mainz, ging eine- TagcS mit der im Hause bcdicnstc. ten „christlichen" Magd spazieren und kehrte nicht mehr zurück. Man forschte von Haus zu Haus. Man fragte von Ort zu Ort — vergebens I Verloren und verschwunden waren Magd und Sohn, die Spiegel aus dem Söller verweigerten jede Kunde, alle Späher, die man ausgesendet. kamen unverrichteter Sache zurück. Wer beschreibt den Schmerz deS Vaters, de» Jammer der Mutter! „Jakob hatte der Söhne zwölf und konnte sich um den verloren gegangencn Joseph nicht tröste». Ich hatte nur den Linen, der mir für Hunderte galt, und in dein Linen ist mir eine ganze Welt verschwunden," klagte Barabun, während seine Gattin in der Thränrn unversiegbarer Quelle vergeblich Erleichterung suchte. So wuchsen die Monde zu Jahren in der Zeiten rastlosein Schritte, der laute Jammer war in stilles Weh verwandelt, auf Barabun's Scheitel lag des Grrisenalters Schnee, als eine nene Schreckenskunde die Gcmüther im Ghetto aus dumpfer Ruhe emporjagte. Der Papst zu Rom, so hieb rS, der jüngstcrwählte. hatte an den Mainzer Bischof streng gemeffencn Befehl erlaffen, der Judcnschaft den terneren Schutz zu versagen und fie vogelfrei des Pöbels Wuth zu vertrauten Terrains und seiner Bedürfnisse auch das Mandat erhalten haben. Der bisherige Stadtrath der Iosefssadt war somit mit der Aufgabe betraut, dem gesammten Collegium überdie Mängel, durch die die Iosefstadt unter allen Übrigen Vierteln hervorragt, Bericht zu erstatten, für allenfällige Abhilfe einzelner Uebelstände da« Wort zu ergreifen und srinbm, seiner Zeit gegebenen Versprechen, das Josefstädter Viertel ehrlich und gewsssenhast zu vertreten, auch ehrlich und gewissenhaft nachzukommen. Herr Schwab hat sich jedoch während seiner langjährigen Nichtwirksamkeit als Stadtrath um ganz andere Dinge gekümmert, als um die pflichtgetrene Erfüllung seines Mandates, und dennoch hat er es bei einer jedesmaligen Ergänzmrgöwahl, die auch ihn getroffen, in seiner Selbstüberschätzung nicht unterlassen, seineu Kommis in die Häuser zu schicken, mit dem lakonischin Aufträge: Der Herr „von" Schwab läßt sich empfehlen und um die Stimme bitten. Allerdings hätte diese drastische Höflichkeit nicht viel auf sich gehabt, wenn nur Herr „von" Schwab, anstatt sich vom deutschen Casino zu einem politischen Mauerbrecher gebrauchen zu lassen, sich auf die Ioscfstädter Nationalökostoüberlasten. Der Bischof selber, ein leutseliger Herr, hätte gern das Unheil abgewendet, allein da» Breve lieh keine Deutung zu. und den Juden ward nur noch sechs Monde Frist gegeben, ihre Vorkehrungen zu treffen. „Benützt diese Zeit," ermahnte sic der Bischof, und sendet nach Rom eine Deputation der angesehenste» Männer, uin den Grund des päpstlichen Zornes zu erfahren. Die Abgcordneten machten sich auf den Weg. an ihrer Spitze selbstverständlich Barabun. I» der Tiberstadt angelangt, vernahmen sie, daß der neue Papst ein Freund der Juden, jeder Unduldsamkeit ferne, der huldreichste Kirchenfürsl sei, der je auf Petri Stuhl gcscsteu. Ihr deutschen Juden müßt euch schwer vergangen haben, sprachen die zu Rom, daß ihr de» Zorn eines so liebevollen Papstes zu reizen vermochtet. Jndcstcn ward der Deputation eine Audienz erwirkt, doch mit der ausdrücklichen Bedingung, daß ihr Führer und Sprecher Barabun allein vorgelasten werde. Mit Bangen trat der Greis ins Borgcniach, klopfenden Herzens erschien er vor dem Papste und stürzte weinend auf da» Knie: „Warum willst du rin geknickte» Reis noch brechen, warum trittst mit Füße» du ein schwergepcinigteS Menschenkind? Der Papst war tief ergriffen, hob selbst den GreiS vom Bo. den auf, doch überwand er bald die Rührung und leitete ein gelehrte» Gespräch über Gott und göttliche Dinge ein. Wie erstaunte Rabbi Simeon über die Weisheit und das Wisten de» christlichen Oberhirten l Welche Vertrautheit mit altein und neuem Schriftthume, welche Gewandheit de» Geistes, welche kühne Wendungen des Verstandes —dergleichen war ai^Kirchenfürsten wohl etwa» Seltenes. Doch endlich blieb Barabun Sieger, und lächelnd sprach der Papst: „Du hast fürwahr tm Wortstreit mich überwunden, doch laß unS noch einen Wettkampf mit einander ver-