Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 46 (11.11.1870)
- Date
- 1870-11-11
- Page
- Seite 405 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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«hmirirtffir ß. Lmmi „ *UttoI«ri|„-140 M f : Ä»Mri- (L 5J50 Hltliihri, „ 2.75 vierteljährig,, 1.50 Für» Au»l«ndr Rs»zjährlg 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. 2»ser»le »erde» billigft derech»et. vr. 4K. Israelitische Wochenschrift für politische, sociale und religiöse Interessen. Erscheint an jedem Freitag. vd»i »ißr>tt«U 9n|< RNttrgtfftüt». 408— t MM» alt «rieft ». CtUftitaiiti |ä richte» ß»h Zvschrifte» werbt» srallco erbete». P^. »»skripte »er»«» Wi Rtchlverwned,», t»f Verls»,e, )OM u»sra»ktrt z»rXtr Kettet. Prag tl. tlammbrr 187V. III. Jahrgang. D», jüdische Organ für deutsche Interessen i alr Vorkämpfer str 7'7' Interessen. Nicht genug daran, daß die Doktoren Raudnitz, TedrSco und Wiener in Angelegeicheit der Josefstüdter Haupt- und Unterrealschule gegen den prager Stadrrath S urm ge- > kaufen sind, unternahm e» auch da» jüdische TageSblatt für! deutsche Interessen, die Josefstädter Echutfrage zn einer po-! lrtsschen Frage hinaufzüschrauben und über sie ein Expose zu . liefern, da» sich am besten eignen sollte, die Juden für die > deutsche Clique zu gewinnen, die, wie «ärnriglrch bekannt, in I der Wahl der Mittel nicht skrtqmlo» ist. Die Josefstädter I Schule, von der Clique absichtlich als confrssionSloS dargej stellt, von den Juden jedoch als Judenscht'le aufgefaßt, war j da« als am meisten wirkend berechnete Elixir, die Inden! Prag'» insbesondere der des Josefstüdter Viertels für den > Lüstnokandidaten zu stimmen, da doch die Juden von Natur auS sehr empfindlich sind und die Clique von dem In»! denthum nur so viel weiß, als die schwache Seite jener In» dm zu treffen, welche noch immer in der Einbildung leben, die jüdischen Verfechter des Unrechtes sqmmt. ihrem Leiborgane, dem HanSjörgel des deutschen Casino'«, seien die GlaubenStreuen Israels und meinen eS mit den Juden besser, al» diese mit sich selbst. So gehen die Juden jrdc-mal auf die Leimruche, die ihnen regelmäßig vor den Wahlen aufgesteckt wird und man kann stet» darauf gefaßt sein, daß. so oft eS sich um Wahlen handeln werde, au« der Rumpelkammer der Spitzfindigkeit allerlei Finessen hervorgeholt wer» den, um den Juden die Unfehlbarkeit der verfassung-treueu Clique vorzndemonftriren. Dießmal, wo e» sich um die direkten ReichSrath-wahlen handelte, kam die Josefstäote. SchtSe an die Reihe, allerdings ein famoses Mittel, bei dech man, trotz dem Beschlüsse de- Stadtrathe«, die Schüler derselben unterznbringen, jüdische Kinder an die Luft setzen, und die jüdischen Lehrer, die doch halbjährig gekündigt wurden*), auf Knall und Fall brodlos werben ließ, die vor Allem da» Erbarmen der Juden erwecken und die drei Frommen der Josefstadt Raudnitz. Tedeoco und Wiener als jüdische Märttz. rer hinstellen müssen; was für eine TeufelSfignr bei einer nächsten Wahl aus dem Vexirkasten hervorspringen soll, da» wird gewiß die verfassungstreuen Götter dcS jüdischen Olymp» nicht in Verlegenheit bringen, diese werden wieder ein »ehrliches" Mittel finden, das durch ihren publizistischen Postillon den Josefstädter Juden und den Görkauer Bürgern bekannt gegeben wird. AuS der ganzen Behandlung der Josefstädter Schulfrage von Seite der isr. CultuSrepräscntan; und dereq beiden eigenzn dem Zwecke einer im Borhinein berechneten *) Uns selbst kam eine solche schriftliche Kündigung zu Gesicht». (Die Red ) Fcuitteton. Hue Partie Schach. Qtine FrndrnSgeschichte für die kriegerische Zeit «ei Halberstadt, dem alten Bischofssitze. liegt, das Dorf Strö-! deck, seit mehr alS 300 Jahren berühmt durch die Fertigkeit seiner Bewohner im — Schachspiele. Um dieser Tugend willen, haden die früheren Bischöfe von Halberstadt den Ströbccker Bauern manche Abgaben, Frohnen und Zehnten erlassen, und wo mau noch heute die Großthatrn der Helden auf dem Brette, das ein Schlacht- ' seid bedeutet, der staunenden Rachwelt erzählt, da wird der Rame jenes Dörfchenruhmvoll erwähnt. Man wird zugeben. daß diese Erscheinung auffallend ja ge- * radrzu räthselhaft ist. Wer war r» der vor vielen hundert Jahren! schlichten Landsleuten die Geheimnisse de- Rüffelsprungr» offenbarte? ' Denn sicherlich will es Keinem in den Sinn.kominen, daß »deutsche Bau- Leibeigenschaft und Gaugrafenthum aus eigener Juitiative Sch für das mörgenländische Spiel intrreffirt haben würden, das.nur.vornehmep Leute» und zwar dem denkenden Thrile derselben, zur Srhähliing erfunden ward. Wie im Traum sich das Leben spiegelt, so ist daS Spiel ein Schattenbild der 'Arbeit und der BerufSthätigkeit. Feldherren spielen mit bleiernen Soldaten, Staatsmänner unterhalten sich an» Brettspiele, und der Bauer wjrÜ gewiß nicht die geringste Zerstreuung an einem Wettkampfe finde». der als Spiel denn doch zu ernst ist, und wieder gar zu sehr rin Spiel, uin als Ernst gelten zu können. Dem bäuerlichen Leben. daS von Wind und Regen abhängig ist. entspricht vor Alle»»» das Hazard spiel, die blinde Hingebung an dcu Zufall, den kelbe Berechnung und keine Dorherbcstiminuiig ergründet. Der Bauer unter, »virst sich am liebsten deS Glückes dunkler Macht, die sich iii» ra^ schen Wechsel des Moruentcs offenbart und durch der Wl'lrfet nnversehenen Fall die Furcht und Hoffnung zur plötzlichen Enttäuschung führt. Dei»»»och ist eS Thatsachc. daß Ctröbeck »vic eine Schach-Insel auS dein Jdnllenreiche der Dorfgeschichten hervorragt, und wir stehen hier vor einem seltsamen Geheimnisse, das durch die Versuche einzelner Chronisten, eS zu enthüllen, nur noch mysteriöser geworden ist. So »vill z. B. eine Halberstädter Chronik über den Ursprung der Schachmuse zu Strvbeck Folgendewiffrn: Bor vielen hundert Jahren kain eine» Tages ein junger Mvnck in da» Dorf, man wußte Nicht woher, noch weßhalb. Sr nannte sich Lronhardt. verweigerte alle Auskunft über seine Abstammung wies sich blos qls Jünger einer Klostrsschule zu Mainz aus/ wo er auch seine Priesterweihe empfangen hatte, und gab vor, Ich in 6