Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 45 (4.10.1870)
- Date
- 1870-10-04
- Page
- Seite 400 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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kümmern un» die Rechte eine» Hausherrn, wenn wir nur die Herrn sind. Finan;departement! Geld her für unsere Lehrer, denen wir nicht zahlen wollen, trotzdem wir un» verpflichtet haben. Und wo war denn der JosesstSdter Stadlrath Schwab, warum hat er, der doch Kenutniß vom Abschluß und der Abtretmig der Schule hatte, seiner Zeit vor der beabsichtigten Auflassung derselben, dem Stadtrathe nicht in aller Ruhe die Versorgung der Schüler auseinandergesetzt, welche die Auflassung der Schule nothwendig macht? Ganz natürlich mußte man sich diese Frage für eine Zeit aufsparen, in der man eine Hetze in Seene setzen und den Weg des Unrechtebetreten wollte. Mit solchen Mitteln aber wird sich der jüdische Verfechter dechinesischen Rechte» mit seinen beiden Satelliten kaum den Dank seiner Clienten sichern; denn sie handeln nicht im Einverständnisse mit der Judengcmeinde, die nur den »Frieden, aber keine Judenschule haben will. Sigismund Kaufmann, der republikanische Kandidat für da» Amt de» Vize-Gonvernear» im Staate Rew-Aork, von dem wir in der letzten Nummer dieser Blätter berichteten, daß ihn die republikanische Partei als ihren Kandidaten für da- Amt de» Lieutenant-Governcr aufgestellt hat, ward im Jahre 1820 in Schotten, einem großherzoglich hessischen Dorfe geboren. Seine erste Schulerziehung genoß er in Schotten in der gewöhnlichen Volksschule, vollendete seine Erziehung jedoch in Frankfurt am Main und widmete sich nach zurückgelcgtcr Schulzeit dem Berufe eine» Buchhändlers. Daö Jahr 1848 wurde bei ihm wie bei so vielen Andern ein Wendepunkt in seinem Leben. Er nahm Thcil am September-Aufstande und mußte Deutschland verlasicn, um mit dem Könige, weichem diese öffentlichen Ausflüge nach Oporzno übrigens anch nicht genrhm fein machten, il,rc Residenz nach Bochotniza, einem etwa eine halbe Meile von der Krakauer Vorstadt entlegenem Dorfe, wo sie ebenfalls ein mit königlichem LnzuS ansgestattetco Schloß für sich bereit fand. Die Wege waren damals noch nicht sehr sicher und Kastmir ließ daher direet au» seinem Schlöffe zu Krakau nach Bochotniza eine Straffe bauen, deren Reste noch heute gezeigt werden. Hier erst begann für Kasimir ein echt sardanapalischeS Leben. Bälle wurde» zu Ehren Esther s gegeben, Musik »nd Tanz bildeten daS tägliche Festprogramm. Die rcichgefchiimckten Hvfda> »neu kamen, wicwol mit gepreßtem Herzen, der Angebeteten des Königs ihre Huldigungen darzubringen, während Kasimir im Str». bei der Bailfrrnden Erholung von de» Arbeiten suchte, welche auf dem Throne tun zum Ruhme des Landes bcichattiglen. Auf einem dieser Bälle zeigte sich eine Hofdame in jüdischer Traciit mit Perlen und Gold überladen; offenbar meinte sie damit die im Baiisaalc anwesende Jüdin zu karrikircn. Aber Esther, weit entfernt sich vcrießt zu fühlen, entfernte sich auf einen Augenblick und kam als echte Jüdin nach der Mode damaliger Zeit gekleidet wieder. Eie war sich ihre» Triumphes bewußt. In dieser eigcnthümlichen Tracht verdunkelte sic alle Hofdamen zur großen Freude ihre» Anbeters. Bon Bochotniza begab sich Üsterka nach Lobzowa, einem unweit Krakau gelegenen »nd noch heute seiner zauberhaften Ilmgegend halber bekannten Dorfe. Auch hier hatte Kasimir ein herrliche» Schloß erbaut, das er für feine Geliebte mit künstlichen Gartenanlagen verschönerte. Diese Anlagen, heißt r». waren die ersten in Polen. Somit hätte dann eine Jüdin indireet einen Euiturzweig fördern helfen. Ein Hügel, der ihren Namen trägt, und dir VolkSübcrlitferung machen die Thatfache zu einer unbestrittenen. Kaflnnr hatte von Esterka vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter. Die letzteren wurden zum großen Arrger de» GefchichtSschrrieine Kriminaluntersuchung zu vermeiden. Er wendete seine Schritte dem Lande der Freiheit zu und kam im November 1843 hier an. Für deutsche BuchhändlcrSgehÄfen ohne Geld war damals New-Hork ein ungünstige» Territorium. Rasch entschloffen griff er zum Handwerk und lernte Zigarrenmachen. Nachdem er diese „Kunsteine Zeitlang getrieben, fand sich eine Stelle als Verkäufer in einer Taschenbuchfabrik, die mehr Aussicht zu bieten schien, al» das Handwerk. Der Fortschritt ging aber auch da äußerst langsam — und um nur das Nothwendige zu verdienen, mußte er abend» Unterricht an der deutschen und englischen Sprache ertheilcn. Da wurde er im Jahre 1852 mit einem tüchtigen Advokaten, Herrn Walter L. Livingston, bekannt, und faßte den Entschluß, sich dem Studium der Rechte hinzugeben. Durch enormen Fleiß und unterstützt von einer ungewöhnlich raschen Auffassungsgabe brachte er es dahin, daß er schon im Frühjahre 1854 seine AnwaltSprüfuug ehrenvoll bestand. Seit dieser Zeit praktizirte er in Rew-Aork und e» gelang ihm in Verbindung mit seinen Associe's, den Herren Frank Wilcoxson jetzt Frank und Pryor, ein Recht»- bureau zu etabliren, das im allerbesten Rufe steht und von zahlreicher und angesehener Klientel benützt wird. Kaufmann trat zuerst in die Arena der politischen Kämpfe zur Zeit der Wirren in KausaS und Nebraska, er schloß sich — ein alter Freund der Freiheit und Feind menschlicher Sklaverei — der neu entstehenden republikanischen Partei au, errang sich bald in derselben die Stellung eines der ersten Führer der Deutschen und wurde in amerikanischen Kreisen als ein einflußreicher, talentvoller und Vertrauen und Achtung verdienender Bürger anerkannt Daö Volk des Staates New-Aork erwählte ihn im Jahre 1860 in Anerkennung seiner Verdienste zum „Presidential Elector* und er gab seine Stimme für Lincoln und Hamlin ab. Gouverneur Morgan ernannte ihn bald darauf zu einem Mitgliedc des ^RekrutirungS-Komite'S (Draft Committee) für Brooklyn E. D., und im Jahre 1869 erhoben ihn die Republikaner Brooklyn'» auf ihren Schild als ——p—■————W—— der» (Dlugosz)in der jüdischen Religion erzogen. „Auch dies," sagt Dlugosz. „ist schändlich und verabscheuungSwcrih, daß er die Töchter von jener Jüdin Hester in den jüdischen Ritus zu übertragen gestattete." Die zwei Söhne Nicmra und Pelka wurden aiS Ehriste» erzogen und von Kasimir in den Adelsstand erhoben. Ihre Wappen wurden „Mischling" genannt und bestand auS einem halben Adler und zwei weißen Rosen auf rothein Felde. Die Nachwelt hat das Wappen und die Namen zu verwischen gesucht, und »och heute streiten die Herren von Adel sich, ob sie manchen Geschlechtern unter ihnen die jüdisch: Abkunft anhängeu lassen sollen. Einer der Söhne soll nach den» Tode dcS Königs bei einem Pöbelausbruche ermordet worden sein. Esther verlebte den Rest ihrer Tage im Schlosse zu Lobzow, wo sie starb. Sie wurde im Garten zu Lodzow unter einem Hügel bestattet, welchen, wie der polnische Acstetikcr Krcmcr sich ausdrückt, „die Natur aus Mitleid für die arinc Geliebte jeden Frühling mit Schlüffelblumcn und Veilchen schmückt, damit, wo die Menschen cinc GrabeSaufschrift verweigerte», die Blumen verkünden, daß hier die Liebe begrabe» ist." Andere bclianptcn, daß Esterka nach Kasim'.r'S Tode anS Berzwciilnng über den Berlust des Geliebten durch einen Sturz auS dem Fenster ihr Lebe» beendet habe. Im Jahre 1787 angestellte Unters».tmngen ergaben, daß im Garten zu Lobzoiv keine menschlichcn Neberreste sich befanden. Sollte der Neid auch der todten Jüdin keine Ruhe gegönnt haben? Der judenfrcnndlichc Gcschichtsschrcibcr de» 18. Jahrhundert». Czäeki sah daS Porträt Esthers und rühmt die anßergrwöhnllche Schönheit der Züge. Merkwürdig I Auch diese» Bild ist seit den» Jahre 1794 verschwunden. — „DaS ist da» Loos deß Schönen auf der Erde."