Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 42 (14.10.1870)
- Date
- 1870-10-14
- Page
- Seite 373 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dt«« «tatnivtfür Pr«gr •«*jlHrl| fU 5.— HeSjähri, „ 2LV Bierttljiihrt-,, 1.80 «U P«flr»se,d«og: «iazjährig fl. 5.50 HMjiihrlz „ 2.75 vierteljährig,, 1.5V Für» AuSland r Sa,zjährig 4 Thlr. Halhjädrjg 2 Thlr. Zierate wrrdeu billigst bercchort. Djie - Gegenwart. Israelitische Wochenschrift sür politische, sociale und religiöse Interessen. Erscheint an jedem Jreiiag- Netz«M»> ». Ad»l- »istratt»» Prag, NU« UrgaffeRr». 4V8— 1 «ohi» alle Briese «. Geldseaduagra z» richte« stob. Zaschriftea »rede, franco erdete«. Ma« uuskripte werde« bei Nich1vrrwrndu»g aas Berlaagen jebach «nsranlirt zurückrr stattet. Ur. 42. Prag 14. Oktober 1870. BBOBBaaBBsaEiaBBsassisassaMM^M^MB III. Jahrgang. Verfassungstreue und Glaubenstrrue. Die in unserem Verfassungsleben so oft und progressiv zu Tage getretenen Erscheinungen, die den krankhaften Zustand, in den der ciSleirhanische Staatskörper gerathen ist,zur Folge hatten, haben auch das Iudenthum nicht verschont gelaffen, welches, wenn man die Entwicklung und den Fortschritt der politischen Wirren bettachtet, auS diesen einen beachtenSwerthen Nutzen gezogen hat. In dieser Beziehung müssen wir uns, von unserem confessionellen Standpunkte aus, mit den Errungenschaften der Juden zufrieden stellen und ausschließlich nur der Zeit und ihrer Strömung Dank wissen, daß sie jeden ReligionSuntrrschied beseitigt und die Humanität zum Wegweiser der Menschen macht. Wenn dieß nicht anzunehmen, ja vielmehr als der Ausfluß der Gutmüthigkeit einer Regierung zu bettachten wäre, dann wäre eS kein gutes Symptom für die Dauerhaftigkeit und Haltbarkeit der politischen Stellung, die den Juden für alle Zukunft zugedacht ist, und es wäre zu befürchten, daß mit dem leisesten Windhauche, die steiheitlichen Errungenschaften der Juden über den Haufen geworfen würden. Nachdem jedoch die Freiheit aller Völker und Religionen ein Postulat der Zeit ist, so ist unter allen Umständen und Verhältnissen an einen Umschwung der politischen Stellung der Juden nicht zu denken, und nicht zu befürchten, daß mit dem ersten besten Wechsel der RegierungSsysteme, mit dem ersten besten Wechsel einer Verfassung der freiheitliche Himmel sich den Juden verfinstern könnte. Und keine Nation, die böhmische nicht ausgenommen, kann sich heutzutage einer einseitigen Auffassung der Freiheit, einer bloßen Inanspruchnahme derselben für sich, hingcbcn, wenn sie mit dtn Juden als politischen Faktor rechnen will. So wie demnach Nationen nicht selbstsüchtig sein dürfen, so darf auch der Jude in n»gerechtfertigter Furcht vor einem Freiheitsraub, schnödem Egoismus und dem Grundsätze der politischen Nothwehr nicht huldigen, die ihm gestatten soll, zum Zwecke seiner politischen Srlbsterhaltung, einer ganzen Nation die Erzielung gerechter Forderungen zu erschwierigen. Leider findet sich noch unter den' in unserem engeren Vaterlande Böhmen wohnenden Juden eine gewisse Spezies, die unter dem Vorwände ihrer Verfassungstreue um allen Preis Opposition macht und sich den Bestrebungen der böhmischen Natkon entgcgenstcmmt. Anstatt in dieser SpeueS den Krebsschaden der böhmischen Judenhcit zu erblicken, hätt ein kleiner Thcil unserer hauptstädtischen Glaubensgenossen an ihre krankhaften Theorien fest, in der Meinung, daß diese SpecieS, eine politische Abart, es mit dem Judenthume gut und ehrlich meint. Ohne u»S erst in politische Deduktionen einzulassen, weil eS lächerlich klingen müsse, jenen Vorkämpfern einer Pcrsonalverfassnng, eine politische Bedeutung beizumessen, auch wenn eine auf allerlei Manövern beruhende Agitation jene Gladiatoren in die LandeSvcrtretung und zu dem oder jenem Ehrenamte gebracht hat, können wir nuS beruhigen, daß eS um ihre Verfassungstreue gerade so steht wie um ihre GlaubenStrcue. Die GlaubciiStrenc unserer jüdischen LandcSvertretcr scheint, wenn gleich diese die ehrende Vignette „Jude" in ihrem Schilde führen, bis auf Null Feuilleton. Metaphysik des Krieges. WaS ist eigentlich der Krieg feinem Wesen nach? WaS find seine Ursachen, waS dir letzten Gründe seines Entstehens l Wo ist die Urquelle dieser Geißel der Menschheit zu suchen? So fragte ich mich wohl unzähligemale, wenn weder Clansewitz noch Pönitz, weder Hugo GrotlnS noch Proudhon und viele, viele Andere die Antwort auf diese Fragen mir entweder ganz und gar schuldig blieben oder nur unzulänglich zu geben im Stande waren, lind wie zer. marterte ich dann meinen armen Kopf, um mich durch den Wust meiner Kreuz, und Onergedanken zum Mindesten nach jener R i ch. tung durchzuarbeiten, in welcher beiläufig eine Lösung des mir selbst gestellten Problemliegen mochte. Jahre vergingen, meine Notlzbögen nahmen zu, manchen Schritt hatte ich nach vorwärts getastet, allein die verdammten letzten Gründe noch immer nicht erforscht. Freilich gab » auch atttge Arbeitspausen in diesem meinem Bemühen, denn bald hieß cd dorthin, bald dahin in den Krieg m ziehe», bald sich andere», die Interessen dcS TageS iiiimittelbar bcriihre». den Arbeiten hinzugebc», In einer meiner SrholnngSstunden aber, und zu einer Zeit, wo ich am allerwenigsten an deS Krieges letzte Gründe dachte, wicö mich ein „Zufall" in die meinem Dafürhalten nach allein richtige Bahn. Ich laS nämlich wie gewöhnlich, wenn ich mich denkend anSrastcn will — in der Bibel. WaS? horte ich auSrufcn, „rin Soldat tmb Bibel lesen?!" Ja doch — und warum nicht? frage ich zurück. Denn von Allem anderen abgesehen welches Buch enthielte in einem einzigen Bande eine ganze Bibllothek — welches also wäre bester geeignet, den kostbaren Raum eines Mannschaft- „BrotsackcS" oder einer GcncralstabS „Angstlasche" mit der Bestimmnng für Unterhaltung vorwegzunehmcn? Und — doch zur Cache. Ich las also i» der Bibel: Und Abel war ein Schäker (»ic aber rin Ackermann.) ES begab fich aber, daß Kain dein Herrn Ci’frr brachte von den Früchten deS WaldeS. Und Abel brachte and) von den Erstlingen seiner Heerde und von ihren Fetten. Und der Herr sah gnädiglich an Abel und sein Opfer. Aber Kain und sein Opker sah er nicht gnädiglich an. Da ergrimmte Kain sehr und seine Gebcrden verstellten fich . . . Da redtte Kain mit seinem Bruder Abel, Und eS begab fich. da