Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 41 (7.10.1870)
- Date
- 1870-10-07
- Page
- Seite 371 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Dessau bekannt wurde, veranstaltete man eine kleine Sammlung. welche der Bedeckungsmannschaft ausgefolgt wurde, um sich und de» Gefangenen auch eine materielle Festesfreude zu bereiten. Bon den sonst in Wittenberg garnisonirendcn Linien« und Landwehrregimentern erhielten die in denselben dienenden Juden während ihrer hohen Feiertage wie all» jährlich Urlaub. *) Der Bischof von Straßburg erschien unlängst im badischen Hauptquarlir, um für die Stadt Schonung zu erbitten, derselbe war von dem dortigen Oberabbiner, Herrn Ahron begleitet. *) Herr Rittmeister Nathan, ein.Glaubensgenosse, ist zum Kommandanten der Artillerie von ArraS ernannt worden. Ein Bataillon von kraueg-tirsurs (Freischützen,) dessen Commandant unser Glaubensgenosse Herr Julius ArronSsohn ist, hat am 4. Sptembcr viel zur Aufrechterhaltung der Ordnung beigetragcn. Herr ArronSsohn hat den Ministerpräsidenten Trafen P al i ka o mit seinem eigenen Leibe geschützt rufend: „Es ist nicht der Minister, den ich verthcidige, sondern der tapfere verdienstvolle Generals!" M I ö c e l l e n. X (Der vierte der Barone.) Und cS war am dritten Tage deö Monates Tischri deS Jahres 563l seit Erschaffung der Welt, da kam große Gnade über das Haupt des JonaS, des Sohnes von MoseS, der davon Frankfurt nach Wien gezogen war mit seinen Dreiperzentigen und seinen Bierperzentigcn, mit seinen MetalliqueS und Wechseln, um da zu wohnen und zu leben in Furcht vor dem Herrn. Der Herr aber mehrte die Dreiperzentigen und die Bierperzentigen und die MetalliqueS und Wechsel, und immer größer und zahlreicher wurden die weißen Heerden der Papiere, die in den eisernen Ställen mit künstlichen Schlössern wohlverwahrt ruhen, so ein Mann aus dem Stammeder Midjaniter, Ritter von Wertheim geheißen, anfertigt. Das Land jedoch, in welchem JonaS wohnte, verlangte nach Silber, um Münzen zu haben wie die anderen Länder und nach Gold, um vollwichtiges Geld zu prägen, damit die Zettel nicht länger das Gespötte der Nachbaren bleiben möchten, so dazu dienen mußten, um Geld vorzustellcu. Und eS geschah, daß als eines Tages JonaS in dem Buche der heiligen Profeten lesen wollte, er die Geschichte von dem goldenen Kalbe aufschlug, das gemacht worden war, um eS an der Stelle des wahren Gottes zu verehren. Da stieg in seiner Seele der Verdacht auf, daß das Volk nach Gold und Silber und deßhalb schrie, um sich falsche Götter zu machen und er beschloß, das zu hindern. So machte er sich denn auf und stieg hinauf^ einen Saal, der Börse genannt wird, und stand da vom^ frühen Morgen bis zum späten Abend,' jeglichen Tag und kaufte all das Gold und Silber auf, das in. jenem Saale ausgerufen wurde und machte das edle Metall immer theuerer und seltener, damit die Leute es nicht erlangen könnten, um falsche Götter daraus zu bilden. Ein großes Geschrei entstand aber darob unter den Leuten und sie nannten eS Baluta-Spekulation in ihrer Sprache, was der JonaS in feiner Frömmigkeit betrieb, um dem Herrn zu dienen. Die Regierung jedoch war einsichtiger und sie gab dem Frommen einen goldenen Stern, der getragen wird an einem herrlichen Bande von Seide, und sie nannte ihn Ritterund befahl, daß alle Leute ihn so nennen sollen und er hieß von da ab Jona« Ritter v. König-warter. Und der Herr mehrte die Heerden der Papiere, die da in den eisernen Ställen wohlverwahrt ruhen, und JonaS nahm Baumeister auf und Werkleute aller Art, und die mußten ihn» viele Häuser bauen, gar köstlich anzuschaucn. Da drinnen aber ließ er Leute wohnen, die ihm einen ZiuS entrichteten und der Herr segnete seine Häuser, so daß die Leute in jedem Jahre immer mehr ZiuS zahlen mußten. So war er groß geworden und angesehen, und seiner klugen Rede lauschte die Gemeinde, und wenn die Männer zusammenkainen. so da Aktionäre heißen, und eine.Generalversammlung hielten, da leuchtete seine Klugheit vor der Bersammlung, wie die Sonne, welche die Sterne verdunkelt. Er aber hielt getreulich an den Gesetzen des Herrn und an den Vorschriften der Lehrer und Frommen, und er vermischte seine Speisen nicht mit den Speisen der andern Völker und heiligte den Tabbath und gab reichliche Almosen an die Armen so wie Gott cs geboten. Da kam eine Prüfung über feinen Verstand, damit er erprobt werde, ob er weiser sei, als die anderen, die mit ihm das gleiche Geschäft betrieben. Von dem Stamme Israels war ein Mann gekommen, rcichxr als je Einer zuvor gewesen, und der wurde Baron genannt, um ihn gleich zu machen mit den Vornehmen und Edlen des Landes. So nun Einer taufend Mal tausend Schecke! feinen Silbers erworben hatte, wollte er auch Baron genannt werden. Und der König halte einen Diener, der da sagte: So Einer Baron sein will, möge er sein Herz aufthun und große Spenden machen und vieles Geld widmen für gute Werk. Und so wurden ihrer Viele Barone, und nur Jonas blieb noch immer Ritter. Denn von ihm verlangte der Diener des Königs gar hohe Spenden, größer und reicher, als von jeglichem Anderen und er sollte legen vier Mal, jedes Mal zu hundert, von jenen buntgefärbtcn Papieren, auf denen in rother Schrift die Zahl Taufend geschrieben steht. Er aber that cS nicht, er dcmüthigtc sich vor seinem Nachbarn und blieb bescheiden ein bloßer Ritter, im Herzen aber dachte er: „So ich warten werde und lasse das Geld gutx.Zinsen tragen, kommt, auch eine Zeit und ich behalte die Zinsen und das Geld dazu und werde doch Baron, denn der Herr mich nicht verläßt." So sprach er in seiner Klugheit und bestand die Prüfung. Und es kam ein anderer Diener des Königs, der nicht mehr so sprach, wie jener erste. An dem NenjahrStage des Jahres 5631, als die Posaunen schallten und das Volt sich beugte und vor dem Herrn betete, da wurde auch da« fromme Flehen von JonaS erhöret und der König gab ihm einen neuen Stern an einem köstlichen Scidcnbandc, so um den Hals geschlungen wird und dieser Stern hat die Macht, Denjenigen, der ihn trägt, zum Baron zu machen. DaS Alles steht geschrieben in den Annalen der Geschlechter, die da mächtig sind in Papieren, in Gold und in Silber, in Devisen und in Wechseln, in der Arbitrage und in der Kontremine, in der Hausse und im Agio, in Differenzen und Kostnehmen, in Leihgcld und Zinsen, in Dividenden und Syndikaten, in Gründungen uud Liquidationen, die da stark sind im Nehmen wie im Geben, und deren Stimme gehört wird bis nach Frankfurt und Amsterdam und von Berlin bis nach London und Paris. So aber fing das Jahr 5631 für den Baron Jona- Ritter von K ö n i g S w a r t e r glücklich an und er gab nun freiwillig Almosen und freute sich mit seinen Kindern und Enkeln und gab ein große- Gastmal und lobte den Herr» und lud die Weisen und Kundigen zu sich, damit sie ihm ein Wappen machen, wie eS für einen Baron geziemt. Was aber JonaS beschloß, siehe, e« wird geschrieben stehen in den Annalen des Heroldsamtes. (N. Wien. Tagb.)