Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 39 (23.9.1870)
- Date
- 1870-09-23
- Page
- Seite 349 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jäner 1861 Zahl 627, getroffene Verfügung, für die israelitische Jugend im gleichen Maaße wie für die katholische zu sorgen, durch Verweisung an die verschiedenen deutschen stüvtischen Schulen, aus dem Grunde verworfen, weil nach seiner Auffafsnng die Josefftüdter Schule eine öffentliche Volksschule ist, und derlei Schulen nur mit Bewilligung der k. k. Schulbehörden aufgehoben wttbeu dürfen. Wenn eü^chou nicht im Sinne des Hvtz. Dr. Wiener lag, die in einem Vertrage ausgesprochenen Rechte zu achten, was ihn: in erster Reihe als Stadtverordneter m zweiter Reihe als Jurist zu obliegen hätte, so Hütte doch der gesammte k. k. LandeSschulrath als Schulbehörde in Berücksichtigung deö Rechtes und in genauer Crbvügung der vitalsten Momente, die für die Auflassung der Josefstädter Schule sprechen, daS Recht für sich in Anspruchnehmen können und 'sollen, die Joscsstädter Schule, wenn schon für eine öffentliche Volksschule angesehen, aufzuhcbcn. ES entsteht nun auS der Entscheidung deS k. k. Landes- Feuilleton. Memoire» eines jüdischen Seminaristen. V. AlS Ludolph Tuhok die Straße erreichte, fing er darüber ui brüten an, wie er sich aus den Klauen der Tiger befreien tönnffT Daentscheidende Wort war gefallen! sie» facta est! Run mußte er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: sich befreien und gleichzeitig das Seminar zennalmcn. DirS konnte er am Besten dadurch erreichen, daß er eine jüdische Zeitung gründete, die mit Rachdruck und Energie gegen den jüdischen Jesuitismus austrat und welche ihm gleichzeitig eine sichert materielle Existenzquelle «öffnete. Durch diesen festen Entschluß crmuthigt, entschloß er sich furj und gut, Br.zu verlosten und nach B.. der Hauptstadt der norddeutschen Metropole, zu überfiedeln. Kaum hin angelangt, empfingen ihn freundschaftliche Anne, hnzliche Menschen und gleichstrebende GesinnungSgenostrn. Welcher schreiende Unterschied zwischen Br.und B.I l Die dumpfige, gedrückte, inquisitorische Oderstadt mit ihren altgothischen Thürmen und krummen Straßen — und die junge Weltstadt, die Hauptstadt der Zukunft, dahrnliche Spree-Athen, mit feinen prachtvollen Palästen, seinen schnurgraben Straßen, seiner 3ugendftische und Iugendßegeiperung I H t e e Üb«. SchulratheS die Frage, ob denn mit dem Fortbestände d« Josefstädter Schule der Jugend, welcher Eonfeffion immer, ein dlnNvr erwachse. In dieser Beziehung wollen wir den k. k. LäWeSschulrath aufklären, vielleicht würde er, von einer besseren Ueberzeugung getragen, den Stadttath in dessen Beru. fung an das hohe k. k. Staatsministerium gegen die Entscheidung des LandeSschulratheS unterstützen. So lange die Jvsefstadt ein Ghetto unter dem Namen Judenstadt war, war die israel. Jugend angewiesen, die im Bereiche der Abgeschlossenheit situirt gewesene Judennachmalige Josefstädter Schule zu besuchen; zu jener Zelt, wo die Abgeschiedenheit zwischen Juden jeden StandeS keinen Unterschied machte, waren die jüdischen Eltern darauf beschränkt, ihre Kinder in die Ghettoschnle zu schicken, die in der That wegen deS damals weniger prädominirenden Kastengeistes, der mit dem Klarwerden mittelalterlicher AthmoSsphäre allmählich schwand, gut gepflegt war zum Nutzen und Frommen der jüdischen Jugend, zu jener Feit, in der förm. lich. ein Jude über den andern eine Sittenkontroll führte, wckfdie Judenschule dazu angethan, ihrem Zwecke zu entsprechen. Nach und nach als die wohlhabendere Klaffe der Juden ihr Domicil in der Judenstadt aufgab, verlor die ' Schule immer mehr an Werth, diese wurde nur von jenen Kindern besucht, die weniger die gute Sitte heraus als vielall ein frohes, freies, frisches Forsche», ein edler Wettstreit aller geistigen und physischen Kräfte, dort nichts als Dc-potismu-, Krähwinkelthnm, Pfäfferei und JesuitiSinnS I Hier daö enthusiastisch spnidelndc Leben dort der schleichende erstarrende Tod!- B.ist und bleibt der Kops und das Herz Deutschlands; denn wenn et auch alle Bestrebungen deü großen deutschen Volkes nicht in d e m Maaße auSnutzt und in sich coii* zentrirt, wie z. B. Pari» und London, so läßt es sich doch nicht in Abrede stellru, daß B.die Achse ist, um die sich alle Intereffen der Monarchie drehen. Wie die Pulse und Adern deS menschlichen Organismus nach dein Eentrmn desselben, dem Herzen zustrvmen und hier mit vereinter Kraft an den» stets sausenden Webstuhl des Leben» arbeiten: so strömen die geistigen upd materiellen Mächte „Alldeutschlands" nach dein ivundcrvollen. oft mit Unrrcht vielgeschmähtrn Bundes-Hauptsipr. Aus dieser Thatsache läßt es sich auch begreifen, daß das 2 u d e n t h u in B.$ das buntscheckigste, vielseitigste und zerklüsteste der ganzen Welt ist. Mann kann sagen : tot capita — tot sensu»! So viel Juden, so viel Iudenthümer! Hier ist die l i b e r a l e, coiiservative orthodoxe, hyperortodoze. gemäßigt-tradit i o n e ll e mit einem Worte, jede Partei des Judenthums vertreten. Line jede ringt nach Anerkmnung und Herrschaft — aber es ist ein ehrliches Ringen, kein Kampf mit vergifteten Waffen, wie in Br.sondern ein heiliger Krieg, der unt« d« Fahne Pottes geführt wird l Alle diese Parteistöeungen wnden dmch di« betreffenden Rabbiner und Prediger zum Aus.