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Die Gegenwart · 1870-08-12 · 33 (12.8.1870) · p. Seite 301

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
33 (12.8.1870)
Date
1870-08-12
Page
Seite 301 (sequence 1)
Language
German
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M«m «ftmttfrtfVT V»«-r «miütig V. 5.- H»Ibjiihrig „ 2.5V «terleljikhrig,, 1.SV «U Poftzufenduvg: Gtmzjährig fl. 5.5Ü HAbjährig „ 2.75 vierteljährig,, 1LV s^ür- AuSland r Ganzjährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Inserate werden billigst berechnet. Gegenwart. Israelitische Wochenschrift für politische, sociale und religiöse Jntereffen. Erscheint an jedem Ireitag. »iv»ti«vrng,»lt. ttrgaffeNr». 4-8—1 »«hin ale Brief« ». Gelbsenbnngr, z, richten find. Zuschriften »erbe, frank« erbeten. Manuskripte »erben bei Nichtvenoendnng ans Verlangen jrboch unfraakirt jnräcker. stattet. »r. SZ. Prag IS. August 1870. III. Zuhrgaug. Ciu entsetzlicher verbrechen. Der an der 62jährigen LehrerSgattin Rebekka Humpoletz verübte Raubmord, drß »luSführlichen wir hier an einem andern Orte folgen lassen, kennzeichnet zur Genüge Verbrechen und Verbrecherin, so daß wir unS gewissermaßen enthoben suhlen, unS hier in die näheren Details einzulassen. Wie wcit die Entartung des Menschen gedeiht und thierischc Wuth desselben oft unbegrenzt ist, lehrt unS die vorgenommene Procedur mit dem bereits zum Leichname gemachten menschlichen Wesen und die entmenschte Natur einer Ereatur, die man sonst mit „schwachem Geschlecht" zu bezeichnen pflegt. UnS hier in Verwünschungen zu ergehen oder gar der verruchten Mörderhand Flüche nachzudonnern, ist, abzuschen Feuillelon. Memoiren eines jüdischen Seminaristen. Nach den hinterlafsenen Papieren seineverstorbenen Freundeerzählt von Adolph Kohut. BrcSlau, 3. August 1870 _I. ____ „Ich habe wohl die Ehre, den Herrn Direktor, die „Zierde deS Zeitalters," die „Krone Israels", den großen Mann, dessen ruhmvoller Name „duftender ist wie das duftendste Del," den „Berge-Zerschnictterer", „Fclsen-Entrücker," das „leuchtende Licht der Welt" vor mir zu haben?" So sprach ein blutjunger, schlanker, intcrcffantcr junger Mann mit sonorer, aber wie es schien — gewaltig erregter Stimme zu einem kleinen, ein wenig dicken Mann, mit eisgrauen, wenn auch sehr spärlichen Haaren, kaalcn Schädel, grünen Augen und einem kindlich lächelnden Munde. „Ja doch ja" antwortete der als „Direktor" angcrcdctc alte. Herr, „ich bin allerdings der Direktor F . . . ., eS freut mich, daß Sic gekommen sind. Ihr Bnider, der Rabbiner und Prediger, sprach schon die Bcsorgniß aus, daß Sic als H e i ß s p o r n vielleicht nicht in unsere Anstalt sich fügen werden. Sic sollen gar schriftstrllcrn und daS ist — ja doch ja — sehr hciklig; die Literaten find, wie Sr. Excellenz Graf B i S m a r k richtig sagte, „katilinarische Existenzen", oder wie man in unserer GcburtSstadt Pr . . sagt, „Lumpe l" Ja, Lumpe find s. Vagabunden, und dabei, wenn auch hie und da talentirt, sehr oberflächlich und keck und arrogant!" — — von der Zwecklosigkeit derselben, hier nicht am Platze und ist eS dem Arme der irdischen Gerechtigkeit anheim gestellt, dem die Verbrecherin bereit« überliefert ist. über die Schwere de« Verbrechen« zu entscheiden und dasselbe zu richten. Wie leicht aber ein Menschenleben von der Hand eines entsittlichten Weibes aus dem Leben geschafft werden kann, wie eS in der Furcht vor der Strafe nicht einmal zurückschrickt, da« geforderte Opfer zu zerstückeln, um eS leichter vom Thatorte zu entfernen und den Verdacht eines so gräulichen Verbreche»« von sich ubzuwälzen, mußte leider in dem alten schwächlichen Weibe demonstrirt werden, dessen Mühen und Sorgen um den täglichen LebrnSbedarf mit nicht« Besserem belohnt werden sollte, als mit einem so schrecklich tragischen Ende. Liebt man es doch noch heute dem geringsten Vergehen eines Juden damit rin lebhafteres Eolorit und ihm ein gewisses Relief zu verleihen, indem man dem Urheber desselben daS Atribut „Jude" vorzusetzen und des einen Juden „Nur Lumpe sind bescheiden" geehrter Herr Direktor!" rief ironisch der junge Mann dein heftig geslikulirenden. ärgerlichen Direktor X . . . ., der mit seiner iii schlechtem öfter, rcichischcm Dialekt vorgetragencn Philippika »och keineswegs zu Ende zu sein schien, in die Rede fallend, der große deutsche Dichtcr sagte ja dieses geflügelte Wort. das nur Recht in Buchm a u n s fliegenden Wörtern Aufnahme gesunden; und Lu. Hochwürden meinen dennoch, daß die Lumpe arrogant sind 7" „Großer Gott!" rief JE.am ganzen Leibe zitternd „wisien Sic, mit wem Sie sprechen? Ich bin O b c r r a b b i n e r. a u h e r D i e n st c n, Direktor. Mitglied der deutschm vkH e n l^ wd4s che n Gesellschaft z» Leipzig und H a ll e, Perfasier von Kerken, die ganz genau, m einem Umfang von 500 Rieß Druckbogen, historischkritischchronologischphtlologisch, analhtischstmthetisch" die Abstannnung, de» Geburtsort, die Thatcn und Lebensjahre der zwei Frauen L e in c ch s angeben, die ganz exakt beweisen, aus welchem Holz die Arche N o a ch S gebaut war, wie oit Ihre Exeellenz d.c Frau Ministerpräsident Pot ip har in Egnpte» Mäntel entivendct, in» nach Ernst D o h in, init denselben ein A l » l für Obdachlose j üd i s ch c Sc m i n a r i ft c n u> verdecken'). Ja. das Seminar — bin Jchl"- Der junge Mann war ob feines etwas vorlaute» ÜitalS erschrockcn, und als er den Herrn Oberrabbiner dermaßen wütlien sah, erbleichte er ein wenig. aber bald lrfiicn der Sarkasmus, den das charakteristische Lächeln »»> die mit einem jungen Flau», bedeckten Oberlippen z» ocrrathrn schien, die '7berl>a»d zu erhalten und mit klarer, kräftiger Stimmt sagt er Verzeihung, hochwürdigrr Herr Direktor, wenn ich nur herausnahm einem so grsßen Manne gegenüber den „M u t h einer Meinung" haben zu, wollen! Aber ich koinme a»S einem Lande, wo seit dem für *) vgl- „Gegenwart." Sir. 20 d. I Der Vers.

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