Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 31 (29.7.1870)
- Date
- 1870-07-29
- Page
- Seite 288 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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288 *e>, die jetzt in Arm mit ihrem Latein zu Ende sind und delanvtlich Papst und Evncil durch die Erwirkung dedekannten PostulatumS an die Juden lächerlich gemacht, lassen hie und da in Paris in aufreitzenden Pamphleten von sich hören. Eie fordern in denselben die Juden förmlich zu literarischen Diskussionen heraus, um durch Replickenin derkathalifchen Welt von sich reden zu machen. Die Juden sind kkug genug zu schweigen. In Nrw-kjorK wurden drei Juden, Albert Cardoze, Josef Kock und Philip I, Joachimsen zu Richtern gewählt. Vickaburg. Die erste Synagoge im Staate Miffissipi »arde am 20. Mai in BickSburg unter großer Feierlichkeit «i^eweiht. Am 0. Juni bereiteten die Israeliten Algier» dem wegen eines Prvcrsses dort weilenden Herrn Cremicux. ein glänzendes Fest, welchem über 5,00 Personen anwohnten. ES ist der allgemeine Wunsch der jüdischen eingeborenen Israeliten Algeriens, die französische Naturalisation zu erhalten. Damasku». Bor Kurzem starb dahier der in Syrien allgemein geachtete aber auch in Europa bekannte Joseph EliaS. Nicht bloS die Juden trauern um diesen verdienstvollen Mann, sondern auch die Ehristen und Muselmänner, bei denen er in hohem Ansehen stand, und dies besonders durch seine strenge Rechtlichkeit; gar oft wurde er von verschiedenen Parteien zum Schiedsrichter ernannt. Er sprach und schrieb 8 Sprachen. .‘50 Jahre lang war er bei dcm österr. Eonsulat ongestellt. Als die Juden von Damaskus der Ermordung von Ehriftenkindern beschuldigt und darum grausam verfolgt wurden, war er eS, der den österr. Eonsul vcranlaßte, zu Gunsten der Israeliten zu intervenircn. In den letzten 10 Jahren war er österr. Evnsul dahier und erst vor einem halben Jahre wurde er vom Kaiser von Oesterreich durch einen Orden ausgezeichnet. In religiöser Beziehung war er streng orthodox. (Libanon.) Kirnst, Thkalrr und Literatur. — Der begabte Literat Ignaz Reich beschäftigt sich mit der Herausgabe eines isracl. Jahrbuches „Bct-Lcchcm" genannt zur Beförderung des Ackerbaues, Handwerks und der Industrie unter den Israeliten Ungarns. Der Inhalt soll, so «eit unS bekannt gegeben wird, folgender sein: 1. Die Ausschreibung und Lösung von Preisfragen, alS: a) Wodurch kann dem Ackerbau bei den Israeliten Ungarns mehr Eingang verschafft werden? b) Eine Tendenznovclle, dazu angethon Lust und Liebe zur Arbeit überhaupt und zum Ackerbau insbesondere zu wecken. Der Herausgeber bestreitet aus «igenen Mitteln den Preis von fünf Dukaten in Gold. 8. Anregende und didaktische Aufsätze über Ackerbau und Bergwesen. .‘5. Schilderungen ländlicher Scenen. 4. Lebens fkizzen hervorragender jüdischer ungarischer Landwirthe und ndwerkrr (mit Abbildungen). 5. Historisch-Statistisches. Auszüge aus Kanzelreden welche die Aufmunterung zu Ackerbau und Handwerk zur Aufgabe haben. 7. AuSzeichungen verdienter jüdischer vaterländischer Orkonomen, Arbeiter. X. Allgemeine Notizen über Feldbau u. s. w. 9. Poetisches. * L. Die von dem berühmten Rabbiner Herrn I. D. Maroni veranstaltete Herausgabe der „More Nevuchim" in italienischer Sprache findet allgemeine Unterstützung und Simpathie, und deren baldigen Beröffentlichung sieht man «it Vergnügen entgegen. — In Mailand macht gegenwärtig Heinrich Ketten in seinen Eoncerten auf der Violine große Sensation. Schon als achtjähriger Knabe erregte er allgemeine» Erstaunen. Ebenso gefallen die Opern „Le educande •di Sonvnto“ und „La Scomessa" (die Wette) beide vom Meister Ussiglio ungemein. Auch die Opern von Jul. Beer, Ilefse de» Mryerbeer, erfreuen sich eine» großen Beifalls. — vom Dr. Ella Rossi au» Ferrara erschien eine „medlzi- »Ische Geografie von Egypten. — Herr Professor G. Eisenstädter veröffentlichte im „Offervatore Tristino* einen Bericht über die Juden in China, Arabien und anderen Ländern, mit nicht geringer Gelehrsamkeit und kritischer Beleuchtung, worin nachgewiescn wird, daß sie Abkömmlinge der Assereth Sclievatim o*B3P m«y wären. Vom Mchertische. Israelitische Moral-Theologie. Vorlesungen von Samuel David Luzzato Professor an dem Rabbiner-Seminar zu Padua rc. Aus dem Italienischen übersetzt v. Dr L. E. Igel Landes Rabbiner der Bukowina zu Ezernowitz. Neue AuSg. Breslau 1870. Schletter'sche Buchhandlung (H. Skutsch.) Im Jahre 1862 erschien zum ersten Male vorliegende» Werk als Original in italienischer Sprache unter dem Titel: Lezioni di Teologia Morale israelitica und im Jahre 1870 hat es sich Herr Dr. L. E. Igel zur Aufgabe gemacht, jenes Lehrbuch, das den gefeierten Luzzato zum Verfasser hat, in die deutsche Mundart zu übertragen. Die Aufgabe erscheint jedenfalls nicht nur als eine dankbare, sondern auch als eine verdienstliche, insofern als dcm deutsch lesenden Publicum geboten wird, den Werth jenes Werkes zu ermessen. In demselben ist die so oft entstellte und mißverstandene Ethik des Judenthums förmlich geklärt, die hie und da kolportirten unrichtigen Anschauungen, in Beziehung auf den ethischen Theil der israelitischen Religionslehre sind gründlich widergelegt, wie es eben bei dem großen Gelehrten Luzzato nicht anders zu erwarten war. Einen vorzüglichen Anhaltspunkt bietet die „Israelitische Moral-Theologie" beim Unterrichte der mosaischen Religion, zumal in derselben die höchsten Wahrheiten in biblischer Einfachheit vorgetragen und die auf Bibel und Talmud beruhenden jüdischen Moral-Principien wahrheitsgetreu dargeftellt sind. Entgegen der Behauptung, daß jede in den rabbinischen Schriften ausgesprochene Ansicht die im Widerspruche mit den Principien allgemeiner Menschenliebe und Duldung erscheinen konnte, den unglückseligen Zeit- und Ortsverhältnissen, in denen die damaligen Rabbinen gelebt, zugeschricben werden müsse und als mit dem biblischen, so wie auch traditionellen Judenthume im Gegensätze steht, anerkannt werden müsse, war der Verfasser darauf bedacht, den mit philosophischer Schulbildung versehenen Jünglingen, die natürliche oder philosophische Moral in Grundzüge zu entwerfen, und die zwischen der philosophischen und der religiösen Moral bestehenden Relationen anzudeuten. DaS Werk zerfällt in zwei Theilen. Der erste derselben enthält »die allgemeinen Pflichten und zwar die negativen und positiven Pflichten, der zweite Theil bespricht die besonderen Pflichten von den Eheleuten, von den Eltern, von den Kindern, von den Brüdern und anderen Verwandten. Gelegenheits-Predigten jüdischer Kanzel« rcdner. BreSlau Schlettersche Buchhandlung (H. Skutsch) 1870. Zweiter Band. ConfirmationSreden nebst einem Anhang: GlaubenSbekenntniß und Redm für die Confirmanden von Jakob Freund Lehrer an der Religionsschule der Synagogen-Gemeinde zu BreSlau. Einem namentlich in Lehrerkreiscn sich geltend machenden Bedürfnisse an ConfirmationSreden, die gewissermaßen al» ein Zweig der Homiletik anzusehcn find, hat der Verfasser mit vorliegendem Werke, das der Verleger geschickt in die GelegenhritSpredigten zu raugiren wußte, so ziemlich abgrholfen. Abgerechnet von der zweckmäßigen Einthrilnng der