Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 29 (15.7.1870)
- Date
- 1870-07-15
- Page
- Seite 267 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie wenig eS des Zündstoffes bedurfte, die in einer verzehrenden Eifersucht ihre» Grund habende Feindschaft Frankreichs gegen Preußen zur Flamme der Vergeltung emporzulodern, ist nicht schwer zu berechnen und zu erklären, daß der leidende Mann an der Seine nur auf dm Moment wartet, in dem ihm Gelegenheit geboten ist, dem eroberung-- füchtigen Preußen den Handschuh hinzuwerfen. . Spanien scheint sich auch nicht mehr der Republik zu freuen, eS will einmal wieder zur Abwechslung den zertrümmerten Thron IsabeüaS Zusammenzimmern, um Ms demselben einen „König mit Roß und Schweif* residiren zu sehen. Mit der so wichtigen Aufgab«„ ein Königreich für einen König* zu schaffm, schien sich der spanische General Prim selbst betraut, und Geschmack an einem deutschen Fürsten gesunden zu haben, der die Schwere eines spanischen ScepterS empfinden und den Begriff erfaffen sollte, wie eS deutschen Fürsten spanisch vorkomme, auf der iberischen Halbinsel zu regieren. Der Thronprätendent sollte, ob durch Einfluß deS preußischen Königshauses und seines Generalkanzlers Bismark, sei hier nicht am Platze zu erörtern, ein Prinz auS der Hohenzollern'schcn Familie sein! 'I - ' Ein Hohenzollern auf dem spanischen Thron l V .-.1•>•«*. Das Nang dem Napoleoniden wie furchbare Rachtmuftst?.>..?.^ das schien der „grande Nation* ein Schrecknis, der thre^o»- Aufmerksamkeit von Ollivicr und Jules Favre adnah hinüberlenkte jenseits des Rheins, wo man schon diS Geraffel der Säbel, das Wiehern Pulverdampf riechender Raffe zu vernehmen glaubte. Spanien sollte der Zankapfel, Gewehrgeknatter und Kanonaden die Antwort werden, die sich zwei Mächte auf ihre Streitfrage geben. Und koche auch hie und da i« spanischen Vulkan die freiheitliche feurige Maffe, habe auch Eastelar den Madrider EorteS, als sie die Behauptung qufstellen wollten, nicht die Kirche, sondern die Civilgewalt habe die Ketzer getödtet, geantwortet : „Dies ist, wie wenn ein de- Mordes Angeklagter sagen wollte, nicht er, sondern sein Dolch habe gemordet; die Inquisition war der Dolch der Kirche,* habe auch er de« Cortes zugerufen: „Groß ist die Religion der Macht, aber größer ist die Religion der Liebe, groß ist dir Religion der unversöhnlichen Gerechtigkeit, aber noch größer die Religion deS Mitleids und des Verzeihen« und ich komme im Namen dieser Religion, welche die euerige sein sollte, im Namen eueres Evangeliums, um von euch zu verlangen, daß ihr an die Spitze eueres Gesetzbuches die Religionsfreiheit schreibt, d. h. die Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit für alle Menschen!,* -FeuiUktinn- König Pharao und sein Hof. Lin ungedruckte» Fragment an» einem noch ungedrucktrren Roman, von Ernst Dohm. (Wie eine berliner Zeitung mittheilt, hat eine der fluchtdringendsten deutschen Dichterinnen von dem Bizekönig von Egypten eine äußerst schmeichelhafte Einladung nach Egypten erhalten, um dort die Vorstudien zu einem Werk über daS Land der Pyramiden zu machen. Bon diesem Werk, welches den obgenannten Titel „König Pharao und sein Hof* führen, und besten erste Serie vorläufig auf 77 Bände angelegt sein soll, ist der, „Frank LeSli ill. Zeitung* durch kammrrjuugfräuliche Indiskretion ein Fraginent — eS ist dem I2S. Kapitel de» ersten Bandeentlehnt — zugekommen, durch dessen, Veröffentlichung wir un» den Dank de» gekehrten Publikum» zu verdienen hoffen.) -Inzwischen war e» später geworden. Die Sonnenuhr der benachbarten Pyramide schlug drei Viertel auf Sech», und der Schatten der grgenüberstehrnden Obelisken, welcher eine halbe Stunde zuvor kaum da» Fensterfim» ttaf, hatte fich so verlängert, daß er die Nasenspitze de» Apollo von Belvedere, der in einem lauschigen Winkel neben der Tauseusr stand, berührte. Lin magffche» Clair obscur tönte die Farben der Tapeten geschickt ab zu wohlthuender Harmonie mit den wollüstig berauschenden Wohlgerüchey, mit welchen die AtmosvbLre de» Boudoir» parfütnirt war. „Drei Viertel aus SechS I* seufzte sie. in nachlässiger Stellung auf die Causcuse hingcstreckt. „Roch eine Dlertelstunde l Ob er wohl I kommen wird?* Bon einer nicht zu bewältigenden Unruhe erfaßt, warf fie da» Buch, in welchem fie la». bald aus den Marmortisch, bald nahm fie daflelbe wieder zur Hand, um e». nachdem fie einige Minute» gedankenlosen Blicke» auf die bedruckten Seiten geschaut, von Neuem au» der Hand zu legen. „Die arme Madame Bovary*. lächelte fie mit einem halb mitleidsvollen, halb schadenfrohen Achselzucken. „Wie konnte fie aber auch-* 2n diesem Augenblicke wurden leise Schritte von dem Korridor her vemehinbar.! „Lr ist e»I Lr ist e»I* ries sie leidenschaftlich erregt. „Ich! will ihm ein Zeichen geben, daß -r. dem Tone folgend, die gehriinr! Thür auf dem dunklen Gange nicht verfehle^* Mit diesen Worten nahm ste dir Guitarre von der Wand, stimmte dirselbk. räusperte fich rin wenig und sang nach einigen., präludirenden Akkorden mit tiefem Gefühl: > „Einia« bin ich, nicht alleine * I Bei dem sünflen Takt öffnete fich mit einem leisen Drucke die geheime Thür in der gegenüberltegenden Wand. Schüchternen! Fuße» trat er ei», und mir zu Boden grsenttem Auge blieb er beklommen an der Thur stehen, welchr flch »on seidhinter ihm schloß.