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Die Gegenwart · 1870-07-08 · 28 (8.7.1870) · p. Seite 259

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
28 (8.7.1870)
Date
1870-07-08
Page
Seite 259 (sequence 1)
Language
German
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SRan aßownirtfür Prag r Ganzjährig p. 5 — Halbjährig „ 2.50 vierteljährig,, 1.80 Mit Postzusruduug: Ganzjährig fl. 5L0 Halbjährig „ 2.75 vierteljäbrig „ 1.50 Für- Ausland: Ganzjährig 4 Tblr. Halbjährig 2 Tblr. Inserate werden billigst berechnet. ' Die Gegenwart. Israelitische Wochenschrist für politische, sociale und religiöse Iutcreffeu. «Erscheint an jedem Jreitag. Rrdaltia» ». Nbwi» »istratloa Prag, Ritter»,sie Ar,. 408-l wadi» a>e Briese ». Geldsendnngrn z> richten sind. j Zulchriste» »erde» franco erdete», nnskriptr wrrden Nichtverwrnduag L[ Brrlangro jcbo- «nsraukirt zurück» stattet. Nr. 88. Prag 8. Juli 187V. ///.Jahrgang. Nach den Wahlen. DaS Resultat der böhmischen Landtagswahlen so wol in den Land» als Städtebezirken ist ein für die böhmische Ration überaus glänzendes zu nennen, die abermals den Beweis liefert, daß ihr Bertraucu zu ihren Mandataren nicht gesunken, ihre DiSciplin nicht gelockrrt, ihr solidarisches Vorgehen dasselbe geblieben ist. Die böhmische Nation geht stets aus neuen Kämpfen gekräftigter hervor, sie ermüdet nicht unter den künstlichen Experimenten, die mit ihrer Zähigkeit und Ausdauer angestellt wrrden. AuS den ftattgefundenrn Wahlen mögen die Israeliten eine neue Lehre gewonnen haben und die Ansicht einiger mit der Vernunft bankerott gewordenen politischen Harlekins, als wäre Bödmen ein deutsches Land, für ein der Tnmmhcit analoges Problem erklären. Mit deutscher Intelligenz mögen fie wirthschaften, deutsche Wissenschaft betreiben, deutsche Trinkgelage feiern, gegen solche Liebhaberei wird Niemand ankämpfrn, daS eigene Vaterland aber, dessen speeifisch böhmischer Charakter nickt wcggeleugnet werden kann, an Dcuischland verrathen, wo zwar ein Klopstock, Börne, Lrssing, Valentin das Licht der Welt erblickt haben, ist ein Vcrrath trivialster Naiur, denn mit gleichem Rechte könnte man eine Feuilleton. Jüdische Dieustbotenwirthschast. „3)« Mauern Jericho« sind freilich non den Trompeten der Jude» ei gestll'zt; aber r« geschehen in u»sern Tagen keine Wun"er mehr, und ein vrrnünfiiger Menich sollte > sich schämen zv glauben, daS Grschni der Zeitung könnte das gelobte Land der Frei' heit «öffnen." Ludwig Börne. Auf die Gefahr hin vv» dem Organe der jüdifch-deutschen Clique bcschuldigt zu werden, daß diese» ^ruillctoii der „Gegenwart" von der „Politik" geliefert wurde, um von dieser nachträglich selbst abgrdruckt zu werden, bediene ich mich al» föderalistischer Jude, BörneS aphoristischen Cape», zum deutlichen Zeichen, daß ich aiS ehrlicher Jude mich noch iwmer deS unvergeßlichen Börne erinnere, der doch ein deutscher Jude war. Al» jüdischer Dienstbote der förderalistichen „Politik" könnte ich. wir et Dirnstbotenmanier ist, dem jüdischen Dienstmanne der jndisch-drutschen Clique, so Manche» sagen, wa» Dienstboten mundgeläufig ist. wenn ich. vir jener glaubte, meine Handschuhe wcch-! fein wolltet Wohl finde ich e» von dem Dirnsinianne höchst un- I delikat, daß er mir in meinem böhmischen Hause Männer vorsührt j •fc die Herren: Klopstock. Lefling und Mendelssohn, Humboldt. Zusammengehörigkeit zwischen Bödmen und England Herstellen, nachdem doch Chakce-speares, D'Israeli, Charles Dickens von England aus dramatilche Poesie und engl. Romanliteratu^ nach dem Eontinente und auch nach Böhmen ver» breitet und verpflanzt haben. Die Wissenschaft steht erhaben über die Nationalität'n, sic läßt keinen Unterschied aufkommen > weder im Idiom »och in den verschiedenen Jacher» der Wissenschaft und sie sin et überall Emgana. Wenn der Böhme seine Na'lonalitüt nnd seine Sprache nicht oufgcben, vielmehr seine Literatur pfleg,» will, muß er schon mit der Absicht umgehen, das drnische Idiom aus unserem Vatcrlandc zu vernichten, deutsche Wissenschaft z» perhor» reSciren? Sah man nicht in Prag im Jahre 1 Hf>«J das 100jährige Wiegenfest deS deutschen Dichtersinsten Schillers von Deutschen sowol als Böhme» feiern, ehren nicht die Böhmen in ihren Theatern alljährlich das Andenken t^öthe-, Schillers, deren Dramen sic i»'s Böhmische übertrüge:' und der böhmisäun Bühne einverliibien, gleich den Deutschen, die die Eleistrssrüchtd ChakcepcarcS aus die deutsche Bühne verpflanzte»,' Wer wird da von MajoiitüiSgrliisien der Böhmen sprechen, wer könnte so unsinnig philosophiren, die Böhmen wollten die deutsche Sprache ansroiicn und deutsche Wissenschaft verbannen! Solche boshafte t^edank.» können nur Balcntin, Zu»z und Börne, die doch in Deutschland da» Licht der Welt erblickte» und von denen einige höchst,ns davon z» erzäblk» wußte», daß der große Jritz bei .stollin Fersengeld genommen hat. aber wie wollt, ich cs eine», jüdische» Dienftmannc verargen, der sich vergeblich abinnbi, großd. «tsche!e»drnzen nach an»- gesprochen böhmischen Gegenden zu schleppe», feinem Herrn und Meister zu dienen! Wie r» aber kvinme, jene dcuische» Mäniier auS ihren Grüben! zu wecke», um mit ihnen zu d monstri e». daß die Juden in Böhmen deuisch sei» müsicn, weil .stlopnock »» O-uedlinburg und nicht in Zasmnk Börne in ftrankfnrt »»d^ nicht in Prelauk geborcn, Mendelssohn ein Dcssaucr und kein Easlauer, Lcflingri» Lausitzer und kein Chrudimer waren, schein! mir sa unbegreiflich, daß ich den jüdischen Dicnstinann, drflcn Wiege gleich der melnigen auf dem Boden de» ehemalige» Juden-Gheito S in Prag gestanden, eher für einen Zwük-nier a!S für einen Prager halte. Und wenn ich auch noch heule die Bardieie» und Oden ei ne» ttlopftock» höher schätze al» die gcmcine Prosa de» jüdisch-deutschen Moniteur», wenn ich mich »och heute zu Lefling» Lmilie Galotti hi„gezogkii fühle und mir sei» Pathan weiser erscheint al» alle die schwaezrvihgolde»cii Cchmöckc de» deutschen Lass« Nestaurant, wenn ich auch da» Andenken Humbold» de» unerinüdlichm Durchforscher» der Erde und de» Weltall» hoch ehre, Börne bewundere, für Mendelssohn schwärme, muß denn da» deutsche Baterland für mich größer sein m>d müflrn böhmische Juden deutsch sein, weil dieser unnatürlich» Prozeß in die Dirnftbotrnwirthschaft eine» bei der deutschen Partei Bediensteten paßt?

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