Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 25 (17.6.1870)
- Date
- 1870-06-17
- Page
- Seite 240 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Synagoge circa lausend Personen versammelten, um den Herrn Echorr, der sich soeben mit seinem Chore anschickte, de, Gesang anzustimmen. andächtig anzuhörm, traten der Schulvater und seine Kollegen auf die Kanzel und drohten mit donnernder Stimme, daß Echorr seines Lebens nicht sicher fei, wenn er es wagen würde, zu singen. Es entstand nun ein furchtbarer Lärm und die ganze Versammlung verlangte einmüthig, daß Herr^Echorr vorbeten solle, aber der unverschämte Schulvater hatte, um zu zeigt«, daß nur er hier zu befehlen hat, den traurigen-Muth, allen Anwesenden Trotz zu bieten und sich solcher höchst unschicklicher Worte zu bedienen, daß ich sie hier nicht ansühren kann. Auf einen Wink des Schulvaters packten einige Gehilfen des Scharfrichters den unglücklichen Sänger beim Kragen und warfen ihn unter Beschimpfungen und Schlägen zur Thiire hinaus. Aus Fünskirchen 10. Jnni, wird berichtet: Gestern wurde im hiesigen Spital durch die grauen Schwestern eine kranke Jüdin gewaltsam getauft. Der ordinirende Physikuö bestätigt, die Kranke sei acht Tage lang sprach- und bewußtfe« gewesen und ist heute Nachts gestorben. Ausland. Hr. Baron AlphonS von Rothschild in Pari» ist zum Präsidenten der 7. Klasse der internationalen Ausstellung, welche im Jahre 1871 in London stattfindcn wird, ernannt worden.— f r. Dr^ Wilhelm Eahn, glwandtrr Urbcrsetzer beim Civilribunal an der Seme und geschworener Uebersrtzcr am kaiserlichen Hose, wurde auf besondere Weise vom Bai von Tunis ausgezeichnet. Er erhielt das Brevet eines Commanbenrs des Nischani-JstilalOldenS. Schon im Jahre 1801 drückte die russische Regierung ihre Zufriedenheit bcimMonstre-Prozcß der falschen russischen BanlbilletS auS und die baierische Regierung ernannte ihn zum Ritter der ersten Klasse des Et. Michaels-Ordens.— Hr. Isidor. Oberrabbincr des Central- Eonfiftorium hatte die Ehre als Mitglied des Ober-RatheS des Werkes des kaiserlichen Prinzen Montag am 25. April zu Diner im Palaste der Tuillericn geladen zu werden. Die Regierung scheint zu beabsichtigen in den Senat auch Repräsentanten des protestantischen und israelitischen Kultus -«lntreten zu lassen, und man hat die Absicht die Wahl der Regierung auf den Obcrrabbiner Hrn. Isidor, zu leiten, «uf einen Mann, der wegen seines religiösen Charakters und «egen der hohen Achtung, die er überall genießt, gewiß den Erwartungen entsprechen wird. — Rach einer vom Hrn. Sanlcy der Akademie der Inschriften und schönen Wissenschaften gemachten Mittheilung datirt sich die erste Niederlassung der Juden in Rom vom Jahre 139 vor der christlichen Zeitrechnung. Ein Text des Valerius MazimuS, vom?>rn. Ferdinand Drlannnen nach einer Entdeckung des Carinal Angrlo Mai wieder hergrftellt, nennt die in dieser Epoche in Rom ansäßigen Juden Anbeter deS BachuS Sabazius. waischcinlich in Folge einer Verwechslung des War' ttl EabaziuS mit dem Sabbat oder dem Ewigen Sabaot. — Wir erfahren so eben, daß dem Gerichte noch Hr. Ad. Frank, der berühmte Professor am College de France, Vicc- Präsident des CentralConsiftoriumS in der nächsten Reihe Her neuen Senatoren fein wird. - Herr Oberrabbiner Jsiveröffrntlicht einen Hirtenbrief und ein Rundschreiben, den «ir auch nächstens zu bringen hoffen. — Herr Maximilian KöuigSwarter jp Pari», ehemaliger Depntirtcr deS Seine- Departements, hat die erbliche Baronöwürde erhalten. ES ist der erste Jude, dem in Frankreich diese Auszeichnung zu Theil wird. Die ifraelit. Gemeinde in Bar-le-Duc beabsichtigt einen Tempel zu bauen; sic hat bereits eine Summe von 3600 Frcs beisammen, die Stadt gibt eine Subvention von 3000 FrcS, und man erwartet auch eine Kostenbeistruer vom «Staate. Der WohlthätigkeitSverein der ifraelit. Jugend, der Künste und Handwerke in Bayonne vereinigte sich am 30. April um die jährliche Prritvrrthcilung an ihre Lehrlinge vorzunehmen. Die dadurch erzielten Resultate hatten den gewünschten Erfolg. Die Ziehung der Lotterie der „Kinder ZionS" (nicht wie es früher irrthümlich Lion angegeben wurde) in Colmar hat am 22. Mai im Foyer des Theater-, welches auf geschmackvolle Weise zur Disposition deS Vereins vom Maire dieser Stadt hergerichtet war, stattgefunden, der Besuch war sehr zahlreich und eö fand bei dieser Gelegenheit ein kleines Ldnzcrt statt. — Die Einnahmen des WohlthätigkeitSverrinS dieser Stadt betrugen vom 1. Jänner bis Ende April 1870 2(93 FrcS und die Ausgaben 3632FrcS. London, Mai. Die englische Judenbekehrungssucht schlägt immer neue Wege rin, sei eö um wirklich Proselyten zu machen, sei eS um auch nur ihre Traktätchen in jüdische Hände zu spielen. Neuerdings haben jüdische junge Damen Briefe ohne Unterschrift erhalten, worin „eine alte Dame, welche Sie nie gesehen hat", die Empfängerin bittet und zu Gott betet, daß sie die inliegenden Schriften lesen möge. Die bekannten Phrasen sind in süßester Ueberzuckerung reichlich gebraucht, eindringliche Bitten, Schmeicheleien sollen „die lhenre Seele," den „süßen Darling," bewegen, doch zu lesen, rS gilt das Heil der Seele u. f. w. Judcnhctzc in Aumänien. Unsere Stadt so läßt sich da» „Frrmdcubllttt" rvm 2. Juni berichten, Bottnfchan war vor einigen der Schauplatz einer Judenhctze nach mittaltrrlichcn Styl, die nieder zuschreibcn, die Feder sich sträubt. Schon seit längerer Zeit gährt eS unter der hiesigen christlichen Bevölkerung, wie allerorts in Rumänien und namentlich sind es die Herren Studenten, die Träger der Eivilisation, die sich mit dem Gedanken herumtragen, die Juden sammt und sonders auözurottrn. SamStag am 28. v. M. um 9 Uhr Abends rotteten sich Pöbelhaufen in den von Juden meiftbewohnten Elraßcn, unter Anführung der Herren Studenten Radu, Christofor und Argenti, zusammen, und begannen ihr blutiges Handwerk. In fast allen von Juden bewohnten Häusern wurden die Fensterscheiben eingeschlagen, wer auf den Straßen sich befand, wurde arg mißhandelt, gestoßen und mit Füßen getreten, dann drangen die rohen Massen in die Häuser und hausten fürchterlich, weder auf Geschlecht noch auf Alter wurde Rücksicht genommen, Greise und Kinder wurden erbärmlich zugerichtet. Dies dauerte bis Mitternacht, der in Strömen niedcrfallendc Regen machte dem Gemetzel ein Ende, aber der anbrcchende Tag sollte den Juden neue Qual und Angst bringen. Um 6 Uhr Früh schon versammelten sich die VolkSmaffcu mit den Anführern an der Spitze-und begannen auf's neue, als zweite Auflage, ihr Treiben. Mehrere Juden wurden schwer verwundet, darunter auch der wohlhabende Fiakerbcsitzer Herr Solomon Gugu, welch Letzterer feinen Wunden bereits erlegen sein dürste. Dessen Sohn, der den alten Vater vcrtheidigen wollte, wurde verhaftet. Auch die löbliche Polizei hat mit Hand angelegt. Ein israelitischer geachteter Kaufmann, Namens I. Reicher, der es wagte, an den Herrn Polizeipräfectrn C. Placa die Frage zu richten, warum auch dieser selbst Steine in die jüdischen Häuser werfe, wurde verhaftet. Der von Jassy hcrgckommene General - Prokurator hat zwar formell den Herrn Polizeipräsektrn seines Verhaltens halber zur Rede gestellt, worauf der Hüter der öffentlichen Ruhe die kurze und bündige Antwort gab, er habe drßhalb den Pöbel mit Stciuwerfen beschäftigt, um ihn vom Blutvergießen obzuhaltrn. (?) ker accjamatiooem wurde die Vertheidigung des patriotischen Rumänen ausgenommen, und der Kaufmann verblieb in Haft, und dies darum, weil er das gesagt, was ja der Herr Polizripräfekt selbst zugestand. Von dem Bojarenthum s»üen an dem Aufruhr die Herren Gebrüder Roset, Gebrüder Caruso. Advokat MicleSco u. A. An theil genommen haben; auch Kvnrad de Ecotto,