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Die Gegenwart · 1870-05-13 · 20 (13.5.1870) · p. Seite 191

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
20 (13.5.1870)
Date
1870-05-13
Page
Seite 191 (sequence 1)
Language
German
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Man abonnirtfür Gaarjährig fl. 5.— Halbjährig „ 2.50 vierteljährig^, 1 30 Mit Postzusendung: Saazjäbrig fl. 5.50 Halbjährig „ 2.75 Biertrljährig „ 1.50 Fürs Ausland: Gaazjährig 4 THIr. Halbjährig 2 Thlr. Jsserate werde» billigst 'errechnet. Die Gegenwart. Israklitischk Wochenschrift für politische, sociale mijb religiöse Interessen. «Erscheint an jedem Freitag. Rrbaftia» ,. Nb«j. niftratia, Prag, Mit« tergafleRr». 408—1 wohin alle Briese «. Geldsendungen zu richten sind. Zuschriften werden sraneo erbeten. Ma. nuskriptc werden bei Nichtvrrwendung auf Verlangen jedoch unsrankirt zurüikersiattrt. Ar. 20. Prag 13. Mai 1870. ///. Jahrgangs Offenes Schreiben an die h. K k. Stalt- . Halterei in Prag! Als Cr. Majestät Kaffer Ferdinand der EKitige die die böhmischen Israeliten so sehr drückende Judcnslencr aufzuhcben geruhten, da wurde dieser ^nadcnatt, mit dem das Princip eines knechtischen Tributes durchbrochen ward, mit Jubel begrüßt und die Israeliten glaubten nun, die mittelalterliche Scheidewand, die sic von der Eivilisation getrennt, sei für ewige Zeiten weggcränmt. Mau verlebte nun Deccnnicn in dankbarster Erinnerung an die erhabene Idee, mit der das Jsolirungssystcm für immer beseitigt erschien. Allein, wenn wir eine h. 1. k. Statthaltcrei versichern dürfen, daß in Prag eine Judcnstcur' noch immer rxistirt, die wohl einen andern Namen adoptirt hei,, aberin der That noch drückender als jene ehemalige Judcnsteuer ist, die den Israeliten das Brandmal der Zurücksetzung anfgc drückt hat, so möge sich die h. k. k. Statthaltcrei nickt wundern, sic rxistirt in der That noch, nicht als eine bloße Fiktion, sonder» als eine nicht wegzuläugncndc Thatsachc, und führt auch diese nahe;« zur unerträglichen Vast gewordene Steuer, den weit milderen Namen EuIluSstcucr, so unter- > scheidet sich diese von der ehemaligen Judcustcuer gar nickt, j Tie h. k. k. Statthaltcrei wird wohl wissen, daß die Prager Enltusgcmcindc eine Vertretung hat, die wohl den CultuS d. h. die durch denselben bedingten und gebotenen Interessen zu vertreten har, aber leincSwegs berechtigt is der-t^erneiirde dmch-die^Erhainmg cfTmr Amrslairzlci^ derc Köstcnpunlt dein der Bedürfnisse der EKincindc rast gleich kommt, eine Vast aufzuburdcii, durch welche die Enltnsstcucr rn einerchra l oiiirdi eir^Nnvß reg el geliwrdcm sst. Die Eultus-^emeindc Bertrelring hat sich zur Verstärkung ihres Anhanges verschiedene Kommissionen ernannt, unter denen die Stcueruinlagskommission die rührigste aber auch die cmpsindlichstc ist. Sie ist, da sic nicht von der We* mcinde gewählt, aus Elementen zusammengesetzt, denen jede Personaltcnntniß fehlt, ui.d nur die Vöillkiihr der Maaßsiab ist. von dem die Bcstcucrnng abhängig gemacht wird. Daraus ergibt sich zuweilen ein Unfug in der Bestcnerniig, der die Anmaaßnng der Stcucrkommission charaklcrisirt, mit der dieselbe sich ciiühnt, fremde Verhältnisse zu benrtheilen, und dadurch einen EcnsuS zu schassen, der jeder Proportion' ans dem ZVcge geht. Dhnc sich von den betreffenden Parteien insoriniren zn lassen, ob mitunter böswillige Dcnnneiolio», mit dem faktischen VcrmvgcnSslandc der Steuerträger »bcrrinstimint, steuert die Kommission nur darauf los und der Nesrai» lautet: «Ihr müsset zahlen und wenn Ihr nickt zahle» könnt, meldet ihr gepfändet," weil wie es der h. I. l. statthaltcrei bekannt fein dürfte, der E.EVN. seiner Zeit dir Erekntivc ein geräumt wurde. Nun durste uns die h. k. t. Statthaltcrei die Einwendung machen, warum die sich so »»gerecht besteuert glaubenden Eontribncntcn nicht rcllamirrn. Daraus FruiUcton. D08 Ghetto von London. < Schluß.) Doch wir müsscn weiter. denn die wenigen Cekunden, die wir slill gestanden sind, haben n»S schon einige nickt eben besonders angenclinie Rippenstöße cingebrackt. Vir sind keine zehn Schrille vorwärts gekonnnc». da schlägt unö der Geruch von Vcdcr, wie er ans den Lclmstcrläden zu dringen pflegt, rntgrge»; aber er ist hier so kigentliüinlick, daß wir ihn fast mit Modergeruch vcrwcckscln könnte». Ein riesiger Hanse alter, zcriflcncr Schube und Stiesel liegt vor einer Thür ankgerbüriiit zum Verkaufe auS. Wohl wisse« wir, daß aus Vumpcii Papier gemacht, a«S alttn Tucklappen wieder Wolle gesponnc» wird, aber was ans alte», zerriffenen und halb vermodertcii Stiefeln »ock zn machen sei, versteht nuscr arineS Gehirn nicht, »iid dennoch kvilnril dies nicht nutzlose Dinge sein i der Jude ist ini Handel kein Narr. Aber dem mag sein wie ihm wolle, sicher ist R e i ch t h n m nicht in dem Artikel zn holen. Nebenan ist eine Kleiderhandlnng. Über dem Thorr hängt ein englischer Offizier, d. h. eine Figur als eugljicker Dst'izier gekleidet, »eben dicier ei» indiicker Mantel und Dolck: ein österreichischer!>ckako und Watsemock »eben der preußischen Pickelhaube. eine russische .stnuie und .stosakeminihe »eben einem verschnürten Roet und enrbau. .stürz anS aller HMeu '.'andern sind hier -stostinne zu haben; . es ist ein inlernalionales .stleidermagazin. Pom schleckten staitan bis zum seinen pariser Salonro.k ist alle» zu haben, und natürlich stets nutrr de>?tviie: ^\'«*ry •'ood aml very eheap.“ Als Illustration z» dieser Devise horte» ivir >cmaiid neben uns klagen, daß der Rock, den er gestern kur zehn Schilling gekauit, die Farbe gänzlich verloren hätte, als er vom Rege» durchnäßt worden, Ja, gciarbt ist Vieles in der Welt warum fall ein grauer Roä nickt braun gciarbt sein und em englischer Gimpel nickt einmal in der Pclieoal Vmic blau aulanse»? Wo für den äußer» Menschen so, herrlich Sorge gctrageii wird, muß nothN'kndiger Weise sich auch di.e Herstellung des iuucren Mcusche» harmonisch anreiben. Deslmlb hat auch neben einem der .stleiderinagazine ein koscherer Gastwirth seine „koschere .stäche" ausgeschlageu, und dickt daneben kann mau auch „koschere» ,Fleisch" kaufe». An tineul Fenster de» gegenuberslkhende» HauleS hat man die Ausstattungsstücke d-s sroininen Fudcn ausgelegt, Gebetbücher, Tefilin zGebctricincn), Zizis tSchausädcn), Mesusoth tPfostcnsprüche) und Tult'Silu (Gebetuiäutkl). Neben dicsei» heiligen Waarenlager des auserwählten Volkes hat in höchst profaner Weise ein«

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