Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 18 (29.4.1870)
- Date
- 1870-04-29
- Page
- Seite 173 (sequence 1)
- Language
- German
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4R«k «fcownirtfir Prigr «•■Jjftrie fl. 5.- HlbjShrig „ 2.50 Biert-ljährig,, 1.80 Mit Postznseodn»,: Ganzjährig fl. 5.50 Halbjährig „ 2.75 vierteljährig,, 1.50 Für« Ausland: Ganzjährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Inserate werden billigst berechnet., Nr. 18. Gegenwart Nebattlan n Ad* niflratir» fiep, W lergafleRr«. 408—l wohin alle Briefe n. Stlbleabnnge, ,n richten find. Zuschriften »erben franco erbeten. Ra- Israelitische Wochenschrift für politische, sociale und religiöse Intereffcn. Erscheint an jedem Freitag. nnskripte werben bei Richtvrrwenbnng anj Brrlangrn jedoch/ unfrankirt zuriicke stattet. Prag 89. April 1870. ///.Jahrgang. Paulus Cassel. Schon mancher Paulus ist ein Saulus geworden und hat mit seiner Bekehrung die Welt überrascht, wie sollte es dann Wunder nehmen, daß Seel i g Cassel, Paulus Cas» sel geworden und heute daran geht, den vielfältigen Erfindungen des 19. Jahrhundertenoch die eine anzureihen, mit der die Theilnahme der christlichen Gemeinde an der Judenmission erweckt und in reicherem Maaße gemehrt werden kaum Zu diesem Zwecke sollen, wenn eS, während wir dieses schreiben, nicht schon geschehen ist, sämmtliche deutsche Gesrllschaf. ten zur Beförderung deS ChristenthumS unter den Juden in Berlin tagen und zwar auf Einladung der Gesellschaft, deren Präsident der Exminister von Westphalen ist und unter besten Vorstand sich eine Schaar der strenggläubigsten evangelischen oder richtiger lutherischen Geistlichen, darunter der unermüdliche Knaak, befinden. Wenngleich upS das Resultat der Beschlüsse in diesem Congresse noch nicht bekannt ist, so können wir denselben mit Bestimmtheit das ungünstigste Prognostikon stellen, da» sich, wie eS einem so jämmerlichen Projekte gebührt, mit einem brillanten Fiasko identificiren ließe. Professor Paulus Cassel, dem der Besitz eines großen Capitalvon Gelehrsamkeit nicht abgestritten werden kann, schien sich als Jude nicht seelig zu sein, darum mußte aus dem jüdischen SauluS ein evangelischer Paulus werden, der in seinem religiösen Hazardspiele entschiedenes Glück hatte, wenn man mit demselben gute Einkünfte bezeichnen soll. Die Eitelkeit mancher Menschen wird oft zu sehr bis an die Spitze getrieben, daß sie mit Handumdrehen die Religion, insofern sie mit jener kvllidirt. Feuilleton. Plaudereien (zweite Folge) V. Der Wcttcrwcndcrischc April neigt sich feinem Ende zn und der honigsüße Wonnemonat hält in kaum acht und vierzig Stunden seinen Einzug, dem schon die grünenden Fluren entgegen lachrn, die Lerchen mit ihrem lieblichen Gesänge entgegentönen und die Nachtigallen in den von den Strahlen der Sonne umsäumten Hainen cntgegenschlagen, Alles freut sich der wirdrrkehrcndrn Entwickelung der Natur, die Ameisen gehen an ihre gewohnte Thätig. keit, der bunte Schmetterling, hält seinen ersten AuSstng, der Käser durchschwirrt die Lüfte, die Spaßen zwitschern daalte Lied, der Gimpel selbst schwatzt und rege- Leben entfaltet sich auf dem großen Markte der Natur. AlS ich noch ein kleiner Zunge war, regten sich schon in mir wie einen Micthling, der sich nicht rentirt, auihrem Seelcngebäude hinaus werfen, um rin e andere rentablere Religion aufzunehmen. Professor Paulus Castcl, ein eminenter humoristischer Redner audem Abgeordnetenhause her bekannt, fand auf der Kanzel jenen fruchtbaren Boden, auf dem die hingestreuten Körner seiner Cloguenz Früchte der Anerkennung trugen und ihn zu dem geeignetesten Manne zu machen schienen, mit der oratorischen Fangschnnr einige schwachdenkendc und wankelmüthige Söhne Israelzu gewinnen. Run die Jagd erzielte äußerst wenig^jüdifchr-^ Wild, zudem wnrden die Plagen der großen englischen JudenmissionS-Gesellschaft je größer desto fruchtloser, da deren Missionäre Heidengeld verschlangen und dem abgcfangenen Prosrlhten kein ordentliche» Profitchen gaben, und man gelangte zu der traurigen jedenfalls kostspieligen Erfahrung, daß jeder getaufte Jude beiläufig eine halbe Million Thaler also tausendmal mehr kostet, als der Berliner HeidenmistionSgesellschaft, so wie c» der Abgeordnete ParisiuS selbst berechnet haben sott. ES sott nun eine zweckmäßigere Remedur gefunden werden, die starrköpfigen Juden, die nicht einmal fürgute Geld biegsam gemacht werden können, 'rumzukriegen. Der Jude scheint sonach doch nicht so arg zu sein, als er von den Christen von Zeit zu Zeit aufgefastt wird, sonst würde man sich doch nicht an ihn herandrängcn, um ihn für sich zu gewinnen. Die Aussicht wird immer interessanter, im heißen Süden wünscht man den Juden und will ihn von der Tiber her unter Komplimenten auf Veranlassung zweier jüdischer Proselyten nunmehr katholischer Priester zn Katholiken modcrnisiren, im rauhen Norden an der Spree will man ihn evangelisch haben; nun beide» wäre in der Thal sehr schineichclhast. doch da die gulmeinenden Bekehrer unter einander nicht einig sind, wird es die mannigfachen Empsindnngen und Gefühle, die der holde Lenz erzeugt und ich bestrebte mich dcinselbc» de» gebührende» Iribut zu zollen. Ohne Geld kein Pcrgnügrn, dachte ich mir schon damal». alS mir mein Lehrer mitdcrStrafe drohte, mit mir nicht ins Freie zn gehe», sobald ich nicht die Regeln der Wortfügung nach Wurst s Lehre ans» Wort auSwenoig hersage oder die Lehre von der Regcl de tri fehlerlos desinire. So mußte ich, um die Natur anbeten zu können, vom frühen Morgen künuneln. n,n Nachmittagda- Eramcn sicher bestehen zu können. Meine Anschannng-weife, war. wi« man sie von einem noch nicht im Denken geübten Knaben auch nicht verlange» kann. unanSgebildet und der SpeknIationSgeist bewegte sich zuin größten Theile, nni die ersten Schoten, ans deneu ich die kleinen süßen Erbsen genommen, nni diese <» verzehreu und jene im Waller kräuseln zn lallen. Ei» »weiter erhabener Gedanke erfaßte die noch wäsierlgen Kirschen, die in Snimnetrie auf einem hölzernen Stäbchen autgepstanzt oder zu einem doldenartigen Bündel zusammengeknüpst waren. Dabei verband ich die Naturwistenschaft mit der arithmetischen Lehre, indem ich die Qualität der Erstllng-stüchte de- Frühlingprüfte und die Lehre von