Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 17 (22.4.1870)
- Date
- 1870-04-22
- Page
- Seite 163 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Man abonnirlfür Prag r ESaizjährig fl. 5.— Halbjährig „ 2.50 vierteljährig,, I SO Mit Postzusenduug: Gaazjährig fl. 5.50 Halbjährig 2.75 vierteljährig,, 1.50 Fürs Ausland: lSaazjährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Inserate werden billigst berechnet. Die Gegenwart. Israelitische Wochenschrist für politische, sociale nnd religiöse Interessen. Erscheint an jedem Jreilag. Rebaktia» «. Ab»t- »iftratian Prag, Rittergafl».?rro. 408— l »obin all^riefe ». Grldsrudungrn zu richten sind. Zuschriften werde» franco erbeten. Manuskripte werden bei Nichtverwrndiiug auf Verlangen jedoch unsrankirt zurücker stattet. Ar. 17. Prag 22. April 1870. '■ ~~ ■■ ... . “^1 III. Jahrgang. Die sehr unglücklichen Juden. Auf Veranlassung der Gebrüder Lcinann, zweier getaufter Juden nunmehr katholischer Priester haben sich f)Ot» Bischöfe aus dien Welttheilen an das ökumenische CSoncil vom Vatikan in einer demüthigen und dringenden Bitte gewendet, „cS möge auch durch eine ganz väterliche Einladung sich an das sehr unglückl'chr Volk Israel wenden d. h. es möge den Wunsch ausdrückrn, daß die Israeliten endlich, müde einer ebenso vergeblichen, als langen Erwartung, sich beeilen, den Messias den Erlöser Jesus Ehr. anznertcnnen, welcher wahrhaft dem Abraham verheißen und von MofeS angeliindigt worden ist und sic mögen so die mosaische Religion vollenden und krönen, chne sie zu ändern." So lautet in Kürze das Postulatum für die Juden, das in Form einer Einladung dem Vatikan entspringen soll. Wie höflich sie auch sonst gehalten ist, bedauern wir und alle unsere „unglücklichen" Brüder derselben nicht folgen zu können und müssen wir uns darauf beschränken, in aller Eurtvisie der höflichen Einladung eine höfliche Antwort folgen zu lassen. Wol haben wir, die wir so glücklich sind „unglücklich" zu heißen, zu einer Zeit unglücklich zu heißen, in der cS zwei Juden vielleicht bedauern, aus dem Kreise ihrer fiüheni Religion getreten zu sein und ihre Rene, ihren Gewisscnbiß damit ertödten wollen, daß ihre früheren Glaubensgenossen, mit denen sie durch das Band der Religion vereinigt waren, ihrem Beispiele folgen sollen, gleich jenen Unglücklichen. in denen der Unglückliche einen Trost sicht, nicht allein zu sein und zn schmachten unter der drückenden Fessel des Schicksals. Wir haben es nicht nolhwendig den römischen Stuhl sammt seinen heiligen jiatns und fiatres mit der unvergänglichen, glorreichen Geschichte der Juden vertraut.zu mache«, da wir bei ihnen die ausgcbreitestc Kenntnis; derselben voraussetzen. Doch so viel sei, um den Zusammenhang zu gewinnen, nothwendig, hervorzuhebcn. daß die Geschichte der Juden eine religiös-politische zu nennen ist, chic sich am füglichstcn in fünf Zeiträumen zusaunnenfassen läßt. Der! persisch-orientalische Zeitraum, indem die Israeliteil unter dem Einflüße fremdartiger religiöser Ideen einen hierarchischen Staat unter der Leitung eines Hohenpriesters und einem Hohenrathe, dem Sanhedrium bildete», dergric , ch i s ch - oriental ische, in dem die Inden nach dem Tode Alexanders der griechischen Bildung, wie dcr Sprache (Septuaginta) immer näher rückten und die althcbräischc Sprache ins Aramäische übcrgieng, dcr mallabäischc - in dem im Kampfe gegen Antiochus Ephiphancs für die »io saischcn Gebräuche das tapfere Priestcigcschlrcht der Matka büer entstand, die mit dcr hohenpricstcrlichcn Macht die kö nigliche verbunden und siegreich ans dem Kampfe hervorqcgingrn und endlich der römisch orientalische in dem die Juden bei dem großen Drucke, den sie erlitten, feste: an ihrer Rationalität hielten und den VrrzwciflnngStamps Feuilleton. Eiu Pcssach-Abend nnd der Profct Elijah«. Ein Fantasie bild. Nach d c in I t a l i c n i s ch c n d e S I\ d n c. J s v a e 1 i t u v o ii (?. L c >v i t. Es ist Pessach Abend, die Ctunde dcr h/iligen Jscicr. Wollet Ihr, geneigte Leser, mir mit Euere» Gedanke» folge»? Wir sind in einer der größte» Städte Europas , ich sage Euch de» Namen nicht, weil dieser zur Sache nichts beiträgt. Wir wolle» »»»schnell in eine der Hauptstraffen der Stadt uns begeben._Taö^slcablcude Gaslicht blendet Euch in dem ersten Augenblicke so, daß es Ing zn sein scheint. Wir gehen weiter, bei jedem Schritte erblicke» wir einen herclichrn Palast. Schon si»d wir in der Mitte deS Haupt- Platzes vor einem Palaste, der mit den andern um seine Pracht wetteifert. 2udcm wir mit unserem magischen Stäbchen denselben berühren, öffnet sich ei» großes Portale, das unS den Blick in den geräumigen Hof gestattet. Wir steigen die Marmortreppe links hinauf. Diener in Livrcn verneigen sich erfuichtSvoll und laßen uns lden Zutritt frei. Wir find in einem großen Saale dann in einem »veilen, in einem dritten reichlich geschmückten und beleuchteten. Rur immer weiter. Ich stelle mir nur vor wie meine Vefer mich unterbrechen nnd ausrufen." Welche Beziehung hat diese reich geschmückte Woh. innig juit den Zeremonien der Peßach Feier? Du hast uns die- Stunde des „Ceders" angekündigt und willst uns in eine DiplvlnntciUHifiimlimg eiusühren? Nur Geduld, liebe Freunde! Nur vorwärts, noch iwei .Vulttucr und wir sind da. Betrachtet nur die Zubereitung'? Welche zierliche Büschel mit jenen kleinen Gecätheu, mit jeiien Speisen zu dem Pesiach Gebrauche erforderlich l Alles ist im höchsten Glanac. nichts fehlt zum Ritus. Wir sind in unserein Hause, und tönneu alles beobachten, ohne Furcht, daß unsere Nnsichtsbarkeit Störuug verursache. _2it-jcncur-großen, vour Gaslichte so strahleudcu und Pracht^ voll auSgestatteteu Saale sind drei Personen,?>e eine, der Chef deS HauseS ist ein kräftiger robuster Alter i» reicher Hauokleidung. Dbwohi fünf und sechSzig Jahre alt. hat doch daS Alter feine Gestalt noch nicht gebeugt, er hat nichts von seiner Energie verloren. Die Stirne hat wohl Runzeln, aber man liest darin eineu betrübende» Gedanke», der ihn in diesem Augenblicke beschästlget; eS sind nicht die Furchen von früheren Sorgen. Zur Seite fleht ihm feine Gattin. Um einige Jahre jünger genießet sie noch einer vollkommenen Gesundheit, ihr Blick ist ans ihren Gatten ge-