Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 15 (8.4.1870)
- Date
- 1870-04-08
- Page
- Seite 143 (sequence 1)
- Language
- German
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SR«« «ftfRnittfär Pr«-, 9««tit|ri| fl. 5 — tcüitltig „ 2L0 Bierletjährift,, 180 Mit Pastzufeadaag: Vaazjährig fl. 5.50 Halbjährig „ 2.75 Biertrljährig „ 1.50 Für- Ausland: 'Sau-jährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Iaferate werben bil- Ngfl berechaet. Die Gegcawart. Hrgan für die Interessen des Iudenthums. Erschkint allwochkntlich am Freitag. Kctaltiai a. Sl«(. »iflratia» Prag, Mit* trrßoffeNr». 408—1 »ahia-alle Briefe n. 0cllftRtRRgea za richte» find. Zuschriften »erde fraaea erdete». Ra. aaflripte «erde» Sei /Tyr} Nichtverwendaag oaf t Tftrlaagea jedoch V‘.*v unfranfirt jurüdet* stattet. ür. 15. Prag 8. April 187V. III. Jahrgang. Die Demission -er Minister. Wie eS bereits als eine vollzogene Thatsache zu verzeichnen ist, hat daS Gesamnitministerium seine Demission genommen und ist auch an allerhöchstem Orte angenommen worden. Mit dieser Entlassung ist der Kampf einseitiger Taktik auf der politischen Arena hoffentlich auSgespielt. der ein neue- Kampsspiel erwarten läßt. Es ist hier'nicht unsere Aufgabe, nnüber eine neue Ministerkartc ou-zusprechen, sondern einzig und allein daS Derhältniß der böhmischen Israeliten zu dem geschiedenen Ministerium einerseits und zu der böhmischen Nation anderseits zu beleuchten, ohne uns in die Kritik eines bereit-abgewirthschaftctenSystemS näher einzulassen. Ihatfache ist und bleibt eS, daß sich daS empfohlene Ministerium einer Partei in die Arme warf, die eS nicht verstand, gleiches Recht für Alle ergehen zu lassen. Einen wesentlichen Bestandtheil dieser Partei bildeten nicht etwa die Juden, sondern ihn formirte eine kleine jüdische Clique. die sich von einer Partei mitbrauchen ließ, und Deutschland für Alle», ihre Selbstsucht über Alles hielt. Diese Clique, welche ihren Olymp in dem unseligen deutschen Casino aufgcschlagen hat, um von da aus ihre Bulletins auszugeben, denen von einigen verblendeten Juden unbedingter Gehorsam geleistet wurde, hatte einen Lvwrnantheil an die Einflickung eines Ministers in das frühere Ministerium, der nicht das Zeug in sichhatte, Feuilleton. Ei» Sabbath-Abend bei Mendelssohn. (Schluß.) Und waS wollt Ihr auS Ihnen machen? Aus verachteten Inden geachtete Menschen, a»S schachernde» Haufireni nützliche Staatsbürger. Und ihr glaubt, daß die Christen unö eine solche Stellung rinräumen werde», selbst, wenn wir uns derselben würdig zeigen? ^tht, geht, lieber Mendelssohn. Ihr träumt mit offenen Augen. Soll ich Euch erst an den Offizier erinnern, der kamn vor einer Stunde Euch beschimpft hat. blo» weil Ihr ein Jude seid? Wie «e, denken alle Christen. Ich glaube das Vegentheil und hoffe, Euch noch heute Abend von Eurer Ansicht zu heilen. Und ich glaube, rntgegnete der feurige Vast, die schwarzen Locken schüttelud. daß es nicht eher bester wird, bis der Messias kommt, auf den wir warten, der Sohn David s, der das außer, wählte Volk erlösen wird au» der Sklaverei und heiinsühren in "das Land seiner Bäter; bis die Zeit kommt, von der geschrieben flieht in den heiligen Büchern, von welcher die Propheten verkündet daS Aequivalent zu bieten, das zur Herstellung des Gleichgewichtezweier in einem Lande mit und neben einander exiftirenden Volk-Parteien nothwendig war. Nach allerlei Experimenten und künstlichen Mitteln gelang eS dem Ministerkollrgium nicht, jenes Medium zu finden, durch das die Völker Oesterreichs befriedigt und beglückt werden sollten. , So wurde die Kluft anstatt enger immer erweiterter, die > ohnehin divergirenden Anschauungen gingen mehr auseinander. und wurden Zustände geschaffen, die nicht unerquicklicher gedacht werden können. Nicht als ob wir je die Juden zum Undank gegen das abgetretene Ministerium verleitet hätten, oder heute sein Hinscheiden mit eynischem Jubel begleiten, wir haben uns, trotzdem wir einen zweifachen Standpuntt, den de- Patrioten und den des Juden eingenommen haben, vom Beginne jener politischen Arra, bjc dem Patrioten wenig Befriedigende-, ' dem Juden längst verdiente Errungenschaften gebracht, von der Dauer eines System« wenig versprochen, unter dem der innere Friede geseufzt, der in der That dem Juden die erlangte Freiheit als jene- Wasser erscheinen ließ, da-, so oft es TantaloS trinken wollte, zurückgetreten ist. Was frommen indische Schätze im eigenen Hause, so ihr Besitzer krank und siech darnicderliegt und von ihnen keinen Gebrauch machen kann, was nützon Reichthümer in der Wüste und was Freiheit dem einen, wenn sie dem andern nicht gegönnt ist, der dasselbe Recht hat, sie zu fordern'? Nicht der schnöde haben, daß sic nicht ausbleibcn soll »ach den Tagen des Trübsal» und des Elend». Mendelssohn antwortete nicht, sondern schüttelte nur lächelnd daS weise Haupt, er nöthigtr den Vast von den ansgetragenen Speisen zu genießen, wozu derselbe sich auch nicht lange bitten ließ. AIS das Mahl zu Ende war. sprach der Wirth den üblichen Segen, dann rief er seine Kinder, denen er mit einem sronunen Spruch die Hände auf den Kops legte, woraus sie von der sorgsamen Mutter zu Bette gebracht wurden. Die beiden Männer blieben allein zurück und vertieften sich in gelehrte, talmndische Bespräche, als die Thür sich öffnete und mehrere Herren rintraten, von denen einer von Mendelssohn mit lantkin, freudigem Ausrufe begrüßt wurde. Der neue Vast konnte ungefähr in den dreißiger Jahren stehen , er war von mittlerer Vröße, breitschulterig und kräftig gebaut: die ma>tstätifche Stirn mit den zurückgestrichenen Haaren und vorzüglich die scharfen durchdringenden Angen verkündigten schon äußerlich einen nngrwöbnlichen Veist. In seinem ganzen Wesen lag etwa» Festes, Euergische», verrieth sich bereit» der abgeschloffene Eharatter, wir er bei deutschen Belehrten nur selten angetroffen wird. Sein vorwiegender Verstand und manche bittere Lebenserfahrung gaben ihm einen »msten Anstrich; doch konnte re auch selbst heiter bis zur Ausgelas. senhrit erscheinen; sein Lächeln war dann bezaubernd und von hinreißender Liebenswürdigkeit. In den offenen Zügen herrschte eine