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Die Gegenwart · 1870-02-25 · 9 (25.2.1870) · p. Seite 90

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
9 (25.2.1870)
Date
1870-02-25
Page
Seite 90 (sequence 8)
Language
German
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I —~ so Inland. Wie«. (AuS dem Unterrichtsministerium). Der bekannte Mathematiker Simon Spitzer ist zum ordentlichen Professor am Polytechnikum ernannt worden. — (DaS Hauö Rothschild und der Bankverein). ES ist jedenfalls rin gutes Zeichen für daö jüngste Geschäft des Bankvereins, daß er zwei so solide Kompagnons, wie das Haus Rothschild und die Escomptcanstalt gefunden. Das Haus Rothschild ist diesem Geschäfte gestern bcigetrcten und fehlt nur noch der Beschluß des ungarischen Reichstages, um das Geschäft als perfect zu betrachten. -- (Jubelfeier.) Der allgemein geachtete Vorstand der israelitischen Gemeinde Herr Josef Ritter v. Wertheimer feierte am 19. d. M. sein 70jährigeS Geburt-fest. AuS diesem Anlaß wurde eine freier im jüdischen Tempel der inner» Stadt abgehalten. Dr. I c l l i n e k hielt die Festrede, in welcher er die Verdienste« des greifen Jubilars um die Wiener EultuSgemeinde in erhebender Weise beleuchtete. Ritter v. Werth ei me r hat, einer alten jüdischen Sitte folgend, die Fcicr seineS-70. Geburtstages mit einem Weihgeschcnke an das Gotteshaus begangen, welches aus einer prachtvollen goldgestickten Kanzeldecke besteht. — (S ch n a p p er'fche Wechselstube). Die „Timet'" von Donnerstag führen alS.esnen Beweis für die außerordentliche SpckulationSthütigkeit in Wien in'ihrem Börseberichtc an, daß allein die Schnappcr'sche Wechselstube im Laufe des Jahres 1x6'.» Geschäfte im Belauf von 60 Millionen Pfund Sterling (600 Millionen Gulden) gemacht habe. Lrieji. Der sehr gelehrte Tr. Josef B a r; i l a i erhielt den Orden der Krone Italiens. A n s l a n d. Paus. 19. Februar. Baron Rathaniel Rothschild, Schwiegersohn des verstorbenen Baron James Rothschild, ist heute Morgens in Paris gestorben.— Vermittelst kaiserlichen Dekrets wurde Hr. Emerigue als Adjunkt beim Maire des 12. Arrondissements ernannt. — Hr. Erc- »nieux, Präsident der Aliancc israclite, hat so eben eine Adresse an alle Potentaten Enropa'S geschickt, um sie zum Schutze des Israeliten in Rumänien zu bitten. — Einige Pariser Blätter, darunter namentlich der „Public", haben sich in der rumänischen I u d c n f r a g e durch die dortigen Preßagrntrn des Fm sie» Karl, die Herren Bamberg und Strat (von denen der Erstcre doch selbst rin gewesener Jude ist), zu ganz falschen und abgeschmackten Aufstellungen verleiten lassen, die dann in Bukarest als Ausdruck der öffentlichen Meinung dewestlichen Europas vcrwerthct werden. Herr Eremiem leuchtete nun in einem langen an den „Public" gcrichtclcn Schreiben diesen Verleumdern gründlich heim: Mehr als zwcimalhunderttaufcnd Juden, sagt er, von zweimalhundertsnnfzigtanscnd sind Rumänen, weil sie und ihre Väter und Ahnen in Rumänien geboren sind. Seit Jahrhunderten haben inmitten der wechselnden Generationen dieses so ehrenhaften und gastfreundliche» rumänischen Volkes die wechselnden Generationen der Judeit dieses Land bevöl kert, welches niemals die Intoleranz gekannt hatte. Die unvernünftige Politik, welche namentlich seit Bra tiano diese schreckliche Verfolgung angrstiftct hat, findet noch Minister, die sic auSführen und eine Kammer, die sie anstachelt. Rur will sic jetzt, wie vor zwei Jahren, glauben machen, daß, wenn sic ohne Erbarmen die Inden niederschlägt, sic nicht Juden, sondern Ausländer verfolgen. Und darum bringe ich die Sache meiner thcuern und unglücklichen Glaubensgenossen vor die Fürsten, welche heute Lber die acht Rationen, die i. I. 18o8 Rumänica so gern in die Reihe der freien und unabhängigen Staaten zugelassen haben. Ich verlange ihre friedliche und rechtmäßige Darwischenknnst, welche gewiß nicht der Autonomie der Rumänen zu nahe tritt. Diese Dazwischenkunft ist nicht nur durch die Gesetze der Menschlichkeit geboten, sondern auch wörtlich in den internationalen Vertrag eingetragen, welcher die rumänische Nation konstituirt hat. London. Die englischen Zeitungen berichten den beklagenswerten Tod des Hrn. Alfred Davis, dem man in seiner Spähre mit dem berühmten Peabody vergleichen kann. Ihm verdankt man die prächtige Schule JewS Free, wo über 2000 Schüler Unterricht genießen und für welche er mehr als eine Million spendete; seine Legate betragen auch mehr als eine Million. Saluyo. Der Advokat Hr. Dr. Segre, erster Vizekonsnl in Alexandrien in Egypten,schon vom Großsultan zum Offizier des Medidje-Orden« ernannt, wurde letzthin vom Könige von Italien in den Rittcrstand erhoben. Warschau. (Das Begräbniß MeiselS.) Man schreibt aus Warschau 17. Februar: Gestern fand hier daS Begräbniß des hiesigen OberrabbincrS Bacr MeiselS statt. Der Leichenzug, bei welchem nach streng jüdischer Sitte gar keine Parade entfaltet war, war dennoch im höchsten Grade imposant durch die ungeheuere Menschenmenge, die sich betheiligte. Nicht nur die Juden, deren Gemeinde in Warschau übrigens wohl die größte in Europa ist, da deren Mitgliederzahl 70,000 übersteigt, betheiligten sich bei dem Begräbnisse, sondern auch sehr viele Christen aus allen Ständen. MeiselS genoß nicht nur als Beamter und Privatmann die höchste Achtung, sondern auch als politische Persönlichkeit stand er in hohem Ansehen. Als er noch in Krakau war, wurde er im Jahre 1848 von dieser Stadt zum Reichstags-Abgeordneten nach Kremsicr gewählt. Im Jahre 1861 war er Mitglied deS damals aus Wahlen hervorgegangenen StaatSrathS. Während der in jenem Jahre eingetretenen Reaction kam MeiselS als Nationalgesinnter in die Eitadelle, von wo er nach sechSmvnatlicher Haft des Landes verwiesen wurde. Erst nach Ernennung deS Großfürsten Konstantin zum Statthalter des KönigreichsPolen und der damit verbunden gewesenen nationalen Verwaltung unter Wielopolsky durfte MeiselS hieher zurückkehrcn und sein Amt wieder antreten. Seine liberale Gesinnung und sein polnischer Patriotismus verursachten, daß er von den Behörden mit Mißtrauen beobachtet wurde, ein Mißtrauen, das ihn bis über das Grab hinaus begleitete. Die Eensur hat nämlich den Nekrologen, welche die hiesigen Zeitungen über den Verstorbenen bringen wollten, das Imprimatur versagt und kaum eine kurze Mittheilung deS Todes gestattet, welcher nicht einmal die Erwähnung des außerordentlichen LeichenzugcS folgen durfte. Jerusalem. Ein dortiger Korrespondent berichtet dem „Uckucatore israelita" die großartige Feierlichkeit, welche bei dcr Grundsteinlegung zum Hospitale für Arme und Reisende durch den österreichischen Generalkonsul in Gegenwart aller Konsulen statt fand. Sr. apostol. k. k. Majestät gestattete, daß man auf den Eingang zum Cpitale die Aufschrift Franz JosefS-Thor setze. Kun ft, Theater und Liter atur — In der A kad emi e derW i s senscha fte n,in Paris am 7. Feber las Hr. von Saint-Venant einen Bericht vom Herrn Maurice Levy, Brücken-und EhauffeS-Jngenienr, über das Gleichgewicht der frischbewegten Erdkörper und über die Stabilität der Strebepfeiler. Der Verfasser hat, indem er die Forschungen des Hrn Scheßer wieder aufnahm, eine rationelle und überdies kräftige Theorie über die Pressionen der Erd-Grundmauern aufgestellt, und ging über jede Hypothese und vorgefaßte Meinung weg. Hr. Honre Sitva, Fortsetzung in der Beilage.

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