Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1870-01-07 · 2 (7.1.1870) · p. Seite 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
2 (7.1.1870)
Date
1870-01-07
Page
Seite 20 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4890378-5433916-5433999--490-4890816
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

k-? 20 SO Werft von der Grenze entfernt wohnen müssen, plötzlich gegen 20,000 Judenfomilien auS Kifchniew .und Umgegend in- Innere tranSportirt worden. Kifchniew liegt erst in Folge de- KrimkriegeS weniger als 50 Werft von der Grenze entfernt. Ianina. Der Sultan hat zur Linderung der durch den Brand herrorgerufenrn Roth 750.000 Piaster gespendet. Kunst Theaterund Literatur. — So eben ist eine Schrift: «Skizze zu einer Monographie der AmtSverbrechrn" erschienen und hat Herrn Dr. Alois Zucker, der als Vertheidigcr in Strafsachen beim hiesigen Landesals Strafgerichte rühmlichft bekannt ist, zum Verfasser. — Die „Alliance isra&ite universelle“ so betitelt sich eine Predigt, die Dr. H. Moritz Tauber Rabbiner in der Reusynagoge am Sabbalh Chanuka gesprochen und von demselben vor einigen Tagen durch den Druck veröffentlicht wurde.—Hu dieser Predigt wird auf die Einigkeit und Zusammengehörigkeit Israels hingrwiescu und diese Eigenschaften mit der wohlthuenden Alliance isr. universelle in Verbindung gebracht. Der Redner rüth um das Chanukafest mit wahrer Weihe zu begehen, müsse man gleich den Makabäern das Licht all seinen Brüdern in liebevoller Weise entgegentragrn. — AuS Rußland berichtet man von dem Erscheinen eines jüdischen Gebetbuches, mit russischer Uebersetzung von Rabb. I. Horowitz in Grobno, während eine andere von Wohl in Wilna dem Drucke übergeben wird. — Von dem verstorbenen Baron IameS von Rothschild sollen nachgelassene Memoiren vorhanden und bereits der Presse übergeben sein. X In dem Nachlaß Halevy'S hat man eine neue Oper mit dem Titel «Noah" gefunden. Die Partitur ist bereits vom Direktor des Theatre lyrique zu Paris, Herrn Pasdeloup, erstanden worden. -- Im Earltheater bildete Sontheims Gastspiel das Errigniß des Jahres. Es war keine Kleinigkeit, an einem Vorstadt Theater eine Oper zu etabliren, mit der so große Erfolge erzielt wurden. Die Direktion hat mit diesem Künstler einen neuen Gastspielvertrag abgeschlossen, der diesmal auf 1.8 Vorstellungen berechnet ist. Ter Tenorist tritt bereits am 4. Juli in Wien auf und wird dießmal in einer neuen Oper, in der „Astvrga", singen, deren Haupt- Partie für diesen Sänger' geschrieben wurde. — Str akosch ist von seiner Rossini-Messen Reise wieder nach Paris zurückgrkehrt. Seine Truppe bestand aus der Alboni, Mad. Battu, dem Tenor Halber, Tagliafico, dann Vieuxtemps, Battesini und Trenea. Direktor war Volloni. Diese unermüdlichen Künstler haben in der Zeit vom 18. Oktober bis 18. Dezember fünfzig Konzerte in fünfzig verschiedenen Städten gegeben. — Deutsche Viihlir. Der geistreiche Humorist Saphir drückte einmal sein Urtheil über Urirl Akosta in folgenden Worten ans: „Viel Juden und wenig Handlung."' Wir haben es dießmal mit einer sünfaktigen Posse: „Die breite Straße und die schmale Gasse," oder „Morgen ist Neujahr" zu thun, welche im deutschen LandeSthrater das neue Jahr inaugurirte. und da man einmal gewohnt ist, Juden und Handlung in Verbindung zu bringen und in dieser Posse eine' dreiköpfige Iudenfamilie vorgrsührt wird, so lässt sich auch hier, wenn gerade die Juden numeresch nicht stark vertreten sind, mit Saphir sagen: Juden und leine Handlung. Und in der Thal ist dieses Stück, dessen Mache sich unr eine unzählige Male abgedroschene Erbschastssrage dreht, die in einer verwickelten LirbrSintrigue ihre Lösung findet,' weniger einer Aufführung mehr eines Durchfalls würdig. Wir finden es überhaupt sehr verfehlt von der Direktion, Possen zu oeerptirrn oder gar dem intelligenten Publikum vorznführen, in welchem der Jude in Maske und Sprache karrikirt wird, weil dasselbe über die Zett hinau-reicht, in welcher der Plebs sich an Chargen jüdischer BolkSfiguren^ die je verzerr er aufgetragen, desto mehr den AplauS herausfordern, ergötzt hat. Heute finden sich solche mittelalterliche Pikanterien höchstennoch in ordinären Bierkneipen, in welchen man mit einem „Juden" den christlichen Fasching nicht besser zum Abschluß zu bringen glaubt. Die Darstellung, einer jubelnden Person lohnt sich weder für den Dichter» noch für den Schauspieler, ersterer bekundet damit Mangel an Aestetik, letzterer streift von sich die künstlerische Individualität gänzlich ab, und sinkt zum gemeinen Possenreißer herab. Anders verhält sich dieses im Drama. Den. das Deutsche radebrechenden Engländer spielte Herr Hallenstein vorzüglich, Frau Hallenstein bestrebte sich eine der Damen de- GalliplatzrS zu kopiren und Herr Oberländer, sowie Herr Siege führten ihre Rollen gut durch. M i s c e l l e n. X Aus den PrüfungSsälen „einer Rechtsakademie" werden folgende lustige Episoden mitgetheilt, und wir wet- .ten, daß unsere Leser eS bald errathen werden, wo diese merkwürdige Rcchtöakademie sich befindet. An der Stellung, der Fragen kann man es merken, das die Prüfenden den Eandidatm nicht vorsätzlich werfen mochten. Ein Hörer wird um die juridische Definition der Haupt- und Nebensache gefragt. Der prüfende Profeffor will ihn durch ein Beispiel auf den richtigen Weg leiten. Wenn Sie z. B. bei einem Trödler einen Rock kaufen und in der Tasche desselben tausend Gulden finden, was ist das? — „DoS iS Glickl" antwortet selbstzufrieden der Gefragte. — „WaS sind Handelskammern? lautete eine Frage auS der politischen Ökonomie.— „Handelskammern sind Kammern oder Magazine, in welchen die Kaufleute ihre Waarrn aufbcwahren," antwortete der Gefragte. — Bekanntlich hatte in Siebenbürgen einst jede der drei ständigen Nationen ihr eigenes Jnsiegel. — „Wie vielerlei sind die Petschafte in Siebenbürgen?" lautete die Frage. — „Dreierlei, und zwar spanisches Siegellack, Oblatten und im Rolhfallr auch letschigeS Brot," war die * treuherzige Antwort eines AdvocaturS-Candidaten im Jahre 1848, welcher noch heute als emeritirtcr städtischer MagistratSrath in Mar öS-B asa'vbe ly lebt. 9 XMcrkwürdige Logik. Einem Briefe, den ein auswärtiger Handelsmann an einen Geschäftsfreund richtete, entnehmen wir nachstehenden PassuS, welchen der Jünger des Merkur über seine Personalien hatte einfließen lassen. „Ich heiße Wunderlich, aber die Leute nennen mir Markus, weil mein Vater Meyer hieß." * Bunte $..* □ Der Garten Eden. Professor W. C. Kerr, Geologe im Staate North-Carolina, behauptet, daß der Black Mountain (schwarze Berg) in Nord-Carolina das erste trockene Land der Erde und gleichzeitig das älteste Stück auf dem ganzen ErdcnglobuS sei. Er spricht den Wunsch auS, dort dem Adam ein Monument zu errichten. □ Vor einigen Tagen starb in Wien in seinem eigenen Hause Althangasse 34, der Leiermann Simon Frainl an Altersschwäche unter Hinterlassung eines Baarbetrages von 84(X) fl., welche e>ner an einen Beamten verehelichten Tochter znfallcn. Das HauS testirte er seinem in der Armee dienenden Sohne. Der Verstorbene führte genane Bücher, in denen unter der Rubrik „Einnahme" manchen Tag 10 — 15 fl. verzeichnet erscheinen. s^Der durchschnittliche G e w i n n der Spielbanken in EmS, Wiesbaden, Baden Baden, Homburg und Nau- I heim betrug in den letzten zehn Jahren jährlich drei und Fortsetzung in der Beilage.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.