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Die Gegenwart · 1870-01-07 · 2 (7.1.1870) · p. Seite 13

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
2 (7.1.1870)
Date
1870-01-07
Page
Seite 13 (sequence 1)
Language
German
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Sfera «fonitivtfii« Prag r - S>»zj ihrig.fl. 5- -Ätjihrlg „ 2.50 BieüÄjährig,, 1.80 MU P»-rust»d»«g: Geazjährig fl. 5.50 Hldjährig „ 2.75 Bierteljährig „ 1.50 Fürs AuSland r Gaazjährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Jajerate werde» billigst berechnet. Hrgan für die Interessen des Zudenthums. Erscheint allwöchentlich am Freitag. «edattl»» ». Ab»l« »iflrati,« Prag, Mt» ttrgafleRra. 408—Pwahi, alle Priese ». Geldsr»d»»gr» >« richte» stad. Zuschrifte» werde, sraaco erdete». M«- »uskripte werde» bei Nichtvrrwe»du»g aas Berlaagra jedoch unfraakirt zuriilker. stallet. Ur. 2. Prag 7. Januar 187V. III. Jahrgang. Die Juden in Löhme«. ** daS in seinem Schooße für die österreichische Monarchie und für unser engeres Vatrrland Böhmen, verhängnißvolle Ereignisse birgt, scheint eS uns an der Zeit die Vcrhültnisse zu beleuchten, in welchen das Judenthum in Böhmen zu den beiden National!' tüten steht und ob diese Verhältnisse nicht einer Correktur von Seite der Juden bedürfen. Ist es schon an und für sich bedauerlich, daß eine strenge Differenz zwischen den beiden Nationalitäten herrscht, die dieses Land bewohnen, so ist eS für den jüdischen Bürger Böhmens noch bedauerlicher, daß an ihn die Forderung einer direkten Parteistellung gerichtet wird. Die Frage, wie die Juden in Böhmen sich stellen sollen, ist vielfach und von verschiedensten Standpunkte aus beleuchtet worden, an uns tritt mit vollem Ernst die Frager wie haben sich die Juden in Böhmen bisher verhalten und liegt eS im Intereffe der Judenschaft ihre bisherige Position beizubehaltcn? deiner unserer Glaubensgenossen wird an die Bedeutung an die vitale Wichtigkeit dieser Frage zweifeln. Fkuittetlin. Ans den untern Schichten. (Fortsetzung.) AuS dem Cchmuze dieser elenden Ctnbc heben sich der reinliche Winkel, das saubere Bett, der gescheuerte Tisch so vorthcilhaft ab wie etwa eine Wiese von einer Pfütze. Alles, waS dieser Frau angehört, ist bei aller Aennlichkeit so sauber und blank, al- IcS trägt den Stempel einer so sorgsamen Wirthschaftlichkrit, daß man sich angczogcn und angemnthet suhlt. Diese arme in Wohlstand ausgewachsene Frau ist hier in dieser Umgebung ein srcmdcS Element, aus andern Schichten herübergrkommen, man haßt sie auch in diesen Kreisen wie einen Eindringling, wie man etwa in höheren Gesellschaftskreisen einen sich spreizenden Parvenü haßt; denn auch die Armen find zuweilen exclusiv und dulden nicht gerne fremdartige Erscheinungen rinter sich, die mit ihnen auf derselben Sprosse stehend ihnen durch Urberlegcnhcit doch imponiren l Die dritte Familie, die diesen engen Raum thcilt, ist ein Klausner mit Weib und zwei Kindern. Es sind dies die Eigenthümer dieser Baracke, die sie von ihren Eltern ererbt und in der größten Roth nicht verkaufen mochten. Eine gewisse Pietät macht den Juden ererbte Besitzungen ungleich werther als erworbene, zu deren Leräußernug sie sich selbst bei dem drückendsten Geldmangel «icht leicht rntschllcßen; besondernicht die untern Klassen, die Leider haben wir für dieselbe keine befriedigende Antwort. Sie läßt sich kurz zusammenfaffen. Die prager Easinopartei mißbraucht die Inden zu Demonstrationen für ihre Zwecke und auö demselben Grunde hasst die nationale Partei ihre jüdischen Mitbürger. So wenigstens wird die Sache häufig dargestellt und aus den böhmischen Journalen spricht ein schlecht verhehlter Groll daS gleiche Urtheil. Der ruhig denkende Jude frägt sich verdutzt, woher der Groll von Seite der nationalen Partei, der sich oft durch ein Hinterthür- (kn einen Ausweg sucht, woher das ohne Rücksicht nnd Unterschied auf die Häupter einer ganzen Konfession geschleuderte Anathema? Die nationalen Journale weisen auf die Namen eine- TedeSco, Raudnitz und Consorten hin, die bereitim Spottliede der Gaffenjugcnd paradiren. Wer sind aber diese Leute die auf einmal die Pforten des Orkus, alle Furien-des HaffeS entriegelt haben sollen? Doch wir wollen hier nicht ironisircn, und vielmehr beklagen, daß in dem feindlich mitunter sehr berechtigten Vorwurfe einer entschiedene» Parteinahme gegen die böhmische Nation seitens der Juden, ein thcilwciser Jrrthum liegt. Wie lange wird man noch mit Wissen und Absicht daS —————— um so zäher daran hangend, als sic nicht wieder zu einem solchen Be-' sitz gelangen können. Die einen halten ihre Häuschen als Reservefond für eine zu verhcirathende Tochter, die andern für daS spätere Alter und Erwerblosigkeit; noch andere deren Ehe steril geblieben, wollen es zum Heile ihrer Seele einer frommen Stiftung überlassen, auf daß für sic Kadisch gebetet und MischnaiS^geternt werde am Sterbetag. Diese Familie braucht wenig Raum, ^cr Man» schläft seit Jahren , in der Klause, »in daheim das Bett vcrmictheii zu können und bei der Hand zu sei», wenn in der Nacht für einen Schwerkranken im Gebete daS letzte Mittel gesucht oder eine Todtenwache für einen Sterbenden geholt wird. Die Frau schläft mit ihrem älter» Kinde; das jüngste schläft im Korb, der an der Zimmerdecke bängt. Dies Kind ist krank gelb und aufgedunsen. Mangelhafte Nahrung, die Feuchtigkeit der Wohnung und die dumpfe, schwere Luft darin haben die Gesundheit des jungen Geschöpfes untergraben. Die Frau, die an der Hängcwiege sitzend, dieselbe in Bewegung erhält, ist die Mutter. Man wülde dies abgehärmte, fleisch, lose Weib, das mit ihren dürren Händen daS kranke Kind schau, kclt und mit den welken Lippen betet, eher für die Großmutter halte», die den Schlummer ihres KindeskindeS bewacht. Die Frau ist dreißig Winter alt, die schwer und wuchtig über sie hingingen. Für die Arnien hat die Zeit nicht den raschen Jlügelschlog, mt dem sie den Glücklichen im Fluge umfächelt: für die keucht sie zu Fuß, schwer uud zermalmend, für sie dehnt sich das Jahr, das für den Reichen unr einen Frühling und einen Fasching hat, zu einem Deccnnium voller Marter, voller Kämpfe und Entbehrungen, und während jene, bei denen das Glück zu Gevatter stand^ dir Flucht

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