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Die Gegenwart · 1870-01-01 · 1 (1.1.1870) · p. Seite 5

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
1 (1.1.1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 5 (sequence 11)
Language
German
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5 Nun gut ihr Todtenvögel! schirrt, scharrt fort und gräbt unS einen Landau aus, die Judengemeinde Prag'- könnte einen Landau brauchen. Welhartitz am 26. Dezember 1869. (O.-K.) DaS Bewußtsein der Zusammengehörigkeit, — indem ja alle Menschen einen Vater, einen Gott haben — schließt daS LiebeSband der brüderlichen Vereinigung, um die Herzen aller Bewohner dieser Gebirgsgegend, — so daß Friede und Eintracht — ja daS beste Einvernehmen herrscht zwischen Juden und Christen. — Um Ihnen geehrter Herr Rcdakteur einen eclatanten Beweis der in hiesiger Gegend herrschenden Fraternität und Socialität, der zwei genannten Confessionen zu geben, erlaube ich mir Ihrem viel gelesenen Blatte folgenden edlen Charakterzug einer Christin, einer Jüdin gegenüber — zur allgemeinen Kenntnißnahme — der Oeffentlichkeit zu übergeben. — Unweit von hier auf ihrem Gute Hlawnowitz wohnt die sehr edle Frau Baronin Valeria v. Kotz. — Diese so wohlthätige Frau, die in der That unaufhörlich beflissen ist, Gutes zu thun, ohne Unterschied der Geburt, de- Standes, und des Glaubens, gab dieser Tage, durch folgenden Act der Wohlthätigkeit, abermals einen Beweis von dem hohen Adel ihres Herzens. — Diese Dame hat in ihrer edlen rühmenswerthen Gewohnheit in eigener Person die milden Gaben der Wohlthätigkeit auSzutheilen. — Sie selbst besucht die Hütten der Armuth spendet und gibt dort wo eS mangelt und gebricht. — So überraschte sie in den Tagen von dem so eben verstoßenen Weihnachtöfeste, manche Hütte drr Armen und Dürftigen, wobei sie in ihrer unbegränzten Menschenliebe keinen Unterschied wegen des Glaubens machte, und vorzüglich einer Jüdin in gefühlvollster Weise gedachte. — Freitag Mittags als am Tage vor dem h. Christabend kam diese biedere Dame eigens hieher gefahren zn einer jüd. Witwe Namens Katharina K. und übergab derselben ein nicht unbedeutendes Geschenk. — Das ist ein Akt der sehr seltenen Zartsinnigkeit und dieser Beweis eines so edlen hochsinnigen Herzens verdient veröffentlicht uud als nachahmungswerth bekannt gemacht zu werden! — MofeS Stern. Rabbiner. Wien 27. Dezember (0.- K) Noch vor Eintritt in das neue Jahr, will ich Ihnen über die Zustände in unserer Gemeinde im alten Jahre berichten. Die BeschneidungSaffaire Ekstein hat hier in orthodoxen und aufgeklärten jüdischen Kreisen Indignation hervorgernfcn, weil man da wie dort von der Ansicht ausgeht, daß in einem Hause, in dem man sich über den heiligen Bund der eine conditio sine qua non der jüdischen Religion ist hinwegsetzt, an und für sich der jüdische Geist gewichen und nicht daran zu denken ist, daß ein solches Kind in der Religion unserer Väter erzogen wird. Wie ich von gut unterrichteter Seite erfahre, wurde Sr. Excellenz Herr CnltuSminister Hafner von den derouten Zuständen in Ihrer Gemeinde unterrichtet und soll derselbe baldige Abhilfe mit einer vollständigen Reorganisirung der jüdischen Cultus-Gemeinden zugesichert haben. Was Provinzialblätter über daS Chanukafcst, respektive die Betheilungsfcier berichtet haben, war sehr übertrieben, und wenn die Zahl der bethciligten Kinder mit 450 beziffert wurde, so wird gewiß diese nicht so exorbitant erscheinen, wenn man bedenkt, daß der Theresienverein, gegründet zur Zeit der Kaiserin. Maria Theresia, über hundert Jahre besteht. Die Zentralfriedhossfrage hat auch die hiesige CultuSgemeinde in einer Weise alterirt, so zwar, daß dieselbe bei dem geringen Belegraume auf dem isr. Friedhofe, auf dem nach Ritus kein vorhandenes Grab mehr geöffnet und wieder verwendet werden darf, der Entscheidung wegen Errichtung eines Zentralfriedhofes mit Spannung entgegen sieht, damit anch der CultuS-Gemeind« eine fiat« gende Grund-Area zur Abgrenzung ihres Friedhofes Oberlaffen werden könne. Wochenchrorrik *** Verleihung. Der Stadtrath hat die durch den Tob des H. Dr. Alexander Kalmus erledigte Bezirksarzte nstelle der Josefstadt dem bisherigen BezirkSaffistenten Hr. Dr. Anton Tomsa verliehen, einem Manne, der durch seine Leutseeligkeit und seinen freundlichen Umgang der armen leidenden Bevölkerung jenes StadwiertelS willkommen sein dürfte. Wenn Mancher unserer Glaubensgenossen sich darüber aufhält, daß dießmal kein Israelit znm Bezirksarzte ernannt wurde, so beruht dieß auf dem Uinstande, daß zw den Petenten ein Bezirköarztassistent zählte und diesem selbstverständlich deS BorrückunzSrechteS wegen der Vorzug gebührte; zur Zelt als drr seelige De. Kalmar jene Stelle verliehen wurde, war die Einrichtung der BezirkSarztafflstenten noch nicht getroffen. IlebrigenS zeigt eS von dem sehr geringen Fortschritte nnd einer besondern Ghcttosncht mancher Herren, die sonst den Mund voll von Freiheit haben, wenn mau, das Josesstädter Viertel noch immer zu einem Judenviertel stempeln will. *** Veschenkuug armer Witwe». Die Interessen im Betrage per 716 fl. 66 kr. ö. W. aus der Sigmund Christian Geitler Edlen von Arming'schen Stiftung sind nach dem Willen des Stifters am 22. Dezember 1869 an 10 christliche und 6 israelitische arme Witwen zu je 55 fl. 13 ö. W. vcrtheilt worden. *** Höhere Talwildthora Schule. Am 4. Feber 1867 wurde sic geboren, einige Tage darnach fing sie schon an zu kränkeln, ain 13. Dezember 1868 begann der Todeskampf und am 12. Dezember 1869 ist sie in Folge langer Mal« trätirung, den Qualen einer Commission erlegen. Ruhe ihrer Asche, die den Rest von fünf tausend Gulden östr. Währ, bildet! Wir haben schon bei Beginn der Krankheit, in so lange sie akut war, zu einem AuflösungSinittel gerathen, nun haben eS die praktischen Acrzte in der Repräsentanz besser verstanden und warteten bis die Krankheit chronisch unhellbar wurde und die Medikamente so und so viel CnltuSsteuer verschlungen haben. Der Herr Obmann der Commission in Anerkennung für sein verdienstvolles Wirken, für sein aufopferndes Streben, die Talmudthora Schule im Verlaufe von drei Jahren so lunge zappeln gelassen zn haben, bis sie geistig, und moralisch cntkräflet dem Marasmus verfiel, wurde von der fidelen Repräsentanz wieder zum Obmmm der nicdern Talmud-Thora Schule, dieser Reliquie der seelig höher« gewählt nnd der Obmann in Thränen zcrfloffcn, ob des HintrittcS der alten, hatte noch die Fassung die Wahl anzunehmen. *** Dderrabbinat. Wie uns mitgetheilt wird, beabsichtigt die CnltuS-Repräsentanz Sr. Ehrwürden Herrn Bloch, der Zeit Rabbiner in Leipnik, auf den Posten des OberrabbinateS zu berufen. V LilgrnprariS. Der Corrcspondcnt der „neuen freien Presse" der auch Correspondent der „TageSprcsse" sein soll liebt eS wieder seit einiger Zeit Mangels au ärztlicher Pr»» xiS halber, die LügcnpraxiS zu betreiben, die für den Mann sich rentabler gestalten soll, weil sie nach der Zeile, während der Arzt nach der Visite bezahlt wird. Run, wird man cö Niemanden verdenken, wenn er fürs Geld Berichte e» stattet, insofcrne diese den Stempel der Wahrheit an sich ttagen, hingegen es misbilligcn, wenn er sich, um ein Geschäft zu machen, Lügen fabrizirt und die Ehre achtbarer Persönlichkeiten antastet, um die Correspondenz zu einem schmutzigen Fetzen eine« politischen Journals zu machen. Man wird den betreffenden Correspondenten damit entschuldigen, daß ihm die ehemalige Uebung mit Blutegeln, vesikatoren, Schröpfköpfen, Aderlässen, Kataplasmea noch »lcht.

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