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Die Gegenwart · 1869-11-01 · 21 (1.11.1869) · p. Seite 205

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
21 (1.11.1869)
Date
1869-11-01
Page
Seite 205 (sequence 1)
Language
German
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tfttyntige« «H«* ««tat für Vtaiaal Zie $mii) ianafiae «der Psfiverseadaag ii. «.. .Ist. 40 kr. siir'SAuSlaoßlTblr. fiirA»erika 2 Dollar. Inserate werden billigst brrcchnkt. Hrgan für die Interessm des Iudent-ums. Redattia, «d Ist. «taistratian Rilttr- |lft Hu. 408—1. Mlii alle Briefe u. «eldlendnnge, ]i richten sind. Dir „lSegruvarl" erscheint am l. »ntz 15. einejede« Monates. Uro. 21. - Prag 1. November 1869. II. Jahrg. i." r saa—aBBggagsBgaagB-ggBagggBsaaagagaaBaagaBBBaaBaa—■ Anhalt: Leitartikel: Die Versammlung der „Alliance israelite universelle in Berlin. — Offene» Schreiben an Herm meä. 0r. Leopold Gitschin Direkeor der Prager israel. Brüderschaft für Krankenpflege (Derech Jescbarah und MaBkil el Dol) Correspondenz: Prag, Wien, Preß bürg. LocaleS. Auswärtiges. vnnteS. Knast and Literatnr. vom viichertische. Feuilleton. Inserate. - - Die Versammlung der ,)Alliance israelite universelle“ in LerliN. Am 11. 'v. M. trat die Alliance isr. universelle auf Anregung des Pariser Advokaten und ehemaligen Minister der franz. Republik im 1.1848 Hrn. Ad. Eremieuxin Berlin zusammen, um über die Angelegenheiten der westrussischen Juden zu bcrathcn, und ein Mittel zu finden, sie auS ihrer elenden Stellung zu befreien. Um 5'/,, Uhr eröffnet« der Vicepräfident Herr Goldschmidt aus Paris die Sitzung uud übertrug Herrn Professor LazaruS den Vorsitz. Herr vr. Rülf aufgefordert, die Ursachen deS NothstandeS darzulegen, beginnt: Unsere russischen Glaubensgenossen leben zwar legal nach dem jüdischen Religionögesctze, ohne jedoch die höhere Moralität desselben zu begreifen, sie erziehen ihre Sohne zur Thora, vernachlässigen aber die Erziehung der Mädchen vollständig; diese bringen ihre Kindheit größtcnthcils im Feuilleton. Plandkreien IV. Ich laS von einem berühmten Philosophen, eS sei einer der Hauptgrundsätze seiner Lehre : AlleS w a S ist, ist gut. Ob es wahr ist — nicht der Satz, sondern, daß er so ausgestellt worden — weiß ich nicht. In diesen Worten spricht Börne seinen Zweifel aus, ohne daß er damals an die prager israel. Cult. Repräsentanz gedacht hat. AllewaS i st, i st g ii t, sonst hätte die Gemeinde nicht in der Rabbinergaffe ihren Wurstelprater, wo zwar nicht der Wurstel aber die Gemeinde geschlagen wird, und eS hieße gewiffenloS urtheilen, wenn man behaupten würde, daß die 18 Unternehmer für da» hohe Entree der Gemeindeglieder nichts leisten. Cie bckommen Allerlei zu sehen : Theater, in welchem Comödie und Operette aufgesnhrt werden, in denen Akteur T e w rlc den Toto par force gibt, Panoramen, in wttchem intereffante Städte zum Borschein kommen, wie: Jitschin, Raudnitz, Weffely. Am meisten intrressirte mich immer der CirkuS mit feinen Clown Fritze, Ludie und Maur ' r . 1 t . ’. — —— . . . . —.—:-.-- Bette zu, sind dann nicht im Stande bei der frühen Eheschließung Gehilfinnen de« Mannes zu werden; die Eheschließung geschehe in höchst leichtsinniger Weise; eine Folge davon sei dann die vollständige Vernachlässigung des Aeußern, Schmutz und llnreinlichkeit; die Rabbinen seien wahrhaft ideale, edle Männer, haben aber keinen weltkundigetl Blick, feiHcN&jlfffdfejif die Welt- und Cultur-Lerhältnisse. Eine andere Ursache der Verarmung sei die 'Uebervölkerung. In PrinSk z. B. leben 10000 Juden und 2000 Christen; 800 Familienväter seien mm neS; selbst die Handwerker gehen jeden Nachmittag zur ntm. ES sei durch daS Zusammengedrängtsein der iSr. Bevölkerung, durch daS Sträuben gegen die Gründung von Elementarschulen, durch die große Steuerlast, ferner durch die Folgen der polnischen Revolution im Anfänge des laufenden JahrzehenS ebne furchtbare Verarmung eingetreten, die in den letzten Jahren jene entsetzlichen Zustände hervorgebracht. In der Stadt Georgienburg allein leben gegenwärtig 4000 jüdische Bettler; ein Viertel der gesammten jüdischen Bevölkerung bestehe heute in den NothstandSdistrikten aus Witwen und Waisen. Diese Witwen, die solange ihre Ernährer lebten, unthätig waren, entfalten jetzt eine große Regsamkeit, um ihre Kinder zu ernähren; sie holen Nägel und Slreichhölzchen in Preußen und bringen sic über die Grenze; ihr Zustand sei so erbarmungswürdig, daß selbst die russischen Grenzsoldaten Mitleid mit ihnen haben und sie frei passiren lassen. — Nichtsdestoweniger sei cs jetzt, nachdem die eigentliche Hungerönoth vorüber, nicht gerathcn, so ohne Weiteres die Almosen zu vertheilcn, sondern man müsse daran denken, etwas für die Dauer Wirkendes für die Unglücklichen zu thun. ricc, von denen der letztere in grotesken Sprüngen über die Häupter der Gcmeindemitglicder hinwcgspringt und auf den Köpfen der Steuerzahler hcrumtanzt, und daS Zauberthcatcr, in dem Figuren hcrauSchangirt werden, um nach Belieben andere Figuren vor die Rampe des PodiumS rinhcrspazicrcn zu lallen. Rnr herein meine Hcrreu und Damen I Co eben beginnt die Borstellung, ruft der Mistre Tewelc mit dem Ctabcrl in jdcr Hand, erster Platz zehn, zweiter fünf, dritter zwei Rcukreuzer! nur herein spaziert! Cie sehen den Mohn Haupt von unsercm Direktor Lu di dargestellt. den schwäbischen Dolfi Wahlzettclezcrcitien auSführen und mich meine Herren und Damen, mich den reizendsten der Welt, niich sehen Cie die Kerle drcffircn! Rur herein meine Herren, A l l c» waS ist, ist gut; nur ich bin nicht gut. Zwei Vorstellungen hinter einander, in einer producirt sich der Rlzdorfer Moritz nl» Ballettänzer, der einen LandtagSwalzer zum Besten gibt, ln der andern wird der falsche Blondin judcnstcuerlichen Andenken» aus einem von der Thalmudthora biS zum Schild David, der die Spitze de» jüdischen Gemeindehauses bildet, gespannten Seile tanzen. Alles wa» ist, ist gut; da» Ende der ganzen Komödie wäre noch bester, da nicht nur der Geldbeutel, sondern auch die Gesundheit darunter leidet. Der Schwindel gibt heute sehr viel zu .schaffen und klaffificirt sich sehr verschieden, ü» gibt wie bekannt, Aktienschwindel, BSrsenschwindel, Promeffenschwindel. Gruppmschwin- . ._ .. ....... - _.»fr i , -

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