Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 17 (1.9.1869)
- Date
- 1869-09-01
- Page
- Seite 172 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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172 i i senhrit bürgerlicher namentlich jüdischer Badegäste, die sich in den letzten Jahrenwesentlich gesteigert hat, ist den Herrn Bon und Zu ein Gräuel. Einer der Herren machte in einem im Gesellschaftszimmer auiliegeuden Buche seinem Herzm durch folgende- Epigramm Luft: _ Einthut am heiligen Lamm mir leid: Die Juden machen sich gar so breit; Sie machen esich so beqeum; Man denkt, man sei schon in Jerusalem. Ernst Dol«. der bckanntc Mitarbeiter, des Kladaradatlch, der bei seiner Anwesenheit in Heiligen-ramm den Berla-, schrieb darunter: Am heiligen Damm war'- ohne Tadel, Beschämte nicht ein hoher Adel Durch Gcisteöarmulh »nd durch Zopf Den Mcklenbnrg'schen Ochscnkopf. * Die Juden in Vondon hadern gegen die Ehronologie. Ikachdcm sie nämlich bi-her gewohnt gewescn.auf ihren Grabmäkern neben ocr Jahreszahl seit Bestehen der Welt, auch die der gewöhnlichen Aera anzngebcn, ist ihnen von ihren Behörden mitgetheilt worden, das; die letztere Angabe unterbleiben müsse, weil sie eine Anerkennung de- Ehristcnthumin sich schließe. „Die unglücklichen englischen Juden", bemerkt da- „Athenäum", fürchten, die Generation nach ihnen möchte nicht wissen, waun sie gestorben sind, und nicht im Ltandc sein da- „A. M.“ (anno mundi) entziffern. * _D er „alte“ R othschild. Zn dew sehetkSwürdigsten Alterthümlichkeitcn in der Nähe Londons gehört ein stattliche- Landhaus, einst Licbling-ausenthalt eine- Herzogvon Laudcrdale, und noch heute im Innern und Acußern, wie zur Zeit seine- Todevor 7<> oder SO Jahren. Hier lebte nach ihm eine seiner nächsten Bcrwandtinnen, die inzwischen auch verstorbene Herzogin von Dysart. eine ebenso mcrlwürdige Reliquie wie irgend eine im Hanse. Jeden Sonnabend im Soinincr versaniincltc sich ein biitttc- Gemisch der schönsten Frauen, der inodischsten Herren und der Notabilikaken beiderlei (Geschlecht-. Minister und Quacksalber, Bischöfe und Baptisten. Schauspielerinnen und Herzoginen, türkische Gesandte und Earbonari. An einem solchen Tage bcsand sich unter den Geladenen auch der große londoner Brauer Buxton. spater Lir Fawcll Bnxton, Baronrt, und ewar daerste Rial, daß er in Gesellschaft dem berühmteste» bev neuern Israeliten, dem „alten" Rothschild (gcst.!<!(!> begegiiclc. lieber die- Zi:sa:nmcntrcssen äußert er sich in dem von seinem Lohne und Biographen benutzten Tagcbuchc folgendermaßen: Wir dinirtcn heute in Ham Han-, cwar sehr amüsant. Rothschild erzählte sein Veben und seine Erlebnisse. Er ist der dritte Lohn eine- Bankierin Frankfurt. „Die Stadt," sagte er, hatte für uns Alle nicht Raum. Ich handelte mit englischen Waarcn. Da kam ein Großhändler nach Frankfurt und bemeistertc sich de- Marlies. Er spielte den großen Herren und betrachtete rals eine Gcsälligtcit. wenn er mir Waarn verknuste. Einmal beleidigte ich ihn und darauf verweigerte er mir die Ansicht seiner neuen Muster. Ich ging nun zu meinem Batcr u» theilrc ihm mit, daß ich obgleich ich nur deutsch sprach und verstand, nach England reisen würde. Zwei Tage später reiste ich ab. Je näher ich England kam, desto wohlfeiler wurden die Waarcn, und sobald ich in Manchester a»gelangt war, taufte ich für mein ganze- Geld. Die Lachen waren spotlbillig und ich machte einen hübschen Prosit. Nicht lange, so entdeckte ich, daß edrei Profite gab, am Rohstoff, am Färben und am Fabrikate. Daher sagte ich zum Fabrikanten: Ich liefere Euch den Rohstoff und dir Farbe. Ihr mir das Fabrikat. In solcher Weise machte ich drei Profite statt eine- und konnte wohlfeiler verkaufen, als irgend Jemand. In Kurzem waren aus meinen 20.000 Pfund 00.000 geworden.... Mein Erfolg ruhte auf einem einzigen Grundsätze: WaS ein anderer kann, dachte ich, kann ich auch. Etwas Anderebrachte mir weitern Bortheil. Ich war coulant und schloß mit Einab. Al» ich «ich in ftratai »irder-elassen, hatte die ostindische Compagnie 800.000 Pfund Gold zu verkaufen. Ich ginK zur Versteigerung und erstand da- Ganze. Ich wußte der Herzog von Wellington, von dem sich viele Wechsel in meinen Händen befanden, brauchte, es. Die Regierung ließ mich rufen und sagte, sie müffe eS haben. Als wir Handel« eins geworden waren, wußte man nicht, wie es nach Portugal geschafft werden sollte. Ich übernahm da-, schickte das Gold durch Frankreich und habe nie ein bessere- Geschäft gemacht" Ein andercr Grundsatz, auf den Rothschild viel zu halten schien, war der, sich nie mit einem unglücklichen Orte oder Menschen.zu befassen. „Ich habe" sagte er, „viele kluge, sehr kluge Männer gekannt, die keinen Schuh an den Füßen hatten. Mit solchen lasse ich mich nie ein. Ihre Rathschläge klingen ganz vortrefflich, aber da- Schicksal ist wider sie, sie können enie zu Etwas bringen, und können sie sich selbst nicht weiter helfen, wie sollen sie mich vorwärts bringen können'?" »Ich hoffe" warf Jemand ein, „Ihre Kinder werden nicht zu sehr am Golde und am Erwerbe hängen, werden darüber nicht Wichtigerevergessen." „Im Gegcntheil," erwiederte Rothschild, „cist gerade mein Wunsch, daß sie sich mit Leib und Seele mit Herz und Körper, mit ihrem ganzen Sein dem Geschäfte widmen. Da-, und nur daallein macht glücklich. Man muß bei einem Geschäfte bleiben, sonst ist man bald bankerott... Ich bin stetguter Spanne. Zu meinem Vergnügen gebe ich bisweilen einem Bettler eine Guinee. Da denkt der Bursche, esei rin Versehen, und in der Angst, ich möchte ebemerken, reißt er au-, wie — Schaflcder. Ich rathe Ihnen geben Sic gleichfalls bi-meilcn einem Bettler eine Guinee — ist ein allerliebster Spaß." Kunst UN- Literatur. Dadritte Qnartalheft (5629) 1868 9 Iesch urun Zeitschrift zur Förderung jüdischen Geiste- und jüdischen Lebenin Hau-, Gemeinde und Schule herauögegeben von Samson Raphael Hirsch ist bereiterschienen und weist recht viel Bnntcö verschiedenen Inhalts au-. Wir kommen in einer der nächsten Nummern auf einem andern Platze daraus zu sprechen. -Herr Joseph Ascher Profess, des Piano am kön. Hose zu London ist in einem Alter von 89 Jahren am 20. Juli gestorben er war ein Zögling von MoscheleS und Mendelssohn, erfreute sich wegen seiner Kompositionen und seine- GenieS al- Pianist einegroßen RnseS. — An- B u k a r e st melde t man: Der Hofkapellmeister Professor Su lz er, welcher im vergangenen Jahre vom fürstlichen Kultusministerium den Auftrag erhalten hatte, eine große Oper über einen nationalen Stoff zu komponiren, ist diesem Aufträge jetzt nachgekommen und hat die drciaktige Nationaloper „Held Michael" cingereicht. Das Ministerium hat die Partitur sofort angckauft, und es ist beschlossen worden, dieseerste nationale Musikwerk mit größtem Pompe in der Ausstattung in der kommenden italienischen Opernsaison zur Aufführung zu bringen. Briefkasten der Redaktion. Hrn. —e— in <S. (Simmftanben. — Hr». I. St. in W. Kopien von Eorreipondenzen in anderen Blättern zumal in solchen wir die ,N" bringen wir niemals und binden uns an Ociginalarbeiten. — Herrn U. in P. Danken Ihnen für Ihre Berichtigung mit dem Bedauern, rin Reierat über Feierlichkeiten nie »t bringen, zu denen die Redaktion nicht geladen wird, die Außerachtlassung diese r ckourtaise charakterisirt die Taktlosigkeit einer Körperschaft. — Hrn. L. in Pr. Wa» wollen Sie mit Ihrem Artikel über die Repräsentanz bezwecken? sie bessern? sie ist unvrrbesierlich, jedoch wenn sie denselben mit vollem Namen unterfertigen, sind wir zur Ausnahme derselben bereit. — Hrn. A. Ä. in Br. Einverstanden, nur bitten wir tlnen ander» Titel zu wählen. Briefkastell der Administration. Herrn «. ln Saaz Abonnement biß Dezember voraemerkt — Hr, S. t» Krakau Abbonuement pränotirt —Hrn I. >. 1» D. Ihr Ab»»- «hm« cnuwrt «taMdHü