Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 17 (1.9.1869)
- Date
- 1869-09-01
- Page
- Seite 163 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Hslbjiihrige» Lbo»« atmest fitr Prag und die Provinz inklusive Anstellung ins HauS oder Postversendusg ö. W.. . 1 fl. 40 fr. fiir'S Ausland i Thlr. fiirAmerika 2 Dollar. Inserate werden billigst berechnet. Die Gegenwart. Hrgan für die Interessen des Iudenthums. Redaktion und Administration Rittergaffe Rro. 4ÜK —1. wodiu alle Briese n. iSeldsrndungen zu richten sind. Tie „tfirgeuwart" erscheint am l. und 15. eines jeden Monates. Nro. 17. Prag 1. September 1869. II. Lahrg. Inhalt: Leitartikel: Deutsche und böhmische Judenfreundlichkeit. — Hamburger Briefe. — Ein Wort an die BeschneidungS-Cominission der Leipziger Synode. — Zur Abwehr. Correspondeuz: Czkin. Lorales. Auswärtiges. Buntes. Feuilleton. Inserate. In der nächsten Nummer dieses Blattes beginnen wir mit einem Feuilleton unter dem Titel „Bilder aus dem Orient",die von einem israelitischen Touristen,der Europa, Afrika, Asien und Amerika durch nahe vier Jahre bereist hat, eigens für unser Blatt geschrieben wurden und dem Leser namentlich über die ethnografischen, geografischen und religiösen Zustände im Orient, vorzüglich in Aegypten und Palästina in wahrheitsgetreuer ausführlicher Weise, bei populärer aber höchst interessanter Darstellung Aufklärung bieten. ' Die Redaktion. Deutsche und böhmische IubensreunLUchKeit. Nachdem bei der Existenz zweier Nationalitäten in Böhmen, der deutschen und böhmischen nämlich, so oft die Frage ventilirt wurde, bei welcher von diesen sich die Juden einer größten Beliebtheit oder vielmehr einer intensiver» Unbeliebtheit erfreuen und diese Frage gewöhnlich mit der Ansicht erledigt wurde, daß sich hier, wie dort, die Partisane trotz ihrer sonst schroffen Stellung zu einander, in jenem Punkte, wo cS sich um die Loyalität für die Juden handelt, vollkommen einigen, und sich über da« vielleicht schon gegrabene aber noch nicht verschüttete Grab alter Bdrnrthcile die Hände reichen, sei eö vor Allem unsere publicistische Aufgabe, diese in das Triebrad der Zeit und der politischen Aufklärung stark eingreifende und schneidende Frage einer Beleuchtung zu unterziehen. Weit davon entfernt, weder den Anhängern der einen politischen Partei ein Mittel an die Hand zu geben über die andere zu -triumphiren, noch die andere Partei, die sich so gerne alS die Pächterin der Intelligenz gerirt, in ihrem Glauben zu bestärken, der Jude lasse sich von dieser Phrase bestechen und von verkappter Judenfreundlichkcit täuschen und ködern, müssen wir zuvor die Situation der böhmischen Juden klar wachen, um zu unserer Untersuchung desto leichter zu gelangen. Dieselben sind, wie es die geographische und politische Lage nicht anders erheischt, zwischen zwei nationalen Elementen so eingekeilt, daß sie in ihrem eingepferchten Zustande für die letzteren ein ewiges Dilemma werden. Ans dieser politische!? Zwangslage nun ergibt sich von selbst die schwierige weil unerquickliche Stellung der böhmischen Juden in ihrem Baterlande und die aus derselben hcrvorgehende Divergenz in der politischen Anschauung der einzelnen, daher es kommt, daß die inkorrekte Handlungsweise eines oder des andern Israeliten, er, mag die Schuld oder—Niel-tschuld^ anderselben fragen, so scharf gesehen und bcurthcitt wird, wie sie sonst im gewöhnlichen socialen Leben weniger Beachtung hat. So kam es, daß dann die willkührlichen oder unwillkührlichcn Uebcrgriffc der Individualität Anfeindungen zur Folge hatten, die sich zu bedauerlichen Exccssen steigerten und oft von gegnerischer Seite zu einer politischen Bedeutung zugespitzt, bei guter Gelegenheit benützt wurden, die intelligente Masse für die Ausschreitungen des zügellosen Mob verantwortlich zn machen. Damit wollen wir keineswegs Feuilleton. Plaudereien. in. So oft ich unter dein Strich schreibe, dürfte der Leser denken, habe ich Jemanden am Strich, den, wenn ihn nicht der ernste Frost über den Strich schüttelt, doch die Schellenkappe drS HumorS an gewisse Sünden erinnern soll, die er durchs Jahr begeht. Da» Buch de» Leben» eines Andern liegt nicht so vor mir auf. geschlagen, wie da» meinigc und daruin steht mir die Controlle über andere gar nicht, zu wohl aber da» Haupt- und Cassabuch unserer CultuSverwaltung, in denen, so unverantwortliche Posten, die dem Budget entspringen. Vorkommen, daß eS fast nothwendig wäre, über da» Jo »mal der Semeindeverivaltung einen verantwortlichen Redakteur zu setzen, der bekanntlich S t tzsteisch haben muß. Die Sul- Kurverwaltung macht auch hier eine Ausnahme in der Regel, so wie sic cs mit der Abrechnung zu thnn pstcgt; sic rechnet nicht ab zum neuen Jahre jüdischer, nicht zu dem. gewöhnlicher Zeitrechnung und wenn, so geschieht die Abrechnung so „allgemein" und „außerordentlich" daß man sich fragen muß, was geschieht denn im Allgemeinen, Ordentliches. Die Gemeinde dagegen hebt ihr thräncnvolleS Auge zum Hinnncl empor und bittet : V ater u»- König! Zeichne uns c iu in das Bu ch der R a h r »„ g und deS guten Auskommens, daß wir einen Sekretär aushaltc», auf daß er Bormittag in der Kanzle» müßig, »ach Tisch ins Caffchau» »nd Abend in» Casino gehen könne, um daselbst im Vereine mit seinem Vorsitzenden, Jellineks Preisfrage über die Sprifegtsetze praktisch zu studiren, daß ivir einen Deputirteir nach Leipzig schicken, um die Gesummtheit der deutschen Jude» zu gemeinsamen Zielpunkte möglichst einigen zu können, daß wir ein Waisenhaus ankaufen, uin einem Gläubiger zu seinen» Gcldc zu verhelfen, daß wir einen Schulhof schrn Nöhrbrunnen stellen tönnen. um mit ihm leichter auden laschen der Gemeinde schöpfen zu können. Darauf betet die Steuerkommission: Vater und Koni gl wir haben grsündigrt gegen Dich, weil wir gesündiget gegen die Bäter und Mütter gegen die Witwen und