Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 15 (1.8.1869)
- Date
- 1869-08-01
- Page
- Seite 141 (sequence 1)
- Language
- German
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I Halbjähriges Aboa» ntntit für Prag und die Provinz inklusive Zustellung ins Hans oder Postversendung ö. W.. . Ist. 4V kr. iir's Ausland ITdlr. fürAmerika 2 Dollar. Inserate werden billigst berechnet. Die Gegenwart. Hrgan für die Interessen des Iudenthums. Redaktion und Administration Ritter« gaffe Rro. 408 — 1. wodin alle Briefe u. Grldfenduagkn zn richten sind. Die „Gegenwart" er» scheint am l. und l5. eines jeden Monates. tlro. 15. Pr-, 1. Äugust 18KS. II. Jahr,. Inhalt: Leitartikel: Das Lbrrrabbinat. — Das neue Volksschulgesetz und dir isr. Volksschule. — Ebräische Nöthen. — Der moderne Sokrate». — Blicke auf das Judenthum unserer Zeit. Corresvondenz Hostiwitz, Maricnbad, New-Hork. Locales. Auswärtiges. Feuilleton. Inserate. Das Oberrabbinat. Es wird gerade jetzt ein Jahr, als wir die Frage des OberrabbinatS ventilirten und in einem Artikel beleuchteten, aus dem wir nothwcndigcrwcise, heute zu einem kritischen Resultate zu gelangen, zuvor eine wichtige Stelle herauSzichen, um uns die Eonsequcnz unserer Anschauung nicht streitig machen zu lassen und den Leser zu überzeugen, daß wir damals, ohne noch die Person gekannt zu haben, die daS Amt eines Obcrrabbiners in Prag bekleiden soll, mit derselben Unbefangenheit, diese für eine Jsraeliten-Gcmeindc hochwichtige Angelegenheit bcurtheiltcn, wie wir dieß heute zu thun in der Lage sind. Wir machten zu jener Zeit die jüdische Vertretung aufmerksam, wie bei der Wähl eines Obcrrabbiners vorzugchcn sei, und sagten vor einem Jahre -indiesen^Blättern Folgendes: Feuilleton. Zurück zu Dir, Herr Zebaoth! (Schluß) Während sic so schmerzensreich da lag und auf die dunkleren Schatten des Abends harrte, saß der ehrwürdige GrciS Josiah Manaffc, ihr Großvater, in seinem weichen Lehnstuhl , und sah die Schatten nahen, die der Nacht dcS Todes vorangchen. Sein Gesicht zeigte den edelsten Schnitt der characteristischcn Züge seines Volkes, aber spitz und scharf, wie sic einem Patriarchcnaltcr gewöhnsind. Dünnes weißes Haar kam in spärlichen Ringeln unter dem schwarzen Sammctkäppchcn hervor, das die hohe, schmalc und hundertfach gefurchte Stirn deckte, aber ein langer, silberfarbener Bart filoß in zwei dichten Wellen bis auf die Mitte der Brust herab. Ziehe das Rolcau empor, daß ich noch einmal die scheidende Sonne sehe, sagte der Sterbende zu der alten Dienerin, die am Fenster saß. Sic that nach seinem Geheiß. Er sah.in den leuchtenden Sonncnball und ein wehmüthigcs Lächeln irrte um seine Lippen. Ich werde sic hier unten nimmer Wiedersehen, Hannah, und sehe jetzt schon wie durch einen Flor, der vor meinen Augen schwebt. Schont Euch, Herr Josiah. bat die Alte. Laß nuch, Hannah, laß mich nur reden, entgegnete er, den „ES wäre sonach angczcigt, daß die Rcpr. zu den vielen mitunter weniger nothwcndigcn stommissionen eine neue ins Leben rufe, die im Vereine mit einer Delegation ans der Repräsentanz die rituellen Angelegenheiten, vor Allem jedoch die Oberrabbinatsfragc zu bcrathen und zu beschließen Hütte, die Mitglieder derselben seien aus Fachmännncrn zu bilden, — wir verstehen unter diesen nicht Rabbiner allein, die ohncdieß zuweilen eine Halhara in billiger und einfacher Weise bekommen, sondern Männer, an denen die pragcr (Gemeinde keine Roth hat, die einen hinreichenden Fond jüdischer (Gelehrsamkeit als deutschen Wissens und die nöthigc UrthcilSkraft besitzen über einen Mann ein Votum abzngcben, von dem nicht nur ein allgemeines, sondern auch ein speziell talmudischcs Wissen verlangt wird. Diesen Fachmännern sollen noch andere ehrbare Elemcindcinitglieder bcigcscllt werden, um auch über jenen Punkt leichter hinwcgzukoinincn, der mehr einen praktischen Werth hat. Da sclbstcrklärlich ein EoncnrS zur Besetzung einer Obcrrabbinerstellc nicht ausgeschrieben werden kann, so stehe cs jedem Mitglicdc der Lkommission frei, einen für die erledigte Stelle geeigneten würdigen Mann in Vorschlag zu bringen. In diesem Sinne wollen wir der Eommission nicht vorgrcifcn und seiner Zeit dieselbe vor ihrem Zusammentritte gerne auf jene Momente aufmerksam machen, die bei der Besetzung eines für die pragcr Jsraclitengcmcinde so bedeutungsvollen Postens ins Auge zu fassen sind, und wir glauben in der Berührung dieses liegenich habe Dir ja mehr zu sagen, was mir in der Erinnerung eine schmerzliche Freude macht. Sichst D», Alte, als ich hier faß und schlummerte, da Hab ich einen schönen Traum gehabt; ich träumte von ihr. Bon Wem? rief Hannah und horchte hoch aus. .Bon ihr, fuhr er smt, die ich nie mehr nennen wollte und deren Namen nun doch in der Todesstunde anf meinen Lippen schweben muß, von Judith, der unglückseeligen Judith' Von Judith! seufzte sie. Denkt nicht an sie. Herr Josiah, daß Euch die letzte Stunde nicht verbittert wird. Ich habe sic doch sehr geliebt, sagte Herr Josiah milde. Und ich nicht minder, fügte Hannah hinzu, um so schlechter ist cs von ihr, daß sie uns solchen stummer verursacht hat. Ich sah sie im Traume, meine arme Judith, fuhr er sinnend fort, und sah sic wie sonst zu meinen Fniien sitzen und ihr Haupt auf das ich segnend meine Hände legte, auf meinen .itnien ruhen. Es war meine Judith und war sie doch nicht, denn ihrer Schönheit fehlte der schönste Schmuck, die langen, schwarzen Flechten,, um die sic alle Töchter Juda s beneidet hatten. Und ach. sie tcudcn Wittwcnschlcicr ihres Liebreizes und war bleich und traurig, ja zu Tode traurig. — Längst ivar die Sonne zur Ruhe gegangen nnd..cher alte Pa triarch fast und sann und träumte und dachte an seinen Tod und an seine Judith, nach der ec sich sehnte, daü der TodcSengcl ihm Minute auf Minute schenkte, um seiner letzten Sehnsucht noch Ecfülliing zu gönnen. Und längst hatte Hannah die itanwe auf den Tisch gestellt, aber er fast und sann und träumte und sehnte sich nach seiner geliebten Judith.