Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 11 (1.6.1869)
- Date
- 1869-06-01
- Page
- Seite 99 (sequence 1)
- Language
- German
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. «HtüHiKl im» ««mit für frag aal Ite Provi»» iaüafiae Anstellung in« Haas litt Pofwersendmtg LS... 10.40 fr. str'SA«Sla«d1Thlr. filrRmenka 2 Dollar. Inserate werde« billigst berechnet. Die Gegenwart. Hrgan für dir Interessen des Iudenthums. Redattto« «atz Bst «tutsteatiaa Rittergaste Rra. 408 — 1 _ wadia alle Veiefe a. Geldsendangen za richten find. Die „Gegenawrt" erscheint a« 1. aal 15. eine« jeden Monate-. Uro. 11. 8 n ( a 11: Leitartikel: Aufklärung. — Der Zeitgeist fordert'« — Sin Doktorand der Philosophie als Manu. LoealeS. Auswärtiger. Rnnst and Literatur. Vom vüchertische. — " Fenilleta«. Rekralsgie. Inserate. 1 A»fKl8rung. So unlieb eunist, die Stellung der Israeliten in Böhmen zu den beiden Nationalitäten zu berühren, so sind wir heute, indem wir der Strömung der Zeit nicht Widerstand leisten können, durch Fehler, die von einzelnen hervorgerufen werden, veranlasst, da« Verhältnis der Juden znr böhmischen, oder wie elandläufig ist, zu sagen, zur iechi» schrn Nation genauer zu präzisiren. Wir müssen dieß um so eher thun, als wir bei Uebernahme der Redaktion dieser Blätter im Programme da- Hinwirken defriedlichen Einvernehmens zwischen Israeliten und Nichüsraeliten kräfttg betont haben. Der Israelite in seiner kosmopolitischen Natur, namentlich der böhmische Israelite war stets gewohnt, unter allen Verhältniffen, sie mögen ihn gedrückt oder de- DruckeS enthoben haben, jede Verfassung anzuerkennen, es wäre sonach am allerwenigsten gerecht, ihm einen Borwurf seiner gegenwärtigen VerfasiungSfreundlichkeit zu machen, da er eben der gegenwärtige« Verfassung Errungenschaften zu verdanken hat,die ihm seine Stellung angenehmer machten. Ohne jedoch den geringsten Zweifel zu hegen, daß unter anderen Berhältnisien der Israelite dieselben Rechte erlangt hätte. wie sie di« Humanität und die Civilisation verlangen, finden wir eS nur vernunftswidrig, das Abtragen einer längst verfallenen Schuld — die Freiheit nämlich — zurückzuweifen, oder gar den ehrlichen Schuldner mit Undankbarkeit zu belohnen. Es ttitt aber ein ganz anderes Kapitel an dii Israeliten in Böhmen heran, welches den Frieden und die Eintracht zur Basis hat, und lehrt, wie sich die Israeliten zu der Majorität der Bevölkerung in Böhmen zu ver«^ halten haben. Diese befindet sich, 'wie enotorisch ist, in der staatsrechtlichen Opposition und eine Opposition auf legalem Wege wird nicht nur gebilligt, sondern so fern sie mit dem RechtSgefühle nicht kollidirt, von dem politisch reift« Gegner geachtet. Den Israeliten jedoch wird der Borwurf von vielen Seiten gemacht, daß sie den angesttebten Rechten der böhmischen Nation nicht nur hinderlich sind, sondern etwaigen noch in der Luft schwebenden Ausgleichen hemmend entgegenwirken, um mit der in Minorität sich befindenden deutschen Bevölkerung in Böhmen zu paktiren. So ist es aber nicht, und die ifrael. Bevölkerung geht ruhig ihren Tageswerken nach und macht nicht einmal einen übermäßigen Gebrauch von den ihr verliehenen Rechten. Ganz ander« verhält es sich mit einigen Israel, politischen Emporkömmlingen, die für sich allein den politischen Horizont erweitert zu haben glauben, die nicht so sehr an BersassungSfreundlichkcit als vielmehr an sich und ihr Fortkommen denken, die, mit einem Worte, fürchten, daß mit einem Umschwünge der Verhältnisse, sie solche politische Purzelbäume machen, bei denen sie auf'S Gesicht zu fallen kommen, das sich schon in MinisterialbureauS zu sitzen wähnt. Wie gesagt, der böhmische Isruelite, speziell der prager Israelite kennt nicht die Absichten eine« Widerstandegegenüber der vorwiegend böhmischen (Lechischen) Bevölkerung, er will Ruhe und Frieden. Jene „ausgezeichnet" sein wollenden Herren, die vom Judenthume nichtandereausweisen, als höchstenS von einer jüdischen Mutter, in einem jüdischen Prag 1. 2mü 1869 Feuilleton. Plaudereien. „Die Sprache ist da. um hinter ihr die Gedanken zu vrrber. gen" wäre «ine richtige Anstcht, wenn nicht oft viel gesprochen würde, ohne daß dabei gedacht wird, und so «erden die Gedanken von der Sprache beherrscht. Der Mensch lebt gar oft in den Tag hin. ein, er lebt somit, wenn ich bei Manchen die Nacht hinzurechne, wo er am m:iste« im Schlafe spricht, in 24 Stunden hinein und da er fort und fort spricht, so hat er 24 Sprechstunden im Tage. Der Generalprokurator unserer Cuilus-Gemeinde-Berwaltung, gehört doch gewiß auch zu jenen Mensche«, die 24 Sprechstunden haben «ud so «ustte et mich wnndrrn, daß er so unbedacht war, sich in öffentlichen vlLUem zu annoncirrn. nur 2 Standen l« Tage zu sprechen. Es zeigt dich, daß dne wortkarge Sprechwatt wenig Tr. Wh«a»ß and Präzis «ad ein« nicht z« überwältig'«de Geduld ha. den muß. während 2 Stunden mit sich allein zu sprechen. Ich rin abergläubischer Mensch der der medicinischrn Quacksalberei eben solches Vertrauen schenkt, wie der Medizin selbst, dem GolisSprisepulver, Aral» Sisensyrup, Borchard» Kräuterseife. Ilod de 1'affectur, RomerShausen Augrnessenz für unübertroffen gelten, dem ein Arzt gleich dem andern ist, wollte dießmal den Versuch mache«, einen Hrilkünstlrr zu besuchen, der noch keinen Tobten auf seinem G«. wissen hat. Ich besuche das Grönhaus und gerirth auf eine« Goridor in ein seltsame- Dilemma, ich gerirth in eine Zwickmühle, btt der ich links und rechts mich von einem Arzte gezwickt glaubte und meine Lage war eine höchst peinliche. Da half mir ein Stubenmädchen, da» ich fragte, «er eigentlich hier der Arzt wäre, aus meiner Zwangslage, indem sie mir in recht naiven Ton bedeutet«: Bon dem einen Hab ich halt gehört, daß er eine kranke Gemttnde behandelt, wir er sie behandelt, wird er am beste« wissen, u»d der andere ist gwoiß ein tüchtiger Arzt." Ich sah schon, daß fich der ttne auf den andern hinaufgesetzt hat, denn im Sißenbltt' gewissen Abstimmungen hat er di« Präzis. So wendtt- ' an kein« von bette«, ging die Stiege herab, wntttt