Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 10 (15.5.1869)
- Date
- 1869-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Halbjähriges Abonntrneut für Prag und die Provinz inklusive Zustellung ins Haus oder Postverscudnng ö. W.. . 1 fl. -10 fr. fiir's Ausland iTblr. ftirAmerika 2 Dollar. Juseratc werden billigst bcrcchiitt. Die Gegenwart. Hrgan für die nieressen des udenthums. Nedaktion und Ad miiuffratiou Nitter» gaffe?kro. -Iftx — l wobin alle Briefe n. tiieldfrndnngrn zn richten sind. Die ״Gegenwart" er» scheint am l. und 15. eines jeden Monates. Nr». 10. ,Prag 15. Mai 1889. H. Iahrg. Anhalt: Lritartilkl: Rrpläjentan; und Intelligenz. — Ein jüdischer LandeSschut» rath. — Znr BeschnciduiigSfrage. — Die Inden in Spanien. Korrespondenz. Mittvaukce. LoealeS. Auswärtiges. Buntes. Pom Büchertische. — Feuilleton. Inserate. Nachtrag: Zur Etymologie des Wortes "מטצי־ ״' .v Nrpriisenlaiy und Intelligenz. Wenn wir den Berathungen der Prager isr. CnltuSgemeinde-Repräsentanz nie ein wichtiges Moment beigclegt haben, so war es eben ihre, nicht unsere Schuld und so wie unser Auge bei Beobachtung der schalen und indolenten Behandlung, die jene Bertrctung der Gemeinde angcdechen ließ, nie getäuscht wurde, so klären uns erst die letzten Berathungen dieses jüdischen AreopagS über das Verhältnis desselben zu seiner Gemeinde auf. Wir müssen bedauern, daß die Repräsentanz die von einem integrirenden Thcile der Gemeinde gewünschte Abänderung eines Gegenstandes u-rit mehrMancrme als Takt und Connoifie behandelte, desfen Ernst an und für sich eine jede Ucbcrcilung verdrängen, eine reifliche Erwägung zn Folge haben mußte. Um zu dem so fadenscheinigen Resultate zu gelangen, das die aus der Gemeinde hervorgegangcne Repräsentanz dieser Gemeinde in markanter Weise und in Blitzesschnclligleit servirt hat, wollen wir dem lesenden Publikum die Thatsachen vor das gcistige Auge führen, damit jenes die ganze Situation erfasse, und in dieselbe, so finster sie auch sein möge, Licht gebracht werde. "־ K ׳״"' Feuilleton. Raibliithen. Mit dem Erwachen der Natur aus ihrem todesglcichcn Wintcrschlafe, die die Sträucher mit der l'laugcflicdcrtcn Toilette, die Bäume mit dem weißen Blüthcnschmuck versieht, und die Wiesen und Gefilde der wohlthuenden Stcrbcdccke entkleidet, um sic mit dem grünen Teppiche zu schmücken und sie zu lachenden Fluren zu gestalten, stehe ich da wie neu belebt, hüpfende» Herzens, fröhlichen Gemüthcs, um die Blüthen zu pflücken, die so munter cmporspringen in unseren Gemeindegefildcn. Da blenden mich die ״Ehrenpreise," in deren Kelch ein Landcsschulrath sitzt, da springt mir inS Auge daS Tausendgüldenkraut, das sich neben dem bescheidenen Pergißineinnicht um die sckrctarische Belladonna schlängelt, da verstricke ich mich in den Schmarozcrpflanzen, die mit Kreuzblumen aus der Brust geschmückt, überall da sind, wo eine Danksagung, eine Zuschrist, ein Lobdekret zu sangen ist, da sehe ich diese ohnmächtigen ES ist über ctffc:! Zweifel - erhaben, daß ein Thcil der Männer der gegenwärtigen Repräsentanz, um nach bestem Wissen und Gewissen zu urthcilen, nicht durch das Ver» trauen, dessen man zu dem Zwecke Gcmeindeinteresscn zu ver» treten, bedarf, hervorgegangen ist, daß also die These: ״Diese Männer sind Vertrauensmänner der Gemeinde" nichts als Chimäre, als eitles leeres Ding ist; ja daß vielmehr diese Herren zum größten Thcile durch künstliche oft unerlaubte Wahlagitation, bei dem Gcmeindediener, HandlungSsnbjekte und wie das ganze WahlzettclfSngcrkontingent heißt, in da- SitzungSzimer des jüdischen Gemeindehauses hineinbugsirt wurden. Dem gegenüber mußte daS groteske und bizarre Motiv in der, auf die Bitte der Gemcindcmitqlicder die drei Wahlkörpcr an einem Tage, in gleicher Zeit und abgesonderten Lokalen wählen zu lassen, ddato 22. März d. I. erfolgten Erledigung, daß nur durch die Festhaltimg des al» ten ChangirmoduS die Möglichkeit gewahrt wird, den von der großen Mehrheit der Gemeinde gewünschten Persönlichkeiten trotz aller Agi tation den Ehrensitz^u sichern —eine bloßeJro» nie, eiu znsammgcschwatzter GaklimathiaS sein. Zu dieser Ehrensitzschmuggclei diente in bequemer Weise ein Wahlmo» duS, der in den Annalen der Gcmeindechronik seines Gleichen nicht finden düefte. Eine Verschleppung der Wahl von neun! Repräscntanzmitgliedrrn durch beinahe acht Tage, in einer j Art, wie sie zuj den probatesten ESkamotagestückchen zu zählen wäre, mußte fast immer einen llufug unvermeidlich machender sich den rafsinirtcn Gamins hätte zur Seite stellen können. Der offene, ehrlich denkende Mann, der das unsystematische Gebühren der jüdischen Vertretung mit dem Gcldc der Gemeinde nicht mit anschen, eine Amtskanzlci, die 7(KK) Gul» den absorbirt, nicht verdauen und die ganze Administration nicht billigen kann, der die Gemeinde und deren Interessen höher schätzt als alles komödienhafte und automatcnartige Zlvittcrbluincu hin und herbaumcln angehaucht von den schincichetudcn Zephyren eines advokatischcn AdoniS, und angcwcht von der Furcht, sich für das Ehrcnfcld unmöglich zu machen. Und diese kostbaren Knospen erst, wenn sic aufspringcn und Remuuera. tioncn ans Lickt der sonnigen Welt bringen, da hupfen sic muthig hermn diese Schlingpflanze», während sie zu Nachtschatten für jene Taschen jocrbcn, welche sich öffnen, um das thcuerc Unkraut zu nähreu! Poetisch wäre dich alles für mich,, wenn nicht das Geld so prosaisch wäre! Die Psianzcnwclt hat doch daS Eine voraus, daß die liebliche Rose nicht eifersüchtig ist aus die tänschcirde Mvnatrose, die echte Mohnblume aus die falsckc, besürchtend, die täuschende könnte zur lieblichen, die falsche zur echten werden, daß die, die den Borzug von der Mutter Natur haben, nicht de» Nationalzwisi in den Bereich der BiüthcN- und Blumcnwclt zerre», und pathetisch sagen : Sic die unseren Platz besser ausfüllcn. die wie Bcilchc» in Stille und Bescheidenheit wirken wolle», für jene, welche die goldenen Früchte zunr Altar des Veincinnützigen tragen, könnten unS unsere politische Ueberzcugung rauben und ivir wären verloren. Sv singen nicht die Blumen, so zwitschern die seinen Bögel. welche sich