Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 9 (1.5.1869)
- Date
- 1869-05-01
- Page
- Seite 94 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4890378-5433914-5433965--291-4890637- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Locales. \* Am 3. d. M. beging die hiesige Josefstädter Haupt- «nd Unterrealschule ihr 87. Gründung-fest. V Bei der Prei-vertheilung in der Gewerbeau-stellung in SechShauS (bei Wien) hat der hiesige Ledergalanteriewaarenfabrikant Herr B. Schlenker die silberne Medaille erhalten. \* Der Vorstand de« Privatfrauenvereinzur Erziehung armer ifr. Waisenmädchen hat ein geräumigere- Lokal für diese Anstalt gewonnen, und zwar in dem zweiten Stockwerke de« an den isr. Tempel sich anschließenden Hauseda-> Eigenthum diese- Synagogenvereines ist. Wir nehmen schon deßhalb gerne von dieser Uebersiedlung Akt, weil wir zweimal in diesen Blättern im Interesse der armen Waisenmädchen aus die Nothwendigkeit einer geräumigen und gesunden Lokalität hingewiesen haben. V Derech Jeschara und Maskil el Dol. Der Paragraph 35 der Statuten dieser Brüderschaft bestimmt, daß jedes Jahr im Monate März eine ordentliche Generalversammlung stattzufinden habe; es sind doch drei Jahre verfl offen, ohne daß weder diesem Paragraph« noch dem Drängen der Mitglieder dieses Vereines Rechnung getragen wurde. Wenn nicht, in Kürze eine außerordentliche Versammlung einberufen wird, so werden wir «ns Mühe nehmen, den Grund dieser Verschleppung zu erfahren und ihn ohne Rücksicht auf Personen zur Kenntnis bringen. *** Die Statuten de- Vereine« „ Afike Jehudah" sind bereitvollendet und da man au- Utilität«gründen von einer Gmeralvcrsammlung abgekommen ist, bereitder h. k. k Statthalterei zur Genehmigung vorgelegt worden. Wir beschränken uns dießmal nur auf die Anführung de- Zwecke« de- Vereine« und der Mittel zur Erreichung diese- Zwecke«. Der Verein verfolgt, wie schon in diesen Blättern bemerkt wurde, den Zweck, den religiös-jüdischen Sinn zu erwecken und die Kenntnis der jüdischen Literatur und de« jüdischen Wiffenzu verbreiten und zu fördrrn. Diesen Zweck zu erreichen, dienen vor Allem von Zeit zu Zeit wiederkehrende Versammlungen, in welchen wissenschaftliche Vorträge, die sich auf da« Judenthum und dessen Wissenschaft beziehen, gehalten werden sollen, Empfehlung und Verbreitung guter den Verein-zwecken entsprechender Bücher, so wie Gründung einer Bibliothek, Anschaffung von inn- und ausländischen jüdischen Interessen verbreitenden Zeitungen, Verleihung von Stipendien an solche Studirende, die sich dem jüdischen Lehrer,» Rabbiner,» oder Prediger-Amte widmen, und an solche arme jüdische Studirende aller andern Schulen, die sich durch Fleiß und gute Fortschritte derselben würdig bezeugen und die einen religiös-sittlichen Lebenswandel führen, die Errichtung oder Subventiouirung von Schulen, in welchen die israelitische Jugend, ob arm oder reich, die bisher keinen oder mangelhaften Unterricht im Hebräischen genossen hat oder genießen konnte, gegen rin mäßige« Schulgeld oder unentgeldlich — je nach den Verhältnissen — Aufnahme fänden. Diesem Zwecke entsprechend sollen die in Prag bereits bestehenden jüdischen UntcrrichtSanstalten im Allgemeinen und die Talmudthora-Schule insbesondere derart nach Maßgabe der BerernSmiltel unterstützt werden, daß erstere wo möglich mit der BercinSschule in Ein« verschmelzen, wenigstens aber nach gleichem Lehrplan geleitet werden sollen letztere jedoch ihrer wirklichen und alleinigen Aufgabe entsprechend vervollkommnet werde. Auswärtiges. Wie». Seitdem nach dem interkonfeffionrllen Gesetze der Uebertritt von einer Religion zur andern erlaubt ist, haben in Oesterreich 167 Personen ihre Religion gewechselt und , unter diesen sind 113 zum Judenthume übergegangen. Pest. (Dem vr, Hildesheimer eine Ovation) Dem um das Judenthum vielverdienten Rabbiner Herrn vr. Hildesheimer, wird wie wir vernehmen, in nächster Zeit von vielen j der vornehmsten jüdischen Einwohner Pest'S ein großartige» mit Unterschriften versehene« Album als Zeichen der Anerkennung seiner großen Verdienste um da- Judenthum zum Geschenke gemacht. — In den ungarischen Reichstag wurde der Jsraelite, Herr Wahrmann aus Pest, gewählt. B»karest. Die Verfügungen dc« Ministers Cogolnitscheano durch seine wiederholten Cirkularnotm an die Präfekten bezüglich de« Erwerbe« und deS Aufenthaltes der Israeliten auf dm Dörfern stehen im grellen Widerspruche mit seinem veröffentlichten Programme und seiner frühem Toleranzversicherung. In jenen Cirkulamoten werden die Präfekten strengstens angewiesen, ferner nicht zu dulden, daß Israeliten „Einkehr- oder WirthShäuser" auf den Dörfern halten. Die Vertreter Frankreichs und England«, (denen sich in Folge der Einladung des Herrn v. Zulauf auch der ftanzösiche General- Consul angeschloffen) sollen dem Minister-Präsident Demeter Ghika Vorstellungen zu Gunstm der Israeliten gemacht haben, in deren Folge die Zurücknahme jener Ministerien Ordonnanzen zu erwarten sind. (?) (Neue fr. Pr.) Lerli». An einem der verfioffenen Sabbathe hat der „geniale" Prediger in der Synagoge des Schochare Hatob- Vereine« den betteffenden Abschnitt jniJfö mit dem vulgären Sprüchwort: Wen'« juckt, der kratze sich, in Verbindung gebracht. Ein schallmde« Gelächter der Zuhörer belohnte der Redner (wie vor 2 Jahren vr. Aub in der Nella-Predigt mit dem Worte: „Wir stehen jetzt wie Herkules am Scheidewege") die hiesige Conversation mit einem „geflügelten Worte" reicher gemacht hat. (Isr.) Frankfurt a. M. Die „Emanuel Westend-Union," an derm Spitze Herr vr. Stein steht und die der VolkSmund als die „englische Kirche" bezeichnet, hat ihre au« 28 Paragraphen bestehende Synagogenordnung pudlicirt. Wir geben einige Punkte daraus wieder: „Der Morgengottesdienst soll an allm Sabbaten und Festtagen um halb zehn Uhr beginnen und einschließlich der Predigt 1'/, Stunde dauern." (§ 4 u. 5.) „Kinder jmter acht Jahre» werden nicht eingelassen, selbst nicht in Begleitung ihrer Verwandten. Der Schammeß schätzt da« Alter der Kinder ab und weist die Kleinen zurück." (§. 8.) „Die Gemeinde soll nicht mit beten und nicht mitsingen" (§. 12.) „Bei Borchu, Schema, Schemone Eßre, beim Ausheben und beim „Trauer-Kaddisch" (sie) muß Alles stehen, sonst muß Alle» sitzen." (8 13 u. 14.) „Während der Predigt muß Alle» ohne Kopfbedeckung sitzen, (ß. 16.) „Beim Bortrage aller Gebete mit Ausnahme von Schemone E«reh, hat sich der Vorbeter der Versammlung zuzuwenden." (8. 18.) „Alle Gebete und deutschen Vorttäge sollen nur durch den Prediger oder den Borbeter abgehalten werden." (§. 19.) (Die Andächtigen müssen stumm sein wie die Fische; wer den Mund öffnet, wird hinausgeworfen.") (ß. 11.) „Das Aufrufen zur Thora .unterbleibt an Sabbat-und Festtagen gänzlich." (8. 25.) „Wo da« Kaddisch erscheint, ist e« in deutscher Sprache vorzutragen." (8- 26.) (Welch' klassisches Deutsch!) „Der Verein soll nicht« in Zeitungen inseriren." (§. 28.) (Was hat da« mit der Sy« nagogenordnnng zu thun?) Vorstehendes sind die hauptsächlichsten Punkte der E. W. U.; die Bestimmungen sind so allerliebst, daß sie der Philippson'schen Synode als mu« ftergiltiges Vorbild dienen werden. (Israel.) Pari-. Der ehrenwerthe und gelehrte Redakteur de« voivera Israelite Herr S. Bloch hat wieder einen bedeutenden Verlust durch den Tod seines hochgeehrten Vater-, Herrn Jakob Bloch, eines hochbetagtm Greises, erlitten. Herr Jakob Bloch zeichnete sich durch seinen tugendhaften und frommen Lebenswandel aus, er bewahrte bis zu seinem letzten Augenblicke ein heitere- Gemüth, trotz devielen Ungemache», womit er während seine» vielbewegten Lebenzu!