Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 7 (1.4.1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- Seite 61 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I Halbjähriges «loa* aencat für Prag und die Proviaj iallasive Anstellung ins Haus oder Postversrudung ü. W.. . 1 fl. 40 fr. fiir's Ausland ITblr. fürAmrrika 2 Dollar. Inserate werden billigst berechnet. Die Hrgan für die Interessen des Iudenlhums. Gegenwart Rrdaktion nab «d» wiaistratioa Kitter* gaffe Nr». 408 — l vobia alle vrirfe n. Geldsendnugen zu richten sind. Die „Gegenwart" er* scheint am l. and 15. eines jeden Mo« «atrs. Prag 1. April 1869. II. Jahrg. Nro. 7. Inhalt: Leitartikel: Erledigung, — Das Kreisrabbinat und ds» Schlächter' amt. — Eine Ehrenadreffe an einen Caffeler Synodenarrangeur -- Eine amerikanische Traurede. — Journalistik. Lorales. — Auswärtiges — Nekrologie. Feuilleton. - Inserate. Erledigung auf das von 180 Gemeinde-Mitgliedern an die prager Cult.-Gem.-Repr. eingebrachte Gesuch.*) Indem wir auf die beiden Sitzungsberichte in der hentigen Nummer dieser Blätter verweisen, enthalten wir unö jeder Diskussion über dieselben, und dem geehrten Leser die freie Beurthcilung überlastend, beschränken wir nnS heute auf die Anführung des Wortlautes der auf das von 180 geachteten Gem.-Mitglied. eingereichte Gesuch erfolgten Erledigung. N. E. 179. J„ Erledigung der von Euer Wohlgeboren und einer nam. haften Anzahl P. T. Herrn Contribucnten der Cultusgcmeinde an die Repräsentanz unterm 14. März l. I. gerichteten Petition um Abänderung des in daS prager Eultusgemeinde-Statut aufgenommenen WahlmoduS beehre ich mich mit Nachfolgendem die Beschlüsse *) welches wir in der vorigen Nr. unserer Blätter wortgetreu brachten. (Die Red.) bekannt zu geben, welche die Repräsentanz nach sorgfältiger und wie eS die Wichtigkeit der Angelegenheit mit sich bringt, eingehender Prüfung der in der Petition ausgesprochene» Wünsche i» ihrer am 21. Mürz l. I. abgehaltenen öffentlichen aiGcrordentliehen Sitzung gefaßt hat. ad I DaS Verlangen: eS möge auch den nicht nach Prag zuständigen EultuSstcuerzahlern ebenso wie den einheimischen Eontribucnten das active und paffive Wahlrecht zukommcn, wurde im Principe als ein gerechtes und billiges anerkannt und zugleich eine auS drei Mitgliedern bestehende Commiffion eingesetzt, welche in einer binnen acht Tagen abzuhaltcndenRcpräsentanzsitzung darüber zu berichten hätte, unter welchen Bedingungen den nicht einheimischen Steuerzahlern daS Wahlrecht zustchen solle. ad II Dem Wunsche nach Verschmelzung der gegenwärtigen drei Wählergruppen zu einer einzigen, eventuell dem Wunsche, daß die 3 Wählcrgruppen an einem und drinselben Tage zu gleicher Zeit und in verschiedenen Localen die Wahl vorzunrhmen haben, konnte nicht entsprochen werden, weil in dtk ersten Richtung das Princip der Interessenvertretung wie bei anderen *) In der öffentlichen Sitzung vom 2t. Mär; 1869 wurde nur dal active Wahlrecht koncrdirt, da« paffive wnrde, wie un« mitgetheilt wird, gewiffer unvorhergesehener Eventualitäten wegen, nachträglich ohne jede Sitzung ringeränmi., Wie man jchoch wissen will, soll di« konces» sion an Bedingungen, die von der Steuerklasse und der Länge des Aufenthalte« der Fremden abhängig gemacht sind gekullpst sei». (D. Red.) Feuilleton. Die Hamburger Iudenbörse. von Otto Spiklberg. Wien hat seinen Tandclmarkt, Leipzig seine Meffe, Hamburg seine Judcnbörse. Ein eigcnthümlicher Raine! Keine Verspottung christlicherscits liegt darin; die Kinder Israels haben wirklich einen Ort für sich servirt, an dem sic Handel treiben, an dem die Armen ihre Einkäufe machen. ES liegt mitten iin jüdischen Viertcl und bildet zwei bic> drei Straßen der häßlichsten Gattung. Letztcre haben kein Trottoir, wenig Gaffenrcinigung. ihre Häuser sind alte Lchmbuden mit spitzen Giebeln, aus dem vorigen Jahrhundert hcrstannncnd; der Fortschritt der neuen Zeit hat sic wenig berührt, und welchen Nutzen hätte dies auch für die handelnden Abrahamite», die diese Häuser für sich in Beschlag genommen? Sic geben auf das Aeußerlichc nichts; ihr Dichten und Denken ist nur darauf gerichtet, diese äußern vier Wände inwendig recht voll zu pfropfen mit HandclSwaaren und in der That, der Leser kann sich kaum einen bunteren Wirrwar von allerlei Gegenständen vorstrllen alS er hier zu finden ist. Tagtäglich ist Markt, von Sonntag Morgen an bis Freitag Abend ist hier eine Weltausstellung eigener Art zu besichtigen, ohne Entree, ohne Katalogsorientirung, ohne störende Fürstcnbcsuche. Wir können uns ungehindert die tausenderlei Sachen betrachten, welche ihre Verkäufer aufs bloße Ctcinpstaster zur Ansicht auSgebreitet; spalierförmig ziehen sich die Verkaufsstellen längs den Straßen hin, rechts und links erheben sich mehrere Fuß hohe Thürmc von alten Spitzen und Bändern, dazwischen stehen die Schiebkarren mit Uhrkctte», „goldenen" Ringen, kleinen Nippe«, und anderen billigen Luzusgegcnständen. Dichtan kommen hölzerne Gestelle in Galgenforin, darauf baumeln alte Rocke, Hosen, Westen u. s. w. so friedlich, vom Winde leicht bewegt, in daS kaustustige Menschengewühl hinein, hundert Hände befühlen sic, hundert Augen betrachten sie, und daneben stehen ihre Beschützer, die sic gebürstet, die sie gereinigt, ehe sie ihr AcußercS öffentlich zur Schau tragen dürften. Es ist eine feierliche Handlung, mit der der Handelsmann seine Wichsborstcn über den schäbige» abgetragenen Rock streift. Er hat ihn an der Hausthür hängen, und früh morgen«, wenn der Tag graut, sehen wir ihn schon tüchtig die irdische Kleidcrhüllc bearbeiten, dabei stellt er Forschungen an, naturhistorische und goldsucherjschc, er befühlt die Nähte, untersucht die Taschen in ihrem tiefsten Grunde, und wenn er nicht« gefunden, streicht er wieder von neuem darüber hin. ES leuchtet sein Gesicht, und in den verwegensten Schwenkungen ergeht sich der bürstende Arm. wenn der Gegenstand des stillen Vergnügen« von der Gattung ist, bei der der Mann de« Trödels ein gut Geschäft zu machen glaubt. Der arme Bündcljude ist der selbstvergnügteste Mensch, den Ich jemal« auf GottcS Erdboden gesehen; er macht sich eine kleine Welt in seiner bescheidenen Handelssphärc zurecht, ist hieriir der Herr- , scher, Erzvater und Gesctzgrbcr; sein Ergeiz beschränkt sich auf eijx nen fröhlichen EchabbrS, auf eine gute Schaledsuppe, und hat.ocifcu diese sammt dem Barche« im Magen, dantt er seinem Gott, Tonnen er es ihm wohl schmecken lieh. Er ist neben dem Muselmar der einzige Gläubige, der mit Inbrunst zu seinem ' betet. Ein Synagogenbesuch hat für mich immer etwas E