Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 6 (15.3.1869)
- Date
- 1869-03-15
- Page
- Seite 59 (sequence 9)
- Language
- German
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- Beilage, znr „Segenvatt" Ars. 5. M. 8. Wahle statt. Der Prediger hm Professor ff Impf hielt eine längere Rede, die er mit einem Ausfall auf die Elvilehe eröffnete, wogegen Herr Oberkantor PereleS durch die sonore und vortteffliche Vortragsweise deS an der Trau- «ngSceremonie geknüpften Mejader, zur Hebung dean und für sich feierlichen Akte» beitrug. Welcher Achtung übrigen» sich Herr M. A. Wahle nicht nur in der Israeliten Gemeinde, sondern in der Stadt überhaupt erfteut, bewies die Anwesenheit de» Bürgermeisters der Hauptstadt Herrn vr. fflaudy, vieler Stadträthe Stadtverordneten und den verschiedenen Ständen angehörigen Gäste, welche sich zu einem distinguirten Publikum gestalteten. %* Es dürfte Jedem bekannt sein, daß zu den be« Vorstehenden Paffahfciertagen den Mittellosen für ihren Bedarf fertige Mazo» unentgeltlich verabreicht werden. Da namentlich in den letzten Jahren theil« durch ungerechtfertigte Borurtheile, theil» durch eine die wohlthätigen Absich« Im der Commission durchschneidende von Jahr zu Jahr Iberhand nehmende Eonturrenz. die auf Gewinnsucht beruhend, nur der guten Sache schadete, eine Apathie.gegen die Commission zur Vertheilung von Passah-Bedürfnisse ringerissen ist, so wäre eS bei der exorbitanten Zahl einheimischer und ftemder hier wohnenden Mittellosen, wünschmSwerth, daß sich die wohlhabenden Gemeindemitglieder, den edlen Zweck beherzigend, zur Deckung ihre- MazvSbedarfeS, an die ffanzlei der Commission zur Bertheilung von Passah- Bedürfnisse (PinkaSgaffe 27) wenden mögen. Die Preise der unter Aufsicht Sr. Lhrwürden des Rabbiner Herr Freund nach den hiefür bestehenden Vorschriften erzeugten Mazo», sind billigst gestellt, so daß man nicht erst darauf angewiesen ist, zugeführtm Produkten derm rituelle Behandlung und Gewicht man nicht kennt, einen Vorzug zu gebm. V Wie UN» berichtet wird, gedenkt der Stadttath Herr Adolf Schwab in nächster Zeit nach Wim zu überfiedeln. Die ist. CultuSgrmeinde - Reprätentanz verliert an H. Schwab ein eistige» Mitglied. VomlSSchrrttschr- Die Bertteibung der Judm aus Böhmen im Jahre 1744 uud deren Rückkehr im Jahre 1748 von vr. G. Wolf in Wien 1869. Am 31. März 1745 zogen die Juden von Prag weg, worauf der Bericht der Statthalterei vom 1. April an die ffaiferin erfolgte, der in dem Werke wörtlich angeführt ist. Fünf Monate später gestattete wieder die ffaiserin den Juden sich in Böhmen gegen ein Lösegeld von 2 Millionen fl. anzusiedeln, eine Summe die sie nicht aufbringen konntm. Doch auf Vorschlag der böhm. Hofkanzlei wurde 400 jüdischm Familien in Prag zu wohnen, gestattet. Beim Einzüge der österr. Truppen am 26. Novemb. 1744 wurden sie von dm Grenzsoldaten geplündert. Hier schildert der Verfasser die mannigfachm Erlebnisse der Juden in einer Weise zu der ihn die Empfindung für feine gedrücktm GlaubmSgmossen bewogen hat. Nach einigen Concessionen, die die ffaiserin den Judm gemacht und in der Gestattung partieller Niederlassung bestanden, wie« 30. Dezember 1745 die Hoflanzlei auf die Unmöglichkeit gänzlicher Ausschaffung der Juden hin und schlug vor, letztere zu vermindern. Die arme» Jude» meintm sie, sollten weggeschafst, die reichen im Lande gelaffm Herde«. E» blieb jedoch vorläufig der provisorische Zustand. Die Juden hatten in Prag Grundstücke und Häuser im Drrche von über 4 Millionm Gulden, die der Verfasser jfttcifUitt, dir sie »icht dmutzm konntm. Sie mutztm ffopfßmt mtrichtm und hatten kein Eiukommm. Dieser pro- Rforisch« Zustand venmkaßte sie, sich abermals btttlich a» die Statthalterei zu wenden, um bernfelbm ein Ende j» machen. Diese machte der ffaiserin in einem au» acht zum Theile für die Judm günstigm Punktm, Borstellungm gegen die ttaurige Lage derselben. Der Bürgermeister und Rath der Stadt wendeten sich an dm Gouverneur und wiesen den Schadm nach, welcher durch die Ausweisung der Juden au» Prag nach Lieben rrwachsm sei. Die ffaiserin blieb in ihrem Entschlüße unbeugsam, die Behdrdm jedoch suchten die Schärfe de» Gesetze» zu mildern. So gestattete da» Militärcommando einzelnen Judm nach Prag zu kommen und daselbst zu übernachten. Dir ffaiserin, die dieß erfahren, erließ an dm Gmeralfeldzeugmeister Grafen Wallis ein Reskript, in welcher e» lautete: daß keinem einzigm „Jüd" unter was für einem Vorwand in einer zweistündigen Distanz „umb Prag hrcumb" zu wohnen „noch weniger aber in erst bemelt unserer kön. Stadt selbsten fich mehr betteten lassen solle." Auf diese kaiserliche Verordnung hin wendetm sich „die „Prager jüdische Vorgestthlte und Emigranten" an das k. k. Gouverno um die Rückwirkung derstlbm bei der ffaiserin durchzusetzen. Die Judm mußte« sonach auch den Ort Lieben verlassen. Bet ihrer Auswanderung nach stemdeu Ortschastm in Böhmen, zeigttn ihre, auf dem Lande wohnendm GlaubmSgmossen von einem gewissen Grade von Hartherzigkeit, so zwar, daß erstere in Scheunen und Ställen Unterkunft suchm mutztm und in Folge dessen krank wurdm. Zu dem weigerttn sich die damaligen Landjuden ihre ttanken rxilirten GlaubrnSgenossm zu pflegen und weigerten sich dieselben zu beherbergen. Rach einer herzerschütterndm Eingabe der Vorsteher der prager Juden an da» Gubernium, suchte die Hoflanzlei da- Uibel zu mildem und die DeiterverbreltuNg der ffrankheitm zu verhüten. Die ffaiserin Maria Theresia genehmigte in einem eigenen Reflriptt die betteffenden Maßregeln. Später räumte ihnen die ffaiserin einen Zeitraum »an 6 Jahrm ein, im Lande Böhmm zu verbleiben, am 14. Juli 1746 gestattete sie ihnen gffärkte zu besuchm und iu ordrntlichm Wttthshäusem zu übemachttn, in Prag währmd der Marktzett zu verweilm. Nachdem'nun der Verfasser die Ursache« der fchlirßlichen Rückkehr der Judm nach Prag Nar zu machm sucht, schildert er die darauf folgenden Zustände derselben. Der eigentlichm Geschichte lSßsm einen Anhang fvlgm, in welchem der Schaden, der die Ausweisung der Juden au» Prag verursacht hat, in» Dttail beziffert wird. Da» Buch enthält höchst interessante Daten und ist der klaren Zusammenstellung der Begebenheiten wegen, die dem geistvollen Verfasser zu verdanken ist. Jedem zu empfehlm. Briefkasten der Redaktion. Herr» L. St. in R. Line früher angelang«, LorreSpondm, dw Lrn. L. wachte die übrige üde^lüMa. — Herr «. ff. in Br. Billkommen. — Hern». A. R. in ff. Btt bitten um torjtn Shtnß.. Briefkasten der Administration. Hru U. R. in ff. Trotz ihrem gnten Billm, bisher frachtlo«. — So cbm erschienen und in Commission bei Sendert vrandeis in Prag zu haben. Die Vertreikiig 4er Ji4ei us Bitaei i» iikre 1744 und deren Rückkehr im Jahre 1748 Mit Benutzung archivalischer Quelle »on * »slf. 1» ne». — Preto 70 kr. ft W.