Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 5 (1.3.1869)
- Date
- 1869-03-01
- Page
- Seite 41 (sequence 1)
- Language
- German
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HnIbjShrige- Abon- ,e«e«t für Prag nnd die Provinz iullnsive Zustellung in- Hau- »der Postversenduag ö. W. - -Ist. 40 kr. für'- Ausland 1 Thlr. fitrAmrrika 2 Dollar. Inserate werden bil» , berechnet. Die Gegenwart. Grgan für die Interessen des Iudenthums. Rrdaltion »d •»« miniftratioa Ritter« gaffe Rro. 408 — 1 wohin alle Briese n. Geldsendungen zn richte« sind. Die „Gegenwart" er« scheint am I. und 15. einejeden Mo» uateS. Nro. 5. Anhalt: Leitartikel: Auch eine Synode. — Eongreß-Briefe — Zustände in Tunis. Corresvondeuz r Au» dem westlichen Böhmen» Wien, Pest. LoealrS. — Auswärtige-. — Anast »ud Literatur. — Bom Büchertische. Frnilletou.— Inserate. Wieder eine Synode. So wie an mehrere jüdische CultuSgemeinden, so erging auch vor Kurzeman die prager CultuSgemeinde eine von den Herren Philipsohn, Adler und Aub Unterzeichnete Aufforderung zur Thcilnahme an eine noch in diesem Jahre abzuhaltende Synode, für die der Ort noch nicht prücisirt ist. So viel scheint denn doch gewiß, daß sie eine Forffetzung jener in Caffel aufgenommenen Debatten bilden soll, wenn gleich der Verlauf derselben dasselbe Resultat prognosticiren dürfte, als jene, welche bloß als ein Vorspiel einer noch nicht auSgespielten Komödie zu betrachten sind. Wir behan« beln diese synodale Angelegenheit für viel zu wenig ernst, weil daS Scheitern dieses an und für sich todt gebornen Projektes mit eben solcher Sicherheit angenommen werden II. Zahrg. kann, als wir die Gewißheit haben, daß mit Faktoren wie Philipsohn und Adler — der dritte in ihrem Bunde ist eine zu wenig gekannte Größe — nicht gerechnet werden kann. Gestehen wir wohl zu, daß die Philipsohn und Adler auf der Höhe des Geistes stehen und vielleicht nach ihrem Sinne das Zeug in sich haben, mit technischer Fertigkeit ein Gebäude niederzureißen, eines können wir uns nicht versehen, daß sie nicht die Kraft besitzen, ein neues Gebäude aufzu« führen, das allen wohnbar wird. Ohne uns dieser modernen Ingenieure wegen zu echauffiren, sind wir zwar nicht berechtigt, ihre Pläne im Vorhinein zu besudeln oder ihnen gar ihre Freude zu verderben, die ihnen heute schon im Geiste die Kränze der Unsterblichkeit flicht; allein da «S sich darum handelt, daß diese Herren ihre Minen erweitern, welche sie über die Grenzen ihres Territoriums erstrecken, um in unserem engern Vaterlande eine religiöse Pulvermine anzulegen, die in feiner Berechnung eines schönen TageS mit Philipsohn Adler'scher Reformlunte in die Luft gesprengt werden soll, so ist eS unsere Aufgabe, die Herren der Situation über die religiösen Verhältniffe der Israeliten in Böhmen aufzuklären, an diese Aufklärung die Betrachtung der Reformisterei im Allgemeinen anknüpfend. Die Israeliten in Böhmen eine der intelligentesten Prag 1. May 1869. Feuilleton. Die Familie des Premier-MinisterS Disraeli. Wir glauben keinen bcffcren Ciceroni zu finden, mit dem wir in die Familie des gefeierten Premier-MinisterS DiSrarli eintreten alS in Julius Rodenberg'S Erzählung, die er in SteffcnS BolkSkalendcr von 1868 mit gewohnter Meisterschaft in eine stilgewandte Hülle kleidet und uns mit den Ahnen des großen Staatsmannes vertrant macht, indem er die intereffantestrn Notizen über deffen Familie bringt. Der gelehrte Rabbi Manaffe den Israel, der zur Zeit der englischen Republik von Holland nach England, gjtz Abgesandter seiner Glaubensgenossen gegangen war, so beginnt der geistreiche Schriftsteller, hatte von seinen spanischen Vorfahren die Kunst der diplomatischen Uebcrrrdung geerbt, mit Hülfe deren er dem Protrktor einleuchtend zu machen verstand, welchen unheilbaren Schaden daS alte Spanien fich zugcfügt, als eS die Juden mit ihrem HandelSgeist und ihrem beweglichen Vermögen austrieb, und welche fruchtbare AuSsaat für die Zukunft Englands eS fein würde, wenn dieses die jetzt größtentheil« in Aftika und in der Türkei, zum Theil aber auch in Frankreich, Italien, Holland und Holstein (Allona) zerstreut lebende scphardifchen (spanisch.portugicfischen) Juden bei fich aufnehmen wollte. Obwohl nicht ohne Widerstreben, faßte Tromwell doch den Gedanken nach seiner ganzen Tragweite -auf. und wie die SchifffahrtS-Acte de» Protektor», so darf auch die DiSputation über Zulaffung der Juden in England, dir er im Dezembrr 1655 im Palaste zu Whitehall halten ließ und wobei fein Prinzip der Duldung über die preSbyterianifche Hartnäckigkeit den Sieg davon trug, al» eine» der mächtigen Förderungsmittel der nachma- Ilgen englischen Handelsgröße bewachtet werden. Also auS Holland kamen im siebzehnten Jahrhundert die ersten scphardifchen Juden nach England, denen bald auch zahlreiche aschkenasischc ldeutsche und polnische) Juden folgten. Zu den Sepharden gehörte auch die Familie DiSraeli, aber sie befand sich nicht schon unter den ans Holland Eingewanderten. Vielmehr hatte sie sich, als Torguemada's Jnauisitions-Edikte die Nachkommen AbrahamS mit dem Blut-Banne belegten, zunächst nach Italien gesiüchtet, wo die großen Handelsrcpubliken klug genug waren, die von Spanien verschmähten Reichshümer der Juden aufzunehmen. In Venedig legte die Familie ihren früheren stolzklingendcn spanischeu Namen (Billarcal) ab, und. dankbar dem Gotte Israels, der sie durch Leiden und Prüfungen ohne Gleichen geführt hatte, gab sie sich den Rainen Disraeli, „einen Rainen, der (wie der jetzige vornehmste Träger desselben in der Lebensbeschreibung seine» Baters, des berühmten Literaten Isaak Disraeli, sagt) niemals zuvor oder seitdem von einer anderii Familie geführt worden, auf da» ihr Geschlecht für immer daran anerkannt werden möchte." Unter dem Schutze dcS Löwen von San Marco blühten die Disraeli als Kaufleutr und BankliauSbesitzer in Venedig während zweier Jahrhunderte, bis der große Aufschwung und HandelSruf eines ihrer sephardischen Glaubensgenossen in London Samson Gldeon», dcsien Sohn unter König Georg II. zum Baronet unter einem anderen Rainen erhoben wurde, den damaligen Banquier Disracli in Venedig bewog, den jüngsten seiner Söhne, Benjamin, dm „Sohn seiner Rechten," Großvater des gegenwärtigen Premier», noch England zu schicken, um dort eine Filiale de» vmrtianischen HandlungShause» zu errichten. „Mit jener Feinheit (sagt Rodenberg), welche die Feder de» jetzigen Premier» von England immer ausgezeichnet hat. erzählt er un» die Geschichte de» Uebertritte» seiner Familie zum Christenthum — reich an typischen Zügen und Motiven, die wohl über.