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Die Gegenwart · 1869-02-15 · 4 (15.2.1869) · p. Seite 32

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
4 (15.2.1869)
Date
1869-02-15
Page
Seite 32 (sequence 2)
Language
German
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32 fortschrittlicher Seite Allegethan wurde, die Gegensätze zu verschärfen, da- Mißtrauen auf dem gelockerten Boden re« ligiöser Grundsätze mit vollen Händen zu säen— denn dies würde mich zu weit führen, ich will nur auder jüngsten Vergangenheit einige Beispiele anführen, 'bic hoffentlich ge« nügen werden. In der Sitzung am 1. Feber kam ein An« trag von orthodoxer Seite (von Horowitz) zur Verhandlung. Derselbe ging dahin, da, nachdem die beiden Gemeinde-Organifa» tionö-Entwürfe, wie sie dem Hause vorliegen, dem Sta« tus quo in den Gemeinden gegenüber erst zu entstehenden Fraktionen gewisse Vorthcile einräuinen, Sc. Excellenz, der Kultusminister ersucht würde, den Ltatuz quo in den Gemeinden während der Tagung de- Kongresses bis zum In-« lebentreten der neuen Ordnung aufrecht zu erhalten, damit nicht, wie dieß schon in einer Gemeinde de- 'Landes geschehen ist, da» Gesetz durch einen in der Schnelligkeit improoisirten Ltstus quo, umgangen werde. Inwiefern über einen so billigen selbstverständlichen Antrag eine erregte Discussion stattfinden konnte; 'ob eine Debatte über einen solchen Gegenstand ein Beweis der bei' jeder Gelegenheit mit Worten zur Schau getragenen Friedensliebe der Fortschritt-Partei ist, wollen wir dahin gestellt sein lassen — genug, es wurde heftig debattirt, man schritt zur namentlichen Abstimmung, welche folgende- Resultat ergab: 81 für?) 84 gegen, 59 waren abwesend. Summa Summarum 224 (!!!), 7 Depütirten mehr als tatsächlich gewählt wurden, denn wir Ungarn sind leider nicht in der glücklichen Lage 224 sondern nur 217 .LandeSväter" zu besitzen. ES ist also evident, daß dieser Abstimmung eine Fälschung von 7 Stimmen zu Grunde ») Die wenigen, wahrhaft freisinnigen Männer der Rechten stimmlen mit dm Orthodoxen, darunter Herr Moritz v. Ludassy Tektion-ches im Ministerium, welcher nebenbei gesagt, wegen seiner Anrathrn« zur Mäßigung und zum Frieden in einer Klubsitzung der Fortschrittspartei von einem Mitgliede, so sehr beleidigt wurde, daß e« «i» uifltn Klubmitglieder» nur mit Mühe gelang,^>hn vom gänzlichen Au«, tritt» aus demselben znrückzuhalten. tarischen, desirn Fotografie einem Album, einen höchst seltenen Reiz verleihen niöchte, für einen Vorsitzenden hielt, der tanzte wie ihm gegeigt war. Die da- Sekretärlein ä I» Tewclc in Paperl, lustig rinhersprang, wackelte das Zöpferl am Köpferl, daS, Gott sei es geklagt, so g e l, a l t voll ist. Kaum hat er den Becher der Freuden zur Neige geschlürft, und den Taschen einen empfindlichen Begriff von der Leere im Raume beigcbracht, da verlor er schier de» Muth alS, — Gott verläßt einen Deutschen nicht, — eine Remuneration vom Himmel kain, die ihm sein gebrochenes Herz wieder aufrichtete. Einem der chinesischen Tschim tscham, kan Tain, besten beiden Culturbärte der Größe einer CultuSsteuer glichen, ward so musei- und duselmünnisch, barbarisch tartarisch zu Muthe, daß er sich nie wünschte, auS dem Reiche der Mitte zu gehen. Wie ich so meine» geräucherten Blick auf daS gctheilte rothc Meer, durch welcheein Mazothkomite geschritten, hcrumschweifen ließ, wurdeer von einem Milch-Hundcpaare abgelenkt, welches vor einem Wägelchen gespannt war, in dein ein isabeUenfarbencS Fastel Caviar sich befand, daS auf seinem gewölbten Rücken ein ganzes Silbcrbergwcrk trug. Die Handlung dieser Scene war nichts weniger als eine Großhandlung, sie war — trivial, in der höchstens Gustcl von Blasew i tz zu finden war. Ich sah ei», daß dieß nicht gut sei und cS war Mitternacht, ich schied auS der Rarreuwclt, die sich gewöhnlich für ein Ganzes hält, und bedauerte nicht so sehr die Kosten, alS den Eindruck, den unsere Leut' auf inich machten. Der ganze Narrenabend glich einem Kongresse, in welchem die orthodoxe Linke von der liberalen Rechten so freisinnig und freigiebig traktirt wurde, alS hätten die erstercn vom Klange dcS fliegenden „Holländer" die Besinnung verloren. Ja I für den Bruch eineso spröden Congresses behaupten die neuern Acrztc, gibt cS keine Salbe und der letzte Prozeß dieses salbungsloscn Kongresses. meinen die wenigen Advokaten. die wir jetzt haben, endige mit den Kosten und schließlich mit der Auflösung. Der Präsident solcher leidenschaftlicher Parteigruppen besitzt bei den um sich greifenden Feuer drS FanatiSinu», nicht einmal die Kraft von seiner Sturmglocke Gebrauch zu machen, die kürzlich bewiesen, daß sie mehr leistet, alS dir prager Glocke. Die ungarischen Juden, um sic nach dem Hergange und Erfolge liegt; nun wurden zwar von orthodoxer Seite Stimmen kaut, daß mehrere in jenseitigem Lager zweimal gestimmt haben, aber anstatt eine nochmalige Abstimmung vornehmen zu lasten, wies der Präsident diese „Verdächtigung" (??) mit Entrüstung (!) zurück und so wurde das Schicksal diese» Anträgebesiegelt. — Sind nun solche Vorgänge geeignet das Ansehen des Kongresses zu heben, sind sie geeignet Vertrauen zur sogenannten Fortschrittspartei einzuflößen? Oder sind sie nicht vielmehr charakteristisch für da- Treiben dieser ganzen Partei? Wenn ein Antrag, dem jeder rechtliche Mann, ohne Unterschied der Parteifarbe, beistimmen sollte, der den Fortschritt nicht im Mindesten molestirt, durch eine Vergewaltigung, die nicht einmal den Stempel äußerer Legalität an .sich trägt, vulgo, durch einen offenkundigen Betrug zum fallen gebracht wird — kann da' noch von einem Nachgeben, von einer Toleranz dieser Partei gegen die andere die Rede sein? Und wenn d a S die gebildeten „Fortschrittsmänner" die „LandeSväter," in einer Versammlung, welche von der unbedingtesten Oeffentlichkeit überwacht wird, anstellen — was ist da von deren minder gebildeten Landeskindern, in weniger öffentlichen Angelegenheiten, zu erwarten?? Es sind dieß wahrlich keine Lockspeisen, um uns die projektirte Zentralisation wünschenSwerth erscheinen zu taffen I Derartige Vorgänge werfen ein grelle- Licht auf die Intentionen der sogenannten Fortschrittspartei, taffen das gegen sie gehegte Mißtrauen als vollkommen berechtigt erscheinen und müssen naturgemäß eine Erbitterung der mit namenlosem Hohn behandelten Minorität Hervorrufen. Und wo solcher Wind gesäet wird, kann auch der Sturm nicht ausbleiben. Und in der That — der Sturm ist auS» gebrochen und rast zur Schande derer, die ihn heraufbeschwören, mit schrecklicher Wuth durch die Reihen der Abgeordneten und durch die Gemüther der ungarischjüdischen Bevölkerung. Der Raum der uns in diesem geschätzten B'atte eingeihrer congrevischcn Brandraketen zu beurtheilen, scheinen mir ganz trän», lelt a m i s ch zu sein und bevor ich in einem solchen legislativen Körper sitze, dcffen Glieder sohcterogen sind, ziehe ich cs iinmer vor, einem ungesäuerten Cvmite anzugehören. daS, da es einen Ungar und zwei Wiener aufwcist, centralistisch genug ist. Ich bin zwar im Prin« zipc gegen eine kommunale Mazzotolvgie, aber wenn schon die Armen ohne Unterschied der Nationalität am meisten diese Wissenschaft gratis genießen, so möge die gutherzige Gemeinde, bei der heurigen Zunahme von Armen, dem ungesäuerten Vereine ihre Abnahme nicht versagen, um nicht jenem von Silber überschäuwenden Becher zu gleichen, der da sagte: nun ich spende nicht-; sie mögen Brod essen. Ob er für Brod gespendet, davon weiß die Welt nichts zu erzählen, sein Herz noch weniger. Jedes Mitglied der Gemeinde, wünschte ich stets, möge beim Leben die Pietät, selbst wenn sie nur den Armen gilt, aufrecht erhalten, uin so das Gcmeindelcben vor einein R i ß zu schützen, der nur zum Tode führt und sich von Juden deshalb nicht bedienen läßt, weil sie Träger der Kultur sind, weil sic Offiziere einer Ehrenlegion, aber keine Hausoffizierc sind. Pietät für die Armen, wie für die Reichen! daS ist der leuchtende und erwärmende Strahl, der schon manche Eiskruste deS Herzens geschmolzen; denn inan bedenke: die Reichen find versorgt, die Armen gleichen den Waisen darin, daß sie verlassen sind vom — Glücke. Run für die israelitischen Waiscnknaden PragS soll gesorgt werden, durch den bereits erfolgten Ankauf eines Hauses, dessen Giebel auf daS nachbarliche Trauerhau-, wo kein Narrenbad aber desto finstere grauenhafte Nacht herrscht, blickt; ob eein HauS für Waisen oder ein gewisses Weisenhaufür die Repräsentanz werden soll, weiß ich nicht, ich weiß nur, daß eein kost HauS ist. B. Aus dem jüdischen Familienleben. (Schluß.) „Es ist möglich, daß er auch unterrichtet hat, aber seinem eigentlichen Berufe nach, war er ein Schreiber. Man weiß sonst überhaupt wenig von dem Manne, obwohl er der Vater und Er-

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