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Die Gegenwart · 1869-02-01 · 3 (1.2.1869) · p. Seite 28

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
3 (1.2.1869)
Date
1869-02-01
Page
Seite 28 (sequence 8)
Language
German
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28 i Stimme aber gehörte Herr:I)r. Tedcsko dem Vorstande der isr. Cultus Repräsentanz, was umsomehr überraschen muß, als gerade Graf Chotek stetein eifriger Beschützer des JudenthumeS war zu einer Zeit, wo dies eben nicht allen Behörden nachgcrühmt werden konnte. Die Verstimmung in israelitischen Kreisen, der heute, auch die „Gegenwart" bereits prägnanten Ausdruck gibt, ist eine allgemeine und dürfte der Rücktritt Herrn Tedeoco's. der längst als bevorstehend bezeichnet wurde, jetzt zur Wahrheit werden. *) *** In dein in St. Francisco erscheinenden „Hebrew* vom 18. Dez. v. I. findet sich der ans der Feder des Redakteurs dieser Blätter hervorgcgangene Artikel-.„Die spanische Revolution und die Inden ganz abgcbruckt; derselbe wurde auch im nil corrierc israelitico“ inS Italienische übersetzt. *** Der Schriftsteller VoiiiS Stern au, der in der heutigen Rümmer dieser Blätter seine -Mitarbeiterschaft. antritt, und wie von uns schon gemeldet wurde, in der k. k. Haftanstalt zu Süden zum Indenthumc übcrtrat, bat, wie das wiener „Frcmdcnblatl" meldet, daselbst ein drciaktigcS Lebensbild unter dem Titel: „Die Gefangenen" geschrieben. Stcrnau bietet dem Publikum die Uebcrraschung dar. einen Blick in der als Unicum in Oesterreich dastehenden Mustcr» anstalt;u Süden zu machen, in welcher Anstalt sich heute, Personen befinden, welche noch vor .Kurzem eine bedeutende Rolle in der Residenz spielten. Es gereicht dieser Anstalt zur Ehre, daß man die Gefangenen mit geistigen Arbeiten beschäftigen läßt, welche ihrem Bildungsgrade nach, dieselben zu machen vermögen und der Direktor der Haftanstalt Süden, Herr S and tue r, ist selbst als Verfasser mehrerer Theaterstücke bekannt. *** Am .'). d. M. (24. Schewat) ist der Jahrestag des Todes des nnvergeßlichen l>r. Michael Sachs, der als Gelehrter, Kanzclredncr und Mensch sich ein Denkmal, dauernder als Marmor, im Herzen eine« jeden Israeliten gegründet hat. Ucber diesen verklärten GotteSmann herrscht in allen Kreisen nur eine Stimme der Beurthcilnng: Sachö war ein Ideal. — Hr. Prof. Kämpf hat zur Erinnerung an diesen Edlen schon vor Jahren zur Gründung einer Stiftung den Impuls gegeben, der zu Folge immer am Sterbetage des Verewigten würdige RabbinatSkandidatcn mehrere Psalmen nltd Mischnajotabschnitte lesen und mit einer dem Fonde entsprechenden Spende bedacht werden. -*** Demnächst soll der Uibertritt einer Ehristin, der Tochter eines höheren Bcaürtcn Frl. S.l zum Iudenthnme stattfinden. Die sodann Uibcrtretene wird sich mit einem Sohne des israelitischen Großhändlers dem Mahler Herrn K.i verehlichcn. V Die Neuzeit und ihre präg. LorreSpondenteu. Dieses Blatt läßt sich in einer EorreSpondcn; vom 7. Iäncr über die bevorstehende Neuwahl des Vorstandes in der Tempelgemeinde berichten, von deren Wichtigkeit der Eorrefpondent so bewegt zu sein schien, daß er den Ton darauf legte, nicht die ganze Gemeinde, sondern die Elite derselben werde sich an der Wahl bethciligen. Wir beabsichtigen keineswegs einen Theil dieser Elite durch Ramennennung zu kompromittircn, begnügen unS nur, den EorreSpondcnten, der uns als Schmarotzer und Schmock bekannt ist, für eine solche an Geistesbeschränktheit grenzende Taktlosigkeit verantwortlich zu machen. %* (Auswanderer) Den 15. v. M. verließ Herr Samuel Fischl sammt Frau und sieben Kindern sein bisheriges Domicil Obestnic, wy er geehrt und geachtet wurde, um in Amerika eine neue Heimath zu gründen. Vor seiner Abfahrt wickelte er alle seine Geschäfte ab und blieb Niemanden Schuldner. Sein bieder er Charakter, so wiesein streng moralischer Lebenswandel ließen ihm sehr viele gute Freunde zurück. Ein Verlassen des Contincntes in solcher Weise diene manchem Auswanderer zur Richtschnur. •) Wir geben uni keiner solchen Illusion hin; denn einem Posten, dem man so Manches u. Lukratives zn verdanken hat, zn entsagen, hieße undankbar, und undankbar scheint H. Ledesco nicht sein zn wollen, (d. di) Auswärtiges. Brün«. In die hiesige Handelskammer wurden die Israeliten I. Strakosch, Moritz Redlich, Fröhlich, Julius Gomperz. Max Löw Beer und Leop Herzfelder gewählt. Kien. Se. Maj. der Kaiser hat den Gustav Freiherrn v. Rothschild zum Honorar-Generalkonsul in Paris mit dem Rechte zum Bezüge der tarifmäßigen Konsulargedühren ernannt. * Beim Wiener Magistrat hat sich ein in Ungarn domizilirender Katholik zum Uebertritte vom Christenthum zum Judcnthum gemeldet. Der Petent wurde jedoch vom Magistrat abwcislich beschieden, weil daS interkonfessionelle Gesetz nur für die i:n Neichsrath vertretenen Länder giltig sei. Die Statthalterei hat der Ansicht des Magistrates zugestimmt; das Ministerium für Kultus und Unterricht jedoch hat die prinzipielle Entscheidung getrosten, „daß dem Rekurse des Konvertirten Folge zu geben sei, weil die Kompetenz der politischen Behörde zur Entgegennahme der Austrittserklärung durch die Staatsbürgerschaft des AuStretenden nicht bedingt ist, auch der Inländer im AuSlande nicht nur zu ihm vielleicht ganz unmöglichen Erfüllung der bezüglichen Vorschriften seines Heimatlandes verhalten werden kann " * Der k. k. Finanzminister hat die Räthe der k. k. Börsekammcr Gustav Ritter v. Epstein, und Simon Winterstein, welche nach Ablauf der Amtsdaucr die Reihe znm Austritte traf, in ihrer Funktion als k. k. Börseräthe auf weitere drei Jahre bestättigt. Pest. In der am 23. v. M, abgchaltenen Generalversammlung des P e st er WohlthätigkeitSvereines „Cheven-Poel- Zedek" wurden einstimmig die Herrn Minister G o r o v e, E ö t v e s, und Sir Moseö M o n t e f i o r e zu Ehrenmitgliedern gewählt. * 19. Jäner In Jazygicn wurden Israeliten in das Central-Wahlkomitc nicht ausgenommen. AuS Bözödlljsalu kommt über den seinerzeit auch von unS gemeldeten Uebertritt S a bba thiancr n zum Judcnthum die folgende detaillirte Mittheilung: Vor Kurzem hat sich in der genannten Ortschaft ein Israelit Namens Salomon Wolfinger niedergelassen, dort ein Geschäft eröffnet und ohne Hinzutreten irgend einer geistlichen Person sich mit der Tochter eines dortigen Landwirthes Namens Paul K o vac s vcrmält. In Bözödujfala zählten bereits damals zahlreiche Einwohner im Geheimen zu den Sabbachianern; der erwähnte Israelit hat sich jedoch schon in der Absicht in Bözöduj« falu niedergelassen, die Sabbathianer daselbst zum Uebertritt zum Judenthum zu bewegen, i»nd er halte sich auch aus diesem Grunde mit der Tochter des Sabbathianers Kowacs vermält. Seit dieser Zeit gewann er einen immer mehr wachsenden Einfluß in der Gemeinde und während vorher die Agitationen nur im Geheimen betrieben wurden, traten sie später, da man sich zu denselben durch den 53. G.-A. vom Jahre 1868 berechtigt glaubte, offen zu Tage, und hatten auch insofern Erfolg, als zahlreiche Personen (darunter namentlich Josef KovacS, MofeS KovacS. Moses Nagy, Paul Nagy, Samuel Nagy u. s. w.) faktisch zum Indenthumc übertraten und auch die mit diesem Uibertritte verbundenen Ceremonien überstanden. Lemberg. Unter den hier bestehenden Unterstützungs- Vereinen hebt der „Osten" den israelitisch. Krankenverein hervor. Er ist, bemerkt dieses Blatt, unstreitig, sowol was die Zahl der Mitglieder (über 300) als auch die. Größe de» Stammkapitales und die Liberalität, womit dasselbe verwendet wird, betrifft, unter allen der hervorragendste. Besondere Verdienste erwarben sich um denselben in letzter Zeit die Herren vr. Julius Kolischer, Apotheker Sigmund Ruckn, vr. Braun, I. I. Kaufmann und vr. Sternberg.— Demselben Blatte zufolge soll auf Anregung des Landtagsabgeordneten vr. Hönigömann (Israelit) ein „Verein zur Verbreitung polnischer Sprache unter den Juden" gegründet werdent.

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