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Die Gegenwart · 1869-01-15 · 2 (15.1.1869) · p. Seite 18

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
2 (15.1.1869)
Date
1869-01-15
Page
Seite 18 (sequence 8)
Language
German
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18 Sc. Majestät dem Kaiser das Ritterkreuz de- Franz Josef- Orden-. In der letzten Sitzung des Prager Stadtoerordnetenkollegiums widmete dem Dahingeschiedcnen der Herr Bürgermeister J. U. Pr. Klaudy in kurzen aber warmen Worten einen Rachruf, der folgender Maaßen lautete: Ich muß aber auch zugleich heute, am Schlüsse einer für unS wichtigen Periode, herzlich bedauern, daß eS mir nicht vergönnt ist, in Ihrer Mitte einen Mann zu begrüßen, der durch 20 Jahre als eifrige- Mitglied diese- Kollegiumfür da- Wohl unserer (Gemeinde gewirkt und dreimal als Alterspräsident hier fnngirte, der unerbittliche Tod hat ihn dahingcrafft den edlen Menschenfreund, unser« tüchtigen Mitbürger Herrn Leopold von Portheim. — Rach diesen Worten erhob sich die Versammlung zum Zeichen des Beileids. Am, 13. Vormittagfand die Ueberführung der Leiche unter großer Theilnahme Seiten« der Bevölkerung, nach dem Israel. Friedhofe in Voltschan statt. Ruhe seiner Asche! Daran anknüpfend, können wir nicht umhin, die erhebende Scene hervorzuheben, die, dem Stadtverordneten Collegium sei eS zur Ehre gesagt, dem Lcichcnzuge dafeierlichste Gepräge gab. Bor dem Stadthausc hielt der Leichenwagen an, und sämmtliche mit Windlichtern versehenen Mitglieder der Stadtrepräsentanz, der Bürgermeister, dcffen Stellvertreter und der greise Palacky an der Spitze, schlossen sich unmittelbar dem Traucrzuge an. *** Von dem Leichenbegängnisse de- Hrn. Ist. Mautner, davor Kurzem in DomoSnic ftättfand, wird uns berichtet, daß sich an demselben auch die ganze christliche Bevölkerung bethciligte, waS einerseits Zeugniß davon ablegt, in welchem guten Rufe der Verstorbene gestanden, anderseits von dem guten Einvernehmen, dain dieser Gegend zwischen Israeliten und Nichtisraeliten herrscht. An dem Sarge de- Verblichen hielt Herr Pr. Ellbogen Krei-rabbiner in Jungbunzlau eine deutsche Trauerrede, die auf daS rastlos thätige Leben und wohlthätige Wirken des Betrauerten Bezug hatte, au dem Grabe widmete Herr Bondi Lokalrabbiner in BrandciS an der Elbe einen Nachruf in böhmischer Sprache, der auf die Zuhörer einen erschütternden Eindruck machte. Nicht unerwähnt kann bleiben, daß überhaupt Herr Rab. Bondi auf dafriedliche Verhältnis der Einwohner der beiden Nationalitäten und Religionsbekenntnisse seinen moralischen Einfluß übt; denn der ehrenwcrthe Privatcharakter desselben, so wie der Inhalt seiner Predigten laufen auf Eines hinaus, auf Frieden in und Frieden außerhalb seiner Gemeinde. *** Erstc Wirksamkeit eines ifrael. Stadtvstrordnctcn. In der am 11. d. M. stattgefundenen Sitzung de« Stadtverordneten-Kollegiums theilte Herr Bürgermeister I)r. Klaudy einen gewiß von jedem- Bürger der Stadt und des liandcs freudig aufgcnommcncu, vom Stadtrath gcfasstcu Beschluß, dem vor Kurzem dahingeschiedcnen, unvergesslichen Grafen Karl C h o t c k. letztem Obcrstburggrafcn von Böhmen, in dankbarer Erinnerung an den großen Wohllhätcr des Landes, ein würdiges Monument zu errichten. Dem Beschlüsse zu Folge wolle daS Stadtvcrordnctenkollcgimn, den Stadtrath ermächtigen, die Rcalisirung dieser Idee in die Hand zu nehmen und zu diesem Zwecke die Bevölkerung des Landes zur BcitragSlcistnng im Wege der öffentlichen Subskription cinzuladen. Der Antrag dcS Stadtrathes wurde einstimmig, mit Ausnahme des Herrn Pr. Ludwig T c d c s c o zum Beschluß erhoben. ES muß fast unbegreiflich erscheinen, daß dieser Herr alö isracl. CultuS-Rcpräscntan; Vorsitzende sich so exklusiv benommen hat, nachdem er doch so wie jeder böhm. Jude wissen dürfte, was Graf Ehotek dem Juden gewesen, daß dieser leutsceligc Mann die isracl. Kindcrbcwahranstalt gegründet, überhaupt den Israeliten, wo er nur konnte, genützt hat. Wir haben leider so oft die Erfahrung gemacht, daß einige exquisiten isracl. Stadtverordneten sich jenen Anträgen, die voraussichtlich die Majorität gesichert haben, immer cntgcgenstellen. DaS Stadtverordnctcnkollegium möge die Versicherung hinnehmen, daß ein solches excentrisches Benehmen nicht im Sinne der ist. Bevölkerung Böhmenist. *** Der vor Kurzem in dein Knabenwaisenhause angestellte Lehrer wurde gekündigt. Die Ursache der Kündigung soll auf dem Umstande beruhen, daß der Herr Doktor den Zöglingen gegenüber sehr oft schlagfertig dastand. Auswärtiges. Wien. Nach dem letzten Ausweise zählt die hiesige Talmud-Thoraschule 233 Schüler wovon 2 in die Rabbinerschule 42 in die Gymnasial und Realschulen übertraten. Herr vr. Jellinek spricht sich in seinem Berichte über die Leistungen der Schule in überaus zufriedener Weise aus. Sachsen zählt nach dem neuesten statistischen Ausweis 2,423,586 Einwohner, davon 2072 Israeliten, welche in den Städten und 31, welche auf dem Lande wohnen. Stralsund (Preußen) Der GerichtSasseior Joel (Israelit) wurde zum Richter ernannt. ES ist diese Ernennung eines Israeliten der erste Fall, der in Preußen verzeichnet wird. Paris. Herr Moritz Mayer Sohn, Juwelier des Kaisers, erhielt die Offizier-Auszeichnung des kaiserlichen Medjidie-OrdenS. * Die kaiserliche Commiffion bestimmte für Herrn Jtamar Cohen eine goldene Medaille für die bei der, im Jahre 1867 stattgefundene allgemeine Ausstellnng geleisteten Dienste. * Die Familie Rothschild bestimmte um das Andenken des seligen Baron Jameß zu ehren, für Jerusalem zur Vertheilung unter die Armen 5000 Francs und 10000 Francs als Fond zur Anschaffung von Medikamenten für Kranke ohne Unterschied der Confession. * Um dcnoArmen von Paris, ohne Unterschied der Konfession, einen Beitrag zum MiethzinS zu geben, beabsichtigt die Familie Rothschild einbedeutendes Kapital — man spricht von einer Million — als Stiftung anzulegen.— -* Die feierliche Installation des Oberrabbiner von Paris fand am 7. Jäner statt. univ. isr. Rom. Die »Opinion nationale"_schreibt^ In Rom sind gegenwärtig große Quantitäten von Schießpulver und andern leicht entzündbaren Materialien. Dieselben wurden in dem Kloster St.-Carliste niedergelegt. Die Mönche protestirten natürlich gegen eine solche gefährliche Nachbarschaft von Brennstoffen. Hnrauf wurde beschlossen, dieselben im Ghetto der Juden aufzubewahren!! Schweiz. Der Artikel 69 in der schweizerischen Konstitntion wurde in nachstehender Form ausgenommen r „Die Freiheit der Kulten und des UnterrrichtS wird garantirt. Die Rechte und die Verpflichtungen des Bürgers sind von der Konfession ganz unabhängig. Die Gemeinden ordnen ihre KultuSangclcgenheiten, unter Obhut des Staates selbst. Kein Zwang kann auf die Gemeinden, Gesellschaften und einzelne Personen ausgeübt werden. Der Staat besorgt im Allgemeinen die bis jetzt für den Bedarf des Kultus bewilligten Subfidicn. Die Bürger, welche einer religiösen Gemeinde angehörcn, sind allein für diese Ausgaben steuerpflichtig." London. Sir Mose« Montefiore beabsichtigt, zur Erinnerung an seine verstorbene Frau ein HauS für ConvaleSccnten zu gründen und zwar gedenkt er, die zwei anstoßenden Häuiev bei dem jüdischen Hospitale zu Norwood hicfttr zu kaufen. Stockholm. Vor Kurzem starb in Berlin ein Mann aus unserer Stadt, ein Kammerherr des Königs, Namens Benedict. Er war früher Jude und ist zum Christenthume übcrgegangen. Er vermachte fast eine halbe Million Thaler zu Gunsten verschiedener Wohlthätigkeitövereine, darunter Fortsetzung in der B-"^e

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